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BIG Bildungsinstitut im GesundheitssystemKurs: S-VIE 2Leitung einer Station oder EinheitAbschlussarbeit mit dem Titel:„Implementierung einer Pflegevisiteauf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2der LVR-Klinik Mönchengladbach“Kursleitung: Sigrid Wieja und Dr. phil. Gunnar Lindnervorgelegt am 04. Juli 2014vonChristian Lorbiecki

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2Inhalt1.Einleitung . 22.Die LVR-Klinik Mönchengladbach . 32.1Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen . 32.2Die Station A2 . 32.3Das Multiprofessionelle Team der Station A2 . 42.4Zu meiner Person . 43.Die Pflegevisite . 53.1Formen und Definitionen der Pflegevisite (PV) . 53.2Ziel und Zweck der Pflegevisite . 63.2.1Ziele aus Sicht des Patienten . 63.2.2Ziele aus Sicht der Mitarbeiter . 63.2.3Ziel und Zweck der Einführung der Pflegevisite auf der Station A2 . 73.3Voraussetzungen zur Einführung der Pflegevisite . 83.3.1Bezugspflege der Station A2 . 83.3.2Bezugspflegegespräch . 93.3.3Pflegeprozess in der Theorie. 93.3.4Kompetenzen der Mitarbeiter . 103.4Pflegevisite als Leitungsinstrument . 113.4.1Organisation und Begleitung der Pflegevisite . 113.5Pflegevisite und Qualität. 123.5.14.Definition wichtiger Begriffe . 12Implementierung der Pflegevisite . 144.1Konzeptionsphase . 144.1.1Notwendige Vorgespräche . 144.1.2Projektauftrag . 154.1.31. Informationsveranstaltung im Pflegeteam . 154.1.4Kick-off-Veranstaltung 1. Projektteam . 154.1.5Entwicklung der Befragungen zur Patientenzufriedenheit . 164.1.6Die Arbeitspakete . 164.1.72. Projektteam zum Start der Pflegevisite . 164.1.8Pflegeteam zum Start der Pflegevisite . 174.1.9Pflegeteams zu den Inhaltlichen Ergebnissen . 174.1.10Klärung von Fortbildungsbedarf und Bedenken der Mitarbeiter . 174.2Projektdurchführung . 184.2.1Planung, Durchführung, Rahmenbedingungen und Zuständigkeit . 184.2.2Dokumentation . 184.2.3Variationen der Pflegevisite . 194.2.4Der Gesprächsleitfaden . 204.2.5Der Maßnahmenkatalog . 204.2.6Ein Themenbeispiel aus dem Maßnahmenkatalog . 214.2.7Begleitung der Pflegevisite durch die Stationsleitungen . 224.2.8Auswertung der Pflegevisite . 234.3Ergebnisse der Befragungen . 235.Fazit . 256.Quellenangaben. Literaturverzeichnis . 277.Anhänge. 29Für den gesamten nachfolgenden Text schließen grammatikalische maskuline Formen zur Bezeichnung vonPersonen weibliche und männliche gleichermaßen ein.1

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A21.EinleitungAls ich mich im Rahmen der Weiterbildung zur pflegerischen Stationsleitung mit dem Thema füreine Projektarbeit beschäftigt habe, stand für mich fest, dass es ein Leitungsthema sein sollte.Gleichzeitig wollte ich mich nicht nur theoretisch mit diesem Thema befassen, sondern dasProjekt so gestalten, dass eine praktische Anwendung für die Station oder für die gesamteKlinik entsteht. Daher habe ich mir die Frage gestellt: “Welche Felder werden in der Arbeit mitPatienten in den nächsten Jahren von Bedeutung sein und dabei den Arbeitsbereich derPflegenden aufwerten und professionalisieren“?Eine Möglichkeit, diese beiden Aspekte in einem Projekt zusammenzuführen, ist dieImplementierung des Leitungsinstrumentes der Pflegevisite (PV). Die Pflegevisite, die ich alsein strukturiertes, qualitätssicherndes Instrument sehe, setzt eine direkte Beteiligung derPatienten in den Fokus und bietet den Pflegenden die Möglichkeit, den Behandlungsprozessprofessionell, fundiert und strukturiert mitzugestalten. Sie verbindet damit die beiden Aspekte inbesonderem Maße. Zudem ist sie ein wichtiger Baustein, um den Pflegeprozess zuindividualisieren und zu vervollständigen. Dies wird im Laufe der Arbeit beschrieben undbegründet.Um z.B. die Wirksamkeit messen zu können, war es erforderlich, neben einer IST-Analysedurch eine Patientenbefragung vor Einführung, auch eine Befragung der Patienten nachEinführung durchzuführen, um eine fundierte Aussage über den qualitativen Effekt derPflegevisite machen zu können.Diese Arbeit beschreibt im Verlauf den Arbeitsbereich der LVR-Klinik Mönchengladbach (LVRKlinik MG) und insbesondere den Suchtbereich in dem die PV zum Einsatz kommt. Dannwerden im Laufe einer Literaturrecherche die theoretischen Hintergründe der PV beschriebenund direkt mit der Praxis verknüpft. Im 4. Kapitel werden die Schritte zur Implementierung derPflegevisite beschrieben und Aspekte meiner Tätigkeit mit beleuchtet und damit auch die Rolleder Stationsleitung. Im anschließenden Fazit werden die Ergebnisse des Projekteszusammengefasst. Im Anhang befinden sich Protokolle, Ergebnisse der Befragung und imLaufe des Projektes entwickelte Arbeitsinstrumente, wie z.B. der Maßnahmenkatalog.Ich möchte mich hier schon bei allen bedanken, die mich bei dem Projekt tatkräftig unterstützthaben. Hier im speziellen bei der Qualitätsmanagementbeauftragten, dem Pflegeexperten undden Projektteilnehmern, sowie dem gesamten Pflegeteam der Station A2, welche durch diemotivierte Mitarbeit und das Engagement eine Implementierung und Umsetzung erst möglichgemacht haben.2

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A22.Die LVR-Klinik MönchengladbachDie LVR-Klinik MG ist ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie im Zentrum vonMönchengladbach / Rheydt. Die Klinik verfügt über eine Institutsambulanz, 36 teilstationärePlätze, 130 vollstationäre Betten und einen Betriebsbereich soziale Rehabilitation mit 42Plätzen. Neben dem suchtmedizinischen Bereich, der im Folgenden näher beschrieben wird,hält die Klinik im KHG-Bereich einen gerontopsychiatrischen, einen allgemeinpsychiatrischenBereich und eine Spezialstation für Depressionserkrankungen vor. Die LVR-Klinik MG hat keineBereiche für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie für Forensik.2.1Ambulanz für AbhängigkeitserkrankungenWie die gesamte Klinik arbeitet auch die Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen nach demPrinzip der gemeindenahen Versorgung. Neben der Beratung und Information bei Problemenmit Abhängigkeitserkrankungen ist eine Aufgabe die Vorbereitung auf die stationäreEntwöhnungstherapie.Die Ambulanz für Abhängigkeitserkrankungen bildet gemeinsam mit der Station A2 der LVRKlinik MG das Zentrum für Abhängigkeitserkrankungen.2.2Die Station A2Die Station A2 ist eine offen geführte suchtmedizinische Aufnahmestation mit einer Kapazitätvon 18 Behandlungsplätzen. Davon sind 4 Plätze in so genannten Beobachtungszimmern fürPatienten, die einer deutlich höheren Begleitung und Beobachtung bedürfen.Die Patientenklientel besteht aus Frauen und Männern nach Vollendung des 18. Lebensjahres.Die Aufnahmerate liegt auf das Jahr verteilt bei ca. 700 Aufnahmen. Der Schwerpunkt liegt inder qualifizierten Entzugsbehandlung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen beistoffgebundenen Süchten wie Alkohol, Medikamenten und illegalen Substanzen. Der Fokusliegt hierbei auf dem Alkoholentzug. Entzugsbehandlungen von Heroin werden in der Regel nanderenKlinikendurchgeführt.Psychiatrische Erkrankungen, die oftmals mit einer Abhängigkeit einhergehen, wie z. B.Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen oder Psychosen sehen wir nichtisoliert, sondern als Sucht verstärkend oder bedingend und ebenfalls behandlungsbedürftig. Zielder Behandlung ist es, den Patienten neben dem körperlichen Entzug die Möglichkeit einesabstinenten Lebens näherzubringen, den Glauben an die Selbstheilungskräfte zu fördern, dasHilfesystem der Stadt Mönchengladbach kennenzulernen und gemeinsam eine individuelleNachsorge zu erarbeiten.3

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2Die konzeptionelle Arbeit ist in einem Behandlungspfad im Intranet der Klinik hinterlegt und fürjeden Mitarbeiter einzusehen. Es sind hier sehr strukturiert die Zuständigkeiten undAufgabenfelder der verschiedenen Professionen in der Behandlung hinterlegt.2.3Das Multiprofessionelle Team der Station A2Das multiprofessionelle Team setzt sich aus 13 Pflegenden mit 10,28 Vollkräftestellen, davoneine Pflegekraft mit 12,5 Std. und drei Pflegekräften mit 19,25 Std. zusammen. Alle Kollegensind staatlich examinierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte. Zwei Pflegekräfte haben dieWeiterbildung zum Fach- und Gesundheitspfleger für Psychiatrie abgeschlossen. DasPflegeteam der Station wird durch eine Stations- und eine stellvertretende Stationsleitungorganisiert.Das ärztliche Team besteht aus 1 Oberarzt und 2 Assistenzärzten.1 Sozialarbeiterin befasst sich mit sozialen Belangen und Ämterangelegenheiten der Patientender Station (10 Std. in der Woche).Besonders von Vorteil für die Einführung der Pflegevisite ist die Tatsache, dass das Pflegeteamsehr motiviert ist und ein großes Erfahrungswissen in der Arbeit mit Suchtpatienten aufweist.Zudem erleichtert das strukturierte Setting der Station für Abhängigkeitserkrankungen und dasgelebte Bezugspflegesystem die Implementierung des Arbeitsinstrumentes Pflegevisite.2.4Zu meiner PersonMeine Tätigkeit in einem psychiatrischen Krankenhaus begann 1989 mit der Ausbildung zumGesundheits- und Krankenpfleger in der LVR-Klinik Viersen, die ich 1992 erfolgreich mit demStaatsexamen abschließen konnte. Nach Ableistung des Zivildienstes in einer Einrichtung fürbehinderte Jugendliche, nahm ich meine Arbeit in der LVR-Klinik Viersen auf einer AkutSuchtaufnahmestation für alkohol- und drogenabhängige Patienten wieder auf. Im Verlauf derJahre lernte ich verschiedene Bereiche der Klinik kennen. Dazu zählte die Arbeit auf einerSuchtaufnahme- und Therapiestation für Jugendliche in der Jugendpsychiatrie der LVR-KlinikViersen, sowie verschiedene Einsätze auf forensischen Stationen des allgemeinpsychiatrischenBereiches und Suchtbereiches. Von 1998 bis 1999 nahm ich an der Weiterbildung zumFachpfleger für Psychiatrie in der Stiftung Tannenhof/ Remscheid mit Erfolg teil.2011 wechselte ich in die LVR-Klinik Mönchengladbach und übernahm die stellv.Stationsleitung auf der Suchtaufnahmestation A2. In die Position der Stationsleitung wechselteich Ende 2013. Zurzeit befinde ich mich in der Weiterbildung zur Leitung einer stationärenEinheit in deren Rahmen dieses Projekt der Pflegevisite entstand.4

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A23.Die PflegevisiteIn den folgenden Kapiteln wird mit der theoretischen Diskussion um die Pflegevisite direkt diePraxis der Station A2 verknüpft, begründet und der Ist-Zustand beschrieben.3.1Formen und Definitionen der Pflegevisite (PV)Der Begriff Visite ist aus dem lateinischen „visitare“ abgeleitet worden und bedeutet „besuchen,besichtigen, untersuchen“ (Internet 1: www.wortbedeutung.info/Visite/ 15.02.14).In der Fachliteratur und in der Praxis werden für die Pflegevisite oft verschiedene Begriffegenutzt, womit diese nicht einheitlich definiert wurde.„In der deutschsprachigen Pflegeliteratur wurde der Begriff wahrscheinlich erstmals vonDöpcke-Paentz /1981 eingeführt“ (vgl. Heering, Das Pflegevisiten-Buch, S. 46).Heering beschreibt, dass erste konzeptionelle Grundlagen Anfang der 1990-er Jahreentstanden sind und sich seit dem zahlreiche Autoren theoretisch und empirisch mit diesemInstrument auseinandergesetzt haben. Dabei wurde klar, dass in der Berufsgruppe derPflegenden die Auffassung zur Notwendigkeit, der Zielsetzung, sowie praktische Umsetzungder PV inkongruent ist. (vgl. Heering, S. 46).J. Kußmaul beschreibt z.B. die „Mybes Wohnbereichs- und Pflegedokumentationsvisite“. DiesePflegevisite ist eine spezielle Visite, welche in Einrichtungen der stationären AltenhilfeAnwendung findet (vgl. Kußmaul, Die modulare Pflegevisite, S. 24).Heering hat z.B. die Pflegevisite konkretisiert und in verschiedene Formen unterteilt (vgl.Heering S. 47 – 57). Diese sehen wie folgt aus: Pflegevisite als Dienstübergabe am Patienten Pflegevisite als Führungsinstrument Pflegevisite als Qualitätssicherungsinstrument Pflegevisite als Instrument zum Einbezug der PatientenZudem finden sich in der Literatur verschiedene Definitionen zur Pflegevisite. Hier ein paarBeispiele:Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. definiert diePflegevisite wie folgt:„Die Pflegevisite wird als Besuch beim Pflegebedürftigen durchgeführt und dient u. a. derErörterung des Befindens des Pflegebedürftigen, seiner individuellen Wünsche und seinerZufriedenheit mit dem Pflegedienst sowie der Erstellung, kontinuierlichen Bearbeitung undKontrolle der Pflegeplanung sowie der Pflegedokumentation Die Pflegevisite ist Planungsund Bewertungsinstrument, das kunden- oder mitarbeiterorientiert durchgeführt werden kann“(vgl. MDS, 2005, S. 104).5

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2Swoboda definiert die Pflegevisite wie folgt:„Die Pflegevisite ist ein Planungs- und Bewertungsinstrument, das kunden- oder mitarbeiterorientiert durchgeführt werden kann.“ (vgl. Swoboda, S. 43)Heering wiederum definiert die Pflegevisite wie folgt:„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der Klientin über ihrenPflegeprozess. Die PV dient so der gemeinsamen Benennung der Pflegeprobleme undRessourcen, beziehungsweise der Pflegediagnosen, der Vereinbarung von gewünschtenPflegezielen, der Vereinbarung der Art, Menge und Häufigkeit der nötigen Pflegemaßnahmenund schließlich der Überprüfung der Angemessenheit und Wirkung der Pflege“ (vgl. HeeringS.52).3.2Ziel und Zweck der PflegevisiteDie Pflegevisite dient lt. der Definition von Heering als Instrument zur Beteiligung der Patientenan ihrer Behandlung. „Der Grundgedanke dieser Definition basiert auf einem Menschenbild, dasjedem Menschen und jeden Patienten grundsätzlich als eine denkende, fühlende und wollendePersönlichkeit mit eigener Verantwortungsfähigkeit ansieht“ (vgl. Heering S. 53). Unter„partizipieren“ ist gemeint, dass die Patienten sich zu ihrer Situation und Erleben mitteilen unddie Möglichkeit erhalten, sich aktiv in die Behandlung mit einbringen zu können. Die Sichtweisezum Pflegeprozess (Pflegeplanung / -diagnose / Planung von Maßnahmen) der Patienten sollalso gehört werden und Maßnahmen zur Reduktion seiner Beschwerden können gemeinsamfestgelegt werden. Insgesamt sind damit lt. Heering (vgl. Heering) folgende Ziele verbunden.3.2.1 Ziele aus Sicht des PatientenEin verbessertes emotionales Befinden durch Partizipation an der Behandlungsplanungbzw. dem Pflegeprozess- der Patient fühlt sich respektiert und ernst genommen Bedürfnisse beachten/ berücksichtigen Förderung der Eigenverantwortung Eine umfassende inhaltliche Information durch Beratung zur Thematik Sucht undNachsorgeangebote durch Bezugspflege Ein besseres Verständnis gegenüber den Pflegemaßnahmen Intensivierung der Arbeitsbeziehung Patient/Bezugspflege3.2.2Ziele aus Sicht der Mitarbeiter Die Pflegevisite fördert Eigenverantwortung Die Pflegevisite fördert Berufszufriedenheit durch ein eigenständiges und wichtigesArbeitsinstrument Die Pflegevisite sorgt für die Wertschätzung der Kollegen aus dem Berufsfeld Pflege6

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2„Das pflegerische Fachpersonal ergreift die Initiative und hat die Möglichkeit zu agieren. Dasführt zur nachhaltigen Steigerung des Pflegebewusstseins, der pflegerischen Qualität undKompetenz. Die Pflegenden übernehmen Verantwortung für ihre Planung, kommunizieren aufhohem Niveau ( ) und erhalten eine Wertschätzung aller beteiligten Gruppen undAngehörigen. Sie erarbeiten und erhalten ein einheitliches gemeinsames Pflegeverständnis“(vgl. Internet inal/de/dokumente/tw pflege/intensiv4-13.pdf26.02.14).3.2.3Ziel und Zweck der Einführung der Pflegevisite auf der Station A2Die Definition zur Pflegevisite von Heering wird uns als Grundlage für die Arbeit mit demPatienten auf der Station A2 dienen und ist im „Kurzkonzept Pflegevisite Station A2“ (s. Anhang8) hinterlegt.Zusätzlich ist im Leitbild der LVR-Klinik MG die Behandlungsbeteiligung der Patientenverankert. Die Pflegevisite wird diesen Anspruch unterstützen und ausbauen.Auch wenn die Bezugspflege auf der Station gut umgesetzt wird, finden nese erhoben worden ist, kommt es leider vor, dass im Rahmen einer siebentägigen Entgiftungsbehandlung kein strukturiertes und terminiertes Gespräch mit demBezugspflegepatienten mehr stattfindet. Die Bezugspflegegespräche gestalteten sich nachGesprächsbedarf des Patienten, wie z.B. Klärung von Problemen im Alltag, im Umgang mit derSuchtproblematik oder soziale Belange. Wichtige Informationen, wie Ressourcen oder Defizite,welche für den Pflegeprozess und der Arbeit mit dem Patienten grundlegend sind, werden sonicht immer ermittelt, da die Bezugspflegegespräche nicht pflegeprozessorientiert sind.Bezugspflegegespräche werden teilweise nicht zeitnah oder in der Thematik genaudokumentiert. Es gibt hierfür keinen Leitfaden. Dieses ist ungünstig, da Informationen verlorengehen und so auch kein Nachweis unser erbrachten Leistungen erbracht wird. Die Sichtweisedes Patienten zu seiner Behandlung, den Maßnahmen und Angeboten, sowie die Möglichkeitsich in die Behandlung mit einbringen zu können, werden in der Dokumentation nicht immerersichtlich. In den Aktenaudits der LVR-Klinik MG wird bei der Diskussion über dieDokumentation die Patientensicht in den Fokus genommen. Die Teammitglieder der Stationensollen somit für diese Thematik in der Dokumentation sensibilisiert werden. Es ist davonauszugehen, dass es für den Patienten wichtig ist, dass er sich in seiner „Sichtweise“ zurBehandlung ernstgenommen bzw. wahrgenommen fühlt.Folgende Ziele sollen mit der Einführung einer Pflegevisite auf der Station A2 erreicht werden: Die Einführung des Instrumentes Pflegevisite als Qualitätssicherungsinstrument soll derStärkung des pflegefachlichen Wissens dienen, was wiederum zu einer Steigerung des7

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2professionellen Selbstverständnisses und der Arbeitszufriedenheit führt. (vgl. Heering 2012S.58 ff.) Durch die regelmäßige kollegiale Beratung seitens der Stationsleitungen (s. Kap.3.4) solldieses unterstützt werden. Zu beachten ist hierbei (Nichtziel), dass Fehler, die während derVisitation auffallen, hierbei nicht dazu dienen dürfen negativ zu kritisieren, sondern alsFeedback, um aus der Situation „Pflegevisitengespräch“ zu lernen. Gleichzeitig kann anhand der durchgeführten Pflegevisiten die Qualität der pflegerischenBehandlung durch die Dokumentation transparent gemacht werden. Durch die Möglichkeit der Partizipation der Patienten an der Pflegevisite ist eine Steigerungder Patientenzufriedenheit auf der Station A2 zu erwarten.3.3Voraussetzungen zur Einführung der Pflegevisite3.3.1Bezugspflege der Station A2Auf der Station A2 ist die „Bezugspflege“ ein wichtiges Instrument des Pflegepersonals in derArbeit mit dem Patienten. Da die Patienten im Rahmen ihrer Suchtproblematik heinen,hatsichdurchdasBezugspflegesystem so auch oft eine Vertrauensbasis in der Zusammenarbeit pflegediagnose„UnwirksamerSelbstschutz“ (vgl. Pflegediagnosen und Maßnahmen, Doenges E. et al), mit der Pflegeplanungerhoben. Mit den geplanten Maßnahmen soll die Gefahr von Entzugskomplikationen, wie entendasErtragenderEntzugssymptome erleichtert werden.Imersten multiprofessionellenMittagsteam nach Aufnahme wird derPatienteinerBezugspflegeperson zugeteilt. Es wird Wert darauf gelegt, dass ein Patient, welcher wiederholtzur Behandlung erscheint, der Bezugspflegeperson zugeteilt wird, welche diesen in der letztenBehandlung betreut hat. Aufgabe der Bezugspflegeperson ist es innerhalb der ersten zwei Tageeine Pflegeanamnese zu erstellen bzw. diese aus dem letzten Aufenthalt zu evaluieren. Indiesem Rahmen werden Pflegeprobleme und Ressourcen erfasst und es sollte eine individuellePflegediagnose/ -planung erhoben werden. Dieses funktioniert leider noch nicht immer. DiePflegevisite ist deshalb ein geeignetes Instrument, um den Mitarbeitern die Arbeit mit denPflegediagnosen zu erleichtern.Die Bezugspflegeperson ist in den Mittagsteams „Manager“ des Bezugspatienten. In diesemTeam wird durch die Bezugspflegeperson die Moderation zum zu betreuenden Patientenübernommen. Falls die Bezugspflegeperson einen Tag nicht anwesend gewesen ist, hat sie diePflicht sich über den Behandlungsverlauf bei den anwesenden Kollegen zu informieren.Gemeinsam wird dann multiprofessionell die Behandlung geplant.8

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2Dieses Bezugspflegesystem hat sich in der Zusammenarbeit mit dem Patienten als effektivgezeigt.Auch Patienten, welche das erste Mal zur Aufnahme erscheinen, profitieren vomBezugspflegesystem, in dem sie durch klare Zuständigkeiten und Strukturen in der (Behandlungs-) Planung wichtige Informationen erhalten und besser partizipieren s-bzw.Beziehungsgestaltung in der Zusammenarbeit von Patienten und Bezugspflegeperson. Bereitsbei der Exploration der Pflegeanamnese findet das erste intensivere ngspflegegespräch dient der Motivation, Information und der Reflektion von wirksamensowieunwirksamenVerhaltenund kannauch fürSorgen,Ängste,ProblemealsGesprächsplattform zur Verfügung stehen. Denn auch daraus könnten Maßnahmen für einePflegeplanung bzw. einer gemeinsamen Planung abgeleitet werdenDa die PV auch von der Bezugspflegeperson durchgeführt wird, ist dieses Gespräch sozusagenein „spezielles“ Bezugspflegegespräch, mit der Intention den Patienten an seinemPflegeprozess teilhaben und partizipieren zulassen, indem mit ihm zusammen Maßnahmenbesprochen werden.3.3.3Pflegeprozess in der Theorie„Der Pflegeprozess und seine Dokumentation dienen der systematischen Feststellung derKompetenz des Pflegebedürftigen, seinen alltäglichen Bedürfnissen und Anforderungennachzukommen, dem Aushandeln von Pflegebedarfen und Pflegezielen, dem Festlegen vonVerantwortlichkeiten für die Durchführung einzelner Unterstützungsleistungen und derÜberprüfung der Angemessenheit von Maßnahmen und Zielsetzungen. In der Dokumentationwerden die Art und Weise des pflegerischen Handelns beschrieben und allen am ProzessBeteiligten werden die notwendigen Informationen zugänglich gemacht“ (A. Uhl.: Dieindividuelle Situation des Patienten muss berücksichtigt werden, Pflege Zeitschrift 8/1998 S.582 – 585). C. Heering benennt den Pflegeprozess als systematischen Zugang zurganzheitlichen Pflege jedes einzelnen Patienten (vgl. Heering. S.27). Es existierenverschiedene Pflegeprozessmodelle. Das Bekannteste ist das 6-stufige Modell nachFichter/Meier. Die Arbeit mit dem Patienten und der Pflegekraft gestaltet sich so in einemständigen Kreislauf.Folgende Punkte in einem fortlaufendem Kreislauf beinhaltet das Modell nach Fichter/Meier (s.Abb.1, S.10). „Informationen sammeln, Pflegeprobleme/ Ressourcen erfassen, Ziele setzen,Pflegemaßnahmen planen, Pflegemaßnahmen durchführen, Effektivität der Maßnahmen9

Christian LorbieckiAbschlussarbeit: Implementierung einer Pflegevisite auf der offenen Sucht-Aufnahmestation A2kontrollieren-auswerten-ggf. verbessern“ (vgl. Pflege Heute. S.35). Das Modell ist somit einInstrument der Qualitätssicherung.Der Pflegeregelkreislauf nach Fichter/MeierAbb. 1: Pflegeregelkreis(vgl. Internet 8: Grafik Pflegeregelkreis aus zess 25.02.14)Die Pflegediagnose nach NANDA gehört in der Arbeit mit dem Pflegeprozess in der finitionderNANDA1990:„EinePflegediagnose ist die klinische Beurteilung der Reaktion von Einzelpersonen, Familien odersozialen Gemeinschaften auf aktuelle oder potentielle Probleme der Gemeinschaft oder imLebensprozess. ( ) liefern die Grundlagen zur Wahl von Pflegehandlungen und zum Erreichenerwarteter Pflegeziele, für welche die Pflegeperson die Verantwortung übernimmt“ (vgl. Stefan/Allmer et al., Praxis der Pflegediagnosen, S.12). Im Krankenhausinformationssystem (KIS) sinddie Pflegediagnosen hinterlegt. Es existiert eine Aufteilung in Taxonomiefelder in derAnamnese, welches das Zuteilen einer Pflegediagnose erleichtert. Dementsprechend kann diePflegediagnose erhoben und die Pflegeplanung erstellt werden. Um den Pflegeprozess und diePflegevisite qualitativ hochwertig zu gestalten braucht es aber auch einige Kompetenzen derMitarbeiter, welche im Folgenden beschrieben werden.3.3.4Kompetenzen der MitarbeiterFachkompetenz„Fachkompetenz bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, alle fachlichen Kenntnisse,Fertigkeiten und Fähigkeiten, die der Berufstätige zur Bewältigung konkreter beruflicherAufgaben benötigt einzusetzen, d. h. also d

Stationsleitung auf der Suchtaufnahmestation A2. In die Position der Stationsleitung wechselte ich Ende 2013. Zurzeit befinde ich mich in der Weiterbildung zur Leitung einer stationären Einheit