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LEITFADENPFLEGEPRAKTIKUMEin Angebot für Pflegeeinrichtungen zurerfolgreichen Durchführung von PraktikaErarbeitet im Rahmen des ProjektesFachkräftesicherung in der Altenpflege

Berlin, Mai 2016Herausgeber:ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft mbH, AhlhoffAlbrechtstr. 11 a10117 BerlinTelefon: 0 30 - 28 03 20 86Telefax: 0 30 - 2 80 32 08 89E-Mail: .deDie Broschüre „Leitfaden Pflegepraktikum –ein Angebot für Pflegeeinrichtungen zur erfolgreichen Durchführung von Praktika“ wurde imRahmen des Projekts Fachkräftesicherung inder Altenpflege erstellt.Das Projekt wird im Rahmen des ProgrammsBerlinArbeit der Senatsverwaltung für Arbeit,Integration und Frauen gefördert und ausMitteln des Landes Berlin finanziert.

INHALTVorwort41. Einführung und Anleitung von Praktikantinnen und Praktikanten61.1 Ziele eines Praktikums81.2 Vorbereitung auf die Praktikantin/auf den Praktikanten81.3 Begleitung des Praktikums91.4 Beendigung und Nachbereitung des Praktikums101.5 Besonderheiten bei Praktikantinnen/Praktikanten nichtdeutscher Herkunftssprache102. Praktikumsaufträge122.1. Erkunden der Einrichtung142.2 Kennenlernen einer Bewohnerin oder eines Bewohners162.3 Richten einer Mahlzeit182.4 Richten eines leeren Bettes202.5 Unterstützen beim An- und Auskleiden222.6 Unterstützen bei der Körperpflege242.7 Unterstützen bei der Mundpflege262.8 Mitwirken bei hygienischen Maßnahmen282.9 Unterstützen bei der Ausscheidung302.10 Begleiten bei Alltagsaktivitäten322.11 Beschäftigung anbieten343. Gespräche mit der Praktikantin/dem Praktikanten363.1 Leitfaden Erstgespräch383.2 Leitfaden Zwischengespräch403.3 Leitfaden Abschlussgespräch424. Weiterführende Literatur44

VORWORT

Sehr geehrte Damen und Herren,mit diesem Leitfaden zur Durchführung von Praktikamöchten wir Ihnen eine Unterstützung anbieten, umInteressentinnen und Interessenten einen erstenEinblick in das Berufsfeld Altenpflege zu vermitteln.Der Beruf Altenpflege bietet ein breites Aufgabenund Tätigkeitsspektrum mit vielfältigen Möglichkeitender beruflichen Weiterentwicklung. Die hochqualifizierte Dienstleistung Altenpflege erfordert von denPflegekräften ein hohes Maß an Fach- und sozialerKompetenz.Nicht jede/r ist sich sicher, ob sie/er für die personen nahe Tätigkeit in der Pflege geeignet ist. Auch lebenserfahrene Menschen, die sich beruflich umorientieren möchten, nutzen mitunter die Möglichkeitüber ein berufliches Praktikum den Wunsch in diesem Berufsfeld zu arbeiten, zu überprüfen.Dabei kann der Verlauf eines Praktikums die Entscheidung zur Berufswahl maßgeblich beeinflussen.Selbst wenn keine Ausbildung oder anschließendeBerufstätigkeit in der Altenpflege folgen sollte, sowird doch jede/r Praktikant/in die gewonnenen Eindrücke aus dem Berufsfeld weitergeben. Daher kannjedes berufliche Praktikum als eine kleine Visitenkarte ihrer Pflegeeinrichtung betrachtet werden, dieals eine Empfehlung für den Beruf Altenpflege wirkt.Mit dem vorliegenden Leitfaden möchten wir Ihneneinen Vorschlag zur Gestaltung und Strukturierungeines ersten Praktikums in der Altenpflege machen.Der Leitfaden gliedert sich in drei Teile. Im Teil I sindGrundsätze zur Einführung und Anleitung von Prak-tikantinnen oder Praktikanten durch die Praxisanlei tung oder Pflegefachkraft beschrieben. Im Teil II derBroschüre finden Sie elf Praxisaufgaben, die von denPraktikantinnen oder Praktikanten bearbeitet werdenkönnen. Theoretische Erläuterungen zu den einzelnen Aufgaben vertiefen das praktische Lernen. Durchdie Gestaltung des Leitfadens ist es möglich einzelneoder die gesamten Praxisaufgaben zu kopieren undfür mehrere berufliche Praktika zu verwenden. Im TeilIII Gespräche mit der Praktikantin/dem Praktikantenfinden Sie Empfehlungen für begleitende Gesprächeund Protokollierungen. Auch diese sind als Arbeitsblätter nutzbar.Um schließlich der Praktikantin oder dem Praktikan ten einen guten Überblick über die Vielfältigkeit desBerufsfeldes Altenpflege zu vermitteln, können Sie gernauf die im Projekt Fachkräftesicherung in der Altenpflege erstellte Bildungslandkarte Altenpflege in Druck version oder interaktiv unter www.pflegebildungslandkarte.de zurückgreifen.Wir freuen uns, wenn Sie bei dem nächsten beruflichen Praktikum in ihrer Pflegeeinrichtung den Leitfaden nutzen und dieser sich als hilfreich erweist.Wir wünschen Ihnen und den künftigen Interessentinnen und Interessenten an dem Berufsfeld Altenpflege erfolgreiche Praktika.Mit den besten WünschenElke AhlhoffGeschäftsführung ArbeitGestalten GmbH5

1. EINFÜHRUNG UND ANLEITUNG VONPRAKTIKANTINNEN UND PRAKTIKANTEN

1.1 Ziele eines PraktikumsSeit vielen Jahren werden junge und nicht mehr sojunge Menschen angehalten, Praktika zur Berufsfindung durchzuführen. Mit dem Praktikum soll einEinblick in die berufliche Praxis von Berufsfelderngewährt werden und so die Berufsfindung zu erleichtern Im Gegensatz zu „früher“, werden Berufe/Berufswünsche nicht mehr in der Familie weitergegeben. Hinzu kommt, dass die gesellschaftlichen Um brüche der vergangenen zwei Jahrzehnte dazu führen, dass viele Eltern die heutigen Möglichkeiten derBerufsausbildung und des Erwerbslebens nicht auseigener Erfahrung kennen. Wir haben einen hohenAn teil an jungen Menschen, die selbst oder derenEltern aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Auch die Berufsbildung variiert teil weise von Bundesland zu Bundesland aufgrund landesrechtlicher Regelungen.Vor allem jedoch in der Pflege haben sich nicht zuletzt durch die Neuordnung der Berufsgesetze zwischen 2002 und 2004 zahlreiche Veränderungen ergeben, auch die Einführung der Pflegeversicherungin den 1990er Jahren hat einen ganz neuen „Markt“an Arbeitsfeldern in der Pflege geschaffen. Nicht zuletzt hat die demografische Entwicklung dafür gesorgt, dass die Pflege heute einen der größten Dienst leistungssektoren in Deutschland darstellt.Kurzgefasst: Ein(e) Praktikant(in) möchte das Berufs feld Pflege kennen lernen. Dabei werden sie in derPraxis vor allem auf drei verschiedene „Praktikantentypen“ mit jeweils unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielen treffen:/S chülerpraktikantinnen und Schülerpraktikanten:Schülerinnen und Schüler der Sekundarschulen,aber auch der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien absolvieren i.d.R. in der 9. Klasse ein Berufsorientierungspraktikum (einige Schulen/Schulformen bieten auch mehrere Praktika an). Ihr Ziel istes, überhaupt „Arbeitsluft“ zu schnuppern. Häufig landen sie durch „Zufall“ oder auf EmpfehlungIhrer Eltern oder Lehrenden in der Pflege. DiesePraktikanten und Praktikantinnen und Praktikanten verfügen selten über Kenntnisse der Pflegeoder der Pflegelandschaft, außerhalb der Schuleverbringen sie ihre Zeit altersgemäß mit Freundinnen und Freunden oder Hobbys. Ein achtstündiger Arbeitstag ist ihnen meistens fremd und fürviele äußerst anstrengend./P raktikantinnen und Praktikanten in der Berufs-vorbereitung: Einige junge Menschen können unmittelbar an ihren Schulabschluss keine Ausbildunganschließen. Diese absolvieren selbstorganisiert8oder im Rahmen einer beruflichen Vorbereitungsmaßnahme ein Praktikum. Meistens sind dieseMen schen besser über das Berufsfeld informiert,sie haben sich bereits mit ihren Berufswünschenauseinandergesetzt und suchen nicht selten aufdiesem Weg nach einem potenziellen Ausbildungs betrieb. Zunehmend finden sich in dieser Gruppeauch ältere Menschen, die über verschiedene Maß nahmen gefördert werden. Hier sind neben denindividuellen Zielen auch die besonderen Voraussetzungen durch die vorhandene Lebenserfahrungzu berücksichtigen./P raktikantinnen und Praktikanten in der (vollzeit-schulischen) Ausbildung: Verschiedene Berufe wer den als schulische Ausbildung angeboten, es gibtalso keinen Träger der praktischen Ausbildung –hier ist das vorrangige Ziel, Theoriewissen in derPraxis umzusetzen. Oder es existiert ein Ausbildungsplatz, im Rahmen dessen das Praktikum wei tere Tätigkeitsfelder aufzeigen soll (z.B. in der Altenpflege- oder Gesundheits- und Krankenpflege ausbildung). Diese Praktikantinnen und Praktikanten kommen in der Regel mit konkreten Praktikumsaufträgen. Durch ihre schulische Ausbildungverfügen sie häufig bereits über ein gutes theoretisches Wissen und kennen das Berufsfeld Pflege.Praktikantinnen und Praktikanten aus schu lischenAusbildungen suchen auf diesem Wege nicht seltennach einem möglichen Arbeitsplatz im Anschlussan ihren Berufsabschluss.1.2 V orbereitung auf die Praktikantin/auf den PraktikantenKennen Sie das: Die Praktikantin bzw. der Praktikantsteht am Montagmorgen im Dienstzimmer, keinerwuss te Bescheid, niemand ist zuständig oder hateine Idee, was die Praktikantin/der Praktikant tunsoll? Jeder Person, die sich in diese Situation hineinversetzt, wird sofort klar sein, dass dies für alleBeteiligten ein schlechter Start ist. Auch wenn kurzfristige Einsätze nicht immer vermieden werden kön nen, ist es sinnvoll, durch eine allgemeine Planungauf eine solche Situation gut vorbereitet zu sein. ImIdealfall sind das Eintreffen einer Praktikantin/einesPraktikanten sowie deren Daten, die Dauer und dasZiel des Praktikums hinreichend lange vorher bekannt.Nutzen Sie das Praktikum als Chance, sich und IhrenBetrieb gut vorzustellen! Nicht nur die Praktikantin/der Praktikant will etwas von Ihnen – ein Praktikumist kostenlose Öffentlichkeitsarbeit, Personalmanagement und innerbetriebliche Fortbildung in Einem: Praktikantinnen und Praktikanten tragen dasBild ihrer Einrichtung nach draußen, sie sind (beivorhandener Eignung) Ihre Fachkräfte von morgenLeitfaden Pflegepraktikum

und sie stellen Fragen, bei denen Sie sich vielleicht(neu) informieren oder Althergebrachtes überdenken müssen.Folgende Unterlagen sollten Sie im Rahmen der Quali tätssicherung erarbeitet haben und im Falle einesPraktikums schnell verfügbar sein:/ Informationsbroschüre über die Einrichtung/ Informationen zur Arbeitssicherheit/Arbeitskleidung/ Liste mit wichtigen Telefonnummern/Kontaktper-sonen im Haus/in der Abteilung (cave: Regelmäßigaktualisieren)legen Ihre Erwartungen und Möglichkeiten dar. Gleich zeitig kennen Sie Ihr Haus, Ihre Arbeitsabläufe undwissen mehr oder weniger intuitiv, welche Arbeitsbereiche oder auch welche einzelnen Klientinnenoder Klienten für einen Praktikumseinsatz geeignetsind. Hinzu kommt eine gewisse fürsorgliche Haltung, aus der heraus Sie entscheiden, welche Aufgaben pädagogisch sinnvoll sind und zwar sowohl inHinsicht auf eine mögliche berufliche Kompetenz,als auch auf die Weiterentwicklung der persönlichenKompetenzen der Praktikantin/des Praktikanten.Grundsätzlich kann folgende Faustformel für Tätigkeiten von Schülerpraktikantinnen und Praktikanten sowie Praktikantinnen und Praktikanten in derBerufsvorbereitung empfohlen werden:/ Einarbeitungskonzept für Praktikantinnen/Prakti-kantenSobald Sie über den Beginn eines Praktikums informiert werden, sind folgende Punkte zu bearbeiten:/ Kontaktperson (Praxisanleitung oder Pflegefach-/ Nicht personenbezogene Tätigkeiten (z.B. Wäscheeinsortieren, Tisch ein-/abdecken, Botengänge)kön n en nach Anleitung selbstständig übernommen werden, sollten jedoch einem Lernziel folgenund keine reine Abordnung ungeliebter Aufgabensein.kraft) festlegen./ Betreuung und Begleitung von Pflegebedürftigen/ Dienstplan (in Absprache mit Praktikant/in) er-(z.B. Begleitung in den Speiseraum, Vorlesen, Begleitung zu Freizeitaktivitäten) können nach Anleitung und Reflexion selbstständig vorgenommen werden, insofern die pflegebedürftige Personin einem stabilen gesundheitlichen Zustand istund keine Gefahr von ihr ausgeht (z.B. aggressives Verhalten).stellen und mitteilen; bedenken Sie, sowohl dieoffiziellen als auch die „inoffiziellen“ Dienstzeiten(z.B.: die Übergabe am Wochenende beginnt immer 10 Minuten früher) zu kommunizieren; daPraktikantinnen/Praktikanten i.d.R. keine Schicht zulagen erhalten, muss sorgfältig abgewogen wer den, ob ein Einsatz in Schichten oder am Wochenende notwendig ist./ Körpernahe Tätigkeiten (z.B. Körperpflege, Essen/ Erstgespräch mit der Praktikantin/dem Praktikan-anreichen, IKM-Wechsel) werden in Begleitung bzw.unter Aufsicht einer Fachkraft vorgenommen.ten terminieren und vorbereiten: Am ersten Tag –am besten nicht mit Schichtbeginn – den Arbeitsbeginn zu einem Zeitpunkt festlegen, an dem dieKontaktperson Zeit und Ruhe hat, sich mit der Prak tikantin/dem Praktikanten hinzusetzen und alleDinge zu besprechen. Achtung: Diese Freiräume fürdie Kontaktperson im Dienstplan berücksichtigen!/ Materialien über Arbeitsabläufe, Sicherheitsbestim mungen, Schweigepflicht etc. griffbereit und ggf.kopiert haben./ Team über die Praktikantin/den Praktikanten undderen Ziele/Qualifikationen informieren und dieAnwesenheit im Dienstplan mit Vermerk „Praktikant/in“ dokumentieren.1.3 Begleitung des PraktikumsIm Erstgespräch erfassen Sie die individuellen Zieleund Wünsche der Praktikantin/des Praktikanten und1. EINFÜHRUNG UND ANLEITUNG VON PRAKTIKANTINNEN UND PRAKTIKANTEN/ Invasive Maßnahmen bzw. Maßnahmen der Be-handlungspflege (z.B. BZ-Messen, Insulin-Spritzen, Sondenernährung, Verbandwechsel) bleibenFachkräften vorbehalten; wenn zusätzliche Zeitvorhanden ist, können die Praktikantinnen/Praktikanten solchen Tätigkeiten beiwohnen.Zur Wahrung der Intimsphäre bzw. des Schamgefühls– sowohl der Pflegebedürftigen als auch der Praktikantinnen/Praktikanten – sollte immer im Einzelfallgeprüft werden, ob pflegerische Tätigkeiten wie Toilettengänge, Intimpflege o.ä. in einem Praktikumangemessen sind.Für Auszubildende, die ein Praktikum im Rahmenihrer Ausbildung absolvieren, ist der Stand der Ausbildung relevant. Tätigkeitsberichte oder auch Praktikumsaufträge sowie eine Absprache mit der Schulesollten es Ihnen ermöglichen, den Ausbildungsstandund die Einsatzfelder in Erfahrung zu bringen. Die9

anleitende Fachkraft sollte sich in den ersten Tagenjedoch ein eigenes Bild von den praktischen Fähigkeiten machen. Invasive Maßnahmen bzw. Maßnah men der Behandlungspflege bleiben den im Hausangestellten Fachkräften vorbehalten. In begründeten Ausnahmefällen gelten alle rechtlichen Grundsätze der Delegation (Organisations-, Anordnungs-,und Durchführungsverantwortung).Im Idealfall ist eine anleitende Fachkraft vor Ort, diedas Praktikum begleitet und sowohl als „Lernmodell“als auch als „Lehrende“ zur Verfügung steht. Praktisches Lernen gelingt häufig dann, wenn die anleitende Fachkraft durch ihre Kompetenzen Sicherheitvermittelt, Reflexionen der Tätigkeiten anbietet undin geplanten Lernsituationen als Anleiterin/Anleiterund/oder Lernmodell fungiert. Ein Zwischengesprächthematisiert diese Rollen und überprüft, ob die Ziele/Wünsche/Erwartungen aus dem Erstgespräch erreicht werden können, oder ob es Nachbesserungsbedarf in der Planung gibt.Hinweis: In Vorbereitung auf bestimmte Tätigkeitenfinden Sie im Anhang Praktikumsaufträge, die immer einen reflexiven Anteil haben, sowie der Praktikantin/dem Praktikanten die Möglichkeit bieten,sich im Vorfeld selbstständig über die Tätigkeit zuinformieren. Diese Aufgaben entbinden nicht vonder Notwendigkeit, die Praktikantin/den Praktikanten durch eine anleitende Fachkraft zu begleiten.1.4 Beendigung und Nachbereitung des PraktikumsDie Praxisanleitung bzw. die anleitende Pflegekraftvereinbaren rechtzeitig für den letzten Tag ein Auswertungsgespräch mit der Praktikantin/dem Praktikanten. Das Gespräch sollte an einem ruhigen Ortstattfinden und der Praktikantin/dem Praktikantenausreichend Zeit einräumen, sich und das Praktikumzu reflektieren sowie die Rückmeldung der Praxisanleitung aufnehmen zu können. Ein Gesprächsleitfaden sowie ein standardisierter Feedbackbogenkönnen ein solches Gespräch unterstützen. Halten Siedie Rückmeldung der Praktikantin/des Praktikantenin einem Kurzprotokoll fest und nutzen Sie diese Informationen im Rahmen Ihrer internen Qualitätssicherung.Informieren Sie sich im Vorfeld über die Leistungender Praktikantin/des Praktikanten bei Ihren Kollegin nen und Kollegen. Sollten sie zufrieden sein, überlegen Sie gemeinsam mit der Geschäftsleitung oderder Pflegedienstleitung, ob Sie bereits im Abschlussgespräch einen Ausbildungsplatz oder eine Festanstellung anbieten können. Werben Sie in diesem Fallnoch einmal mit eigenen Broschüren, informierenSie ggf. über Rahmenbedingungen und Gehalt. In10formationen über arbeitsmarktpolitische Fördermaß nahmen (z.B. der Jobcenter) können ein solches Gespräch ergänzen und mögliche Vorbehalte aufklären.Ermöglichen Sie der Praktikantin/dem Praktikanten,sich z.B. im Rahmen der Dienstübergabe von denKolleginnen und Kollegen zu verabschieden. Informieren Sie alle relevanten Dienststellen vom Endedes Praktikums und erstellen Sie eine Praktikumsbeurteilung bzw. einen Nachweis über das absolvierte Praktikum. Dieses sollte nach Abzeichnen derentsprechenden Leitungen zeitnah der Praktikantin/dem Praktikanten zugesendet werden.1.5 B esonderheiten bei Praktikantinnen/Praktikanten nichtdeutscher HerkunftsspracheDurch die Migrationsbewegungen der letzten zehnJahre sind viele Menschen nach Deutschland gekommen, die nach erfolgreichem Asylverfahren oderanderen Aufenthaltsgenehmigungsverfahren erwerbs tätig werden möchten. Verschiedene Maßnahmenwidmen sich dieser Zielgruppe und fördern einen Ein stieg in den Pflegemarkt durch Sprachkurse, Prak tikaund weiteren Qualifikationsmaßnahmen. Gerade er wachsene Menschen tun sich jedoch mit dem Erwerbder deutschen Sprache schwer, insbesondere Frauen, die außerhalb des Sprachkurses sich hauptsächlich in ihren Familien aufhalten und dort weiterhindie Muttersprache sprechen. Praktika können daherauch wichtige Maßnahmen zur Sprachförderung sein.Ermuntern Sie diese Praktikantinnen/Praktikanten,/ ein Vokabelheft zu führen oder eine entsprechendeApp zu nutzen;/ zweisprachige Wörterbücher oder entsprechendeApps zu nutzen;/ einsprachige Pflegefremdwörterbücher einzuset-zen;/ mit Kolleginnen und Kollegen in den Dialog zutreten, indem Sie immer wieder Sprechanlässeschaf f en;/ ihr Deutsch zu verbessern, indem Sie sich von„Muttersprachlerinnen“ korrigieren oder unbekannte Wörter erklären lassen.Häufig bemerken Sie bereits nach wenigen Wochen,dass die Sprachkompetenz zunimmt. Verschiedenefreie Träger bieten „Nachhilfe“ in Deutsch als Fremdsprache (DaF) an, die den Spracherwerb fördernkönnen. Diese Programme sind für die Teilnehmenden häufig kostenfrei.Leitfaden Pflegepraktikum

Die beschriebene Zielgruppe kennt eine institutionalisierte Altenpflege aus ihren Heimatländern meis tens nicht. Sie sind es gewohnt, dass alte Menschenin den Familien und Gemeinden einen hohen Stellenwert haben und sich gemeinsam um deren Versorgung gekümmert wird. Sie reagieren besonders1. EINFÜHRUNG UND ANLEITUNG VON PRAKTIKANTINNEN UND PRAKTIKANTENsensibel auf ihres Erachtens nicht angemessene Rah menbedingungen und Umgangsformen. Nutzen Siediesen „Blick von außen“ als Spiegel ihrer Arbeit,um vielleicht die eine oder andere Routine in Fragezu stellen.11

2. PRAKTIKUMSAUFTRÄGEIm Folgenden finden Sie Praktikumsaufträge zu elfausgewählten Tätigkeiten als Vorlage. Diese sind jeweils mit reflexiven und beobachtenden bzw. durch führenden Aufgabenanteilen versehen. Die Aufträgesind durch kurze Informationstexte zu den Tätigkeiten ergänzt.Diese Praktikumsaufträge bieten Praktikantinnen undPraktikanten die Möglichkeit, strukturiert und phasenweise selbstorganisiert in der Praxis lernen zukönnen. Sie ersetzen jedoch nicht die fachliche/pädagogische Begleitung durch eine Praxisanleitung.Gerade auch Praktikantinnen und Praktikanten nicht deutscher Herkunftssprache sind durch die Aufträgeangehalten, ihre Gedanken, aber auch Gefühle undBeobachtungen zu verschriftlichen. Dies unterstütztden Spracherwerb. Grammatikalische oder orthogra fische Schwierigkeiten sollten bei der Bearbeitungkeine Rolle spielen.Im Idealfall ist die Arbeit mit den Praktikumsaufträgen durch geplante Praxisanleitertage gerahmt. Andiesen Tagen ist Zeit, den Stand der Praktikumsaufträge zu besprechen, gemeinsam Bewohnerinnen oderBewohner für die Beobachtungs- und Durchführungs aufträge auszuwählen und einzelne Tätigkeiten gezielt zu demonstrieren. Im Rahmen des Erst- und Zwi schengesprächs sollten hierfür Termine vereinbartwer d en.Die Praktikumsaufträge können, müssen aber nichtin der angeführten Reihenfolge bearbeitet werden.

2.1. ERKUNDEN DER EINRICHTUNGPraktikumsaufträge1. E rinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie eine für Sie neue Einrichtung kennengelernt haben (z.B. neue Schule oder Hotel im Urlaub).Schreiben Sie auf,a. welche Informationen für Sie wichtig waren und wie Sie zu diesen Informationen gekommen sind.b. welche Teile der Einrichtung Sie sofort kennen gelernt haben, welche erst später.c. welche Personen in der Einrichtung für Sie wichtig waren und wie Sie sie kennen gelernt haben.2. V erabreden Sie sich mit Ihrer Praxisanleiterin/Ihrem Praxisanleiter und erstellen Sie einen Plan, wann Sie welchen Teil Ihrer Einrichtung kennenlernen können.EINRICHTUNGSBEREICH14BESUCH GEPLANT AMBESUCH DURCHGEFÜHRTLeitfaden Pflegepraktikum

Aufbau und Struktur stationärer PflegeeinrichtungenPflegeheime sind besondere Einrichtungen. In ihnen leben Menschen, die meistens pflegebedürftigsind. Im Gegensatz zu Krankenhäusern werden siehier nicht nur gepflegt oder medizinisch betreut,sondern leben auch ihren Alltag. Aus diesem Grundspricht man von Bewohnerinnen und Bewohnernund nicht von Patientinnen und Patienten. Die sogenannten Stationen werden heute meistens Wohnbereiche genannt. Die meisten Pflegeeinrichtungenversuchen, in Aufbau und Inneneinrichtung einewohnliche Atmosphäre auszustrahlen.Dennoch werden in Pflegeheimen viele Menschenversorgt – viele von Ihnen mit besonderen Bedürfnissen. Aus diesem Grund gibt es bestimmte Bereiche, die es in „normalen“ Häusern nicht gibt undandere, die Sie auch aus Ihrer Wohnung kennen.Einen grundlegenden Unterschied gibt es jedoch zureigenen Wohnung: In allen Bewohnerbereichen mussdie Möglichkeit gegeben sein, Hilfe zu rufen – dieserfolgt meist über eine „Klingel- oder Notrufanlage“.Dienstzimmer: Hier halten sich die Pflegenden einesWohnbereichs auf, um die Dokumentation zu erstellen, Telefonate zu führen, Medikamente vorzubereiten oder Dienstbesprechungen durchzuführen. VieleDienstzimmer verfügen über einen kleinen Aufenthaltsbereich, den die Pflegenden für ihre Pausennutzen können.Bewohnerzimmer: Als Bewohnerzimmer wird dieWoh nung einer Bewohnerin/eines Bewohners beschrieben und ist somit ein privater Bereich. Vordem Betreten klopfen Sie an oder klingeln Sie, umsich anzukündigen. Meistens hängt an oder nebender Tür ein Namensschild, so dass Sie wissen, welcheBewohnerin/welcher Bewohner hier wohnt.2.1. ERKUNDEN DER EINRICHTUNGSpeisesaal oder Restaurantbereich: Im Speisesaalnehmen die Bewohnerinnen und Bewohner ihreMahlzeiten zu sich. Er kann entweder im Wohnbereich sein oder auch als großer Speisesaal für dieganze Einrichtung zur Verfügung stehen. Der Speisesaal wird häufig auch für Beschäftigungsangebotezwischen den Mahlzeiten genutzt.Arbeitsräume: Arbeitsräume dienen der Vor- undNachbereitung von pflegerischen Tätigkeiten. Sie wer den meistens in reine und unreine Arbeitsräume un ter teilt. Unreine Arbeitsräume dienen der Entsorgung von schmutziger Wäsche, Abfall oder Ausscheidungen (Fäkalspüle). Reine Arbeitsräume dienen derLagerung von Pflegehilfsmitteln oder Wäsche.Pflegebad: Viele Einrichtungen verfügen über eingroßes Badezimmer mit eigener Pflegebadewanneund Hilfsmitteln, um die Bewohnerinnen und Bewoh ner in und aus der Badewanne zu heben (Lifter).Verwaltungsbereich: Der Verwaltungsbereich liegt häu fig im Erdgeschoss/Eingangsbereich der Einrichtungund umfasst Büros für die Verwaltungsangestelltenund die Heimleitung sowie häufig über eine Rezeption, an der Besucherinnen und Besucher empfangen und Fragen gestellt werden können.Hauswirtschaftsbereich: Der Hauswirtschaftsbereichliegt häufig im Keller der Einrichtung und umfassteinen Küchenbereich sowie eine Wäscherei und tech nische Räume. Hier arbeitet überwiegend das nichtpflegerische Personal.15

2.2 KENNENLERNEN EINER BEWOHNERIN ODER EINES BEWOHNERSPraktikumsaufträge1. E rinnern Sie sich an eine Situation, in der Sie das letzte Mal eine Person neu kennen gelernt haben. Schreiben Sie auf,a. welche Informationen für Sie wichtig oder interessant waren und wie Sie zu diesen Informationen gekommen sind.b. wie das Kennenlernen stattgefunden hat (Ort, einleitende Sätze, Körperhaltung).c. was das Kennenlernen erleichtert oder erschwert hat.2. W ählen Sie mit Ihrer Praxisanleitung eine geeignete Bewohnerin oder einen geeigneten Bewohner aus, den Sie kennen lernen sollen. Machen Sie sichwährend des Kennenlernens Notizen und fassen Sie Ihr Gespräch und die gewonnenen Informationen kurz zusammen.3. N otieren Sie in Stichworten, wie Sie sich bei dem Gespräch gefühlt haben, was Ihnen schwer und was Ihnen leicht gefallen ist.16Leitfaden Pflegepraktikum

Bewohnerinnen und Bewohner einer EinrichtungWenn alte oder pflegebedürftige Menschen in einHeim einziehen, bedeutet das für sie meistens einegroße Veränderung in ihrem Leben. Vertrautes mussaufgegeben werden, für viele geht es mit dem Verlust von Selbstständigkeit einher. Auf der einen Seite verkleinert sich der Wohnraum, auf der anderenSeite können oder müssen viele Räume mit anderen,fremden Menschen geteilt werden.Bewohnerinnen und Bewohner empfinden das Leben im Heim sehr unterschiedlich. Für manche ist eseine positive Veränderung: Es sind Menschen da, diesich um einen kümmern und für die wichtigstenDinge ist immer gesorgt. Es besteht die Möglichkeit,mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern Kontakte zu knüpfen – es entstehen vielleicht sogarneue Freundschaften oder Beziehungen.Manche Menschen empfinden den Einzug in einHeim jedoch als tiefe Krise: Sie geben ihre Privatsphäre auf, insbesondere, wenn sich zwei Personenein Zimmer teilen. Wieder andere empfinden dieAnwesenheit und das Vorgehen von Pflegekräftenals unangenehm, fühlen sich bevormundet und in2.2 KENNENLERNEN EINER BEWOHNERIN ODER EINES BEWOHNERSihrer Freiheit eingeschränkt. Viele sind traurig, weilsie ihr gewohntes Umfeld verlassen haben oder weilihre Lebenspartnerin/ ihr Lebenspartner verstorbenist. Wieder andere leiden unter Schmerzen oderkönnen sich nicht mehr alleine fortbewegen.Gerade alte Menschen erinnern sich in dieser Lebensphase an ihre Jugend oder schöne Zeiten mitihrer Familie – gerne erzählen sie davon. Anderesind sehr interessiert daran, wie es „draußen“ soist, freuen sich, wenn junge Leute über ihr Lebenberichten. Wieder andere Menschen sind so traurigoder leiden unter so starken Schmerzen, dass siesehr grimmig wirken und nur ungern von sich selbsterzählen und Unterhaltungen sogar ablehnen.Wichtig ist, dass alle Bewohnerinnen und Bewohnereines Heims eine eigene Geschichte haben und eineeigenständige Persönlichkeit sind, auch wenn siedas eine oder andere gemeinsam haben. Sie freuensich, wenn sie in dieser Eigenständigkeit wahrgenommen und mit ihren Eigenheiten wertgeschätztwerden.17

2.3 RICHTEN EINER MAHLZEITPraktikumsaufträge1. S tellen Sie sich vor, Sie haben Ihren Arm gebrochen und müssen einen Freund um Hilfe bitten, Ihr Frühstück zuzubereiten. Beantworten Sie folgendeFragen in Stichworten.a. Welche Speisen würden Sie auswählen?b. Worauf würden Sie beim Anreichen der Speisen Wert legen (z.B. Anordnung auf dem Teller, Anfassen der Lebensmittel)?2. W ählen Sie mit Ihrer Praxisanleitung eine Bewohnerin oder einen Bewohner aus, dem Sie eine Mahlzeit anrichten sollen. Erkundigen Sie sich, ob diePerson aus gesundheitlichen Gründen alles essen darf. Bringen Sie die Essenswünsche in Erfahrung und richten Sie die Mahlzeit. Fassen Sie kurzzusammen, wie Sie vorgegangen sind und wie die Bewohnerin oder der Bewohner reagiert hat.3. Notieren Sie in Stichworten, worin sich das Anrichten von Mahlzeiten für Bewohnerinnen von der Speisezubereitung zu Hause unterscheidet.18Leitfaden Pflegepraktikum

Richten einer MahlzeitPflegebedürftige Menschen können aus verschiedenen Gründen so eingeschränkt sein, dass sie sich nichtmehr selbst einen Teller mit Essen anrichten können. Hierzu gehören Einschränkungen der Bewe gungsfähigkeit, aber auch andere Veränderungen,wie z.B. Verwirrtheit oder Schmerzen. In diesen Fällen übernehmen Pflegende diese Aufgabe. Hierbeigehen Sie wie folgt vor:mehr so wie früher. Mit einfachen Maßnahmen kanndie Umgebung essensförderlich gestaltet werden:/ Essen ansprechend auf dem Teller anrichten: DieLebensmittel sollten erkennbar sein, „Farbtupfer“durch kleine Garnituren aus Tomaten, Salat oderObst erfreuen das Auge und steigern den Appetit./ Den Tisch mit einfachen Mitteln dekorieren: Bunte/ Gesundheitsbezogene Essenseinschränkungen be achten (z.B. bestimmte Diäten oder Einhaltung vonTrinkmengen)./ Essenswünsche erfragen./ Essen mit Hilfe von Besteck oder mit speziellenServietten, kleine Blumensträußchen oder hübsche Namenskärtchen verbreiten eine wohlige Atmosphäre./ Für Gesellschaft sorgen: Viele Menschen essen un-gerne alleine, daher gemeinsam genutzte Speise räume dem Essen auf dem Zimmer vorziehen.Handschuhen auf dem Teller platzieren./ Essensräume sauber, aufgeräumt und gut gelüftet/ Am Tisch nach Wunsch oder Erfordernis Brote schmie ren oder Essen klein schneiden./ Beobachten, ob die Bewohnerin/der Bewohner dasEssen zu sich nimmt, ggf. Essen nachlegen oderauch anderes Essen bringen, wenn das Essen nichtschmeckt.Menschen verlieren im Alter oder bei Krankheit ihren Appetit, Speisen schmecken ihnen häufig nicht2.3 RICHTEN EINER MAHLZEIThalten: Das Einhalten hygienischer Vorschriften istunerlässlich.Da Menschen im Alter oder bei Krankheit wenigerEssen zu sich nehmen, ist es hier besonders wichtig,auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. So sollten immer frisches Obst oder Gemüse den Speiseplanergänzen, eiweißhaltige Speisen (z.B. Milchprodukteoder Hülsenfrüchte) fettreichen Nahrungsmitteln vor gezogen werden.19

2.4 RICHTEN EINES LEEREN BETTESPraktikumsaufträge1. B eschreiben Sie in Stichworten, wann und wie

Berlin, Mai 2016. Herausgeber: ArbeitGestalten Beratungsgesellschaft mbH, Ahlhoff. Albrechtstr. 11 a 10117 Berlin. Telefon: 0 30 - 28 03 20 86 Telefax: 0 30 - 2 80 32 08 89