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ulsanitätsdienstRechtlicher Rahmen fürSchulsanitätsdiensteund Empfehlungen zurImplementierung vonSchulsanitätsdiensten inNiedersachsen

EinführungDiese Handreichung bietet Schulen derSekundarstufe I und II Hinweise über Qualitätsstandards zur nachhaltigen Implementierung des Schulsanitätsdienstes.Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium, den Landesverbänden der Hilfsorganisationen (ArbeiterSamariter-Bund, Deutsche Lebens-RettungsGesellschaft, Deutsches Rotes Kreuz LVOldenburg und LV Niedersachsen, JohanniterUnfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst), denGemeinde Unfallversicherungsverbänden ausNiedersachsen (Braunschweigischer GUV,GUV Hannover und GUV Oldenburg) sowieder Landesunfallkasse Niedersachsen erstellt.Sie richten sich an alle Schulformen der Sekundarstufe. Die Hilfsorganisationen beratengerne bezüglich einer den Bedürfnissen derSchule angepassten Gestaltung des Schulsanitätsdienstes. Die Gemeinde Unfallversicherungsverbände fördern im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Aufbau von Schulsanitätsdiensten in Niedersachsen1.1. Rechtliche Vorgaben1.1 AllgemeinesDer Schulsanitätsdienst ersetzt nicht die Verantwortung und qualifizierte Ausbildung derLehrkräfte. Allgemein hat die Schulleitung dieVerantwortung für die Durchführung von Maßnahmen der Ersten Hilfe. Sie hat dafür Sorgezu tragen, dass die Erste-Hilfe-Einrichtungenund Ausrüstungsgegenstände bereitgestelltwerden und stellt sicher, dass Lehrkräfte ingeeigneter Weise ihrer Verpflichtung zur Aufsicht und Fortbildung nachkommen.2Bei Schulsanitätsdiensten handelt es sich umpädagogische Projekte, bei denen Schülerinnen und Schüler lernen Verantwortung zuübernehmen – Zivilcourage wird hier für alleerlebbar. Die für den Schulsanitätsdienst zuständige Lehrkraft stellt deshalb deren persönliche Eignung als Schulsanitäterin und Schulsanitäter fest.Bei Unfällen und Erkrankungen, die über Bagatellfälle wie z.B. geringfügige Verletzungenhinausgehen, hat der Schulsanitätsdienst eineaufsichtführende Lehrkraft mit hinzuzurufen.Denn es gilt der Grundsatz: „Die Verantwortung zur Hilfeleistung bei einem schulischenNotfall haben grundsätzlich immer die aufsichtführenden Lehrkräfte.“ 3 Dies sollte auch in den1Siehe Förderkriterien des jeweiligen GemeindeUnfallversicherungsverbandes2 Vgl.: Erste Hilfe, Brandschutz und Evakuierung inSchulen, RdErl. d. MK v. 31.01.20143 In: Gemeinde-UnfallversicherungsverbandHannover (2012): Hilfen zum Helfen. Materialien fürden Schulsanitätsdienst. Allgemeine InformationenS. 1.Vgl. auch: Aufsichtspflicht der Schule,Niedersächsisches Schulgesetz und RunderlassErste Hilfe, Brandschutz und EvakuierungSchulen mit Schulsanitätsdiensten so kommuniziert werden.Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter habenfür die Folgen ihres Handelns bei Erste-HilfeLeistungen rechtlich nicht einzustehen, soweitsie nicht grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben. Selbst wenn ihnen ein Fehlerbei der Hilfeleistung nach bestem Wissen undGewissen unterlaufen sollte, haften sie nichtpersönlich.41.2 Voraussetzung der Schule zur Umsetzung eines SchulsanitätsdienstesSachausstattung und SanitätsraumDie Bereitstellung der zur Ersten Hilfe erforderlichen Ausstattung ist Aufgabe des Schulträgers. Dieser muss die nach der DGUVInformation 202-059 „Erste Hilfe in Schulen“erforderlichen Erste-Hilfe-Einrichtungen undErste-Hilfe-Materialien zur Verfügung stellen.5Medizinische Ausstattung, die über diePflichtmaterialien der Ersten Hilfe hinausgeht,darf nur gemäß entsprechender Zusatzausbildung der verantwortlichen Lehrkraft bzw. derSchulsanitäterinnen und Schulsanitäter verwendet werden.Schulorganisatorische VoraussetzungenDie Implementierung des Schulsanitätsdienstserfolgt als Schulentwicklung im Rahmen derSchulprogrammarbeit der Schule und ist entsprechend von den hier zuständigen Gremienabzustimmen.In der neuen Fassung des "Orientierungsrahmen Schulqualität in Niedersachsen"(2014) heißt es: „So stellen Persönlichkeitsbildung und Gesundheitsförderung sowieindividuelle Förderung und damit Inklusionzugleich Ziel und Grundprinzip allenschulischen Handelns dar.“ (S. 4)Es finden sich vor allem Anknüpfungspunkteunter: 1.1.3 Personale und soziale Kompetenzen:Die Schülerinnen und Schüler zeigenAnstrengungs- und Leistungsbereitschaft,übernehmen soziale Verantwortung undgestalten Gemeinschaft mit. 5.1 Bildungsangebote: Die Entscheidungüber Schwerpunkt- oder Profilbildungen,Wahlpflicht- oder Wahlkurse sowie Förderunterricht und Arbeitsgemeinschaftensteht in engem Zusammenhang mit demSchulprogramm sowie der Ausgestaltungder Schule als Lebensraum zur Persönlichkeitsbildung. 5.1.3 Besondere Angebote der Förderung:Ein vielfältiges und flexibles unterrichtser4Vgl.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung(2012): Rechtsfragen bei Erster-Hilfe-Leistung durchErsthelfer.5 Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2008):DGUV-Information 202-059 Erste Hilfe anSchulen (bisher: GUV-SI 8065)

gänzendes Angebot unterstützt und erweitert den Erwerb von fachlichen, fachübergreifenden, personalen und sozialen Kompetenzen.6.2.3 Erweiterung des Bildungsangebots:Die Schule nutzt Kooperationen mit Schulen und anderen Partnern systematisch zurErweiterung des Bildungsangebots durchgemeinsam getragene Lernangebote.6.3.2 Gestaltung- und Verantwortungsbereiche: Die Schule eröffnet den Schülerinnen und Schülern Gestaltungsspielräumeund fördert Verantwortungsübernahme.2. Ausbildung von Schulsanitäterinnen undSchulsanitäternSchulsanitäterinnen und Schulsanitäter müssen eine Ausbildung in Erster Hilfe (Erste-HilfeAusbildung mit neun Unterrichtseinheitenmöglichst durch eine ermächtigteHilfsorganisation) haben und weitereKenntnisse im Bereich der Erweiterten ErsteHilfe durch eine fachlich und pädagogischqualifizierte Person mit folgenden Themen9vermittelt bekommen: Verortet werden sollte der Schulsanitätsdienstim Sicherheits- und Präventionskonzept derSchule.Betreuungslehrerin/ BetreuungslehrerIn der Regel ist es erforderlich und sinnvoll,dass der Schulsanitätsdienst von einer Lehrkraft oder mehreren Lehrkräften geleitet undbetreut wird.6 Für die Aufgabe der Betreuungeines Schulsanitätsdienstes sollte die Lehrkraftdie Qualifikation eines Erste Hilfe-Ausbilders/einer Erste Hilfe-Ausbilderin besitzen. Besitztdie Lehrkraft diese nicht, sollte sie mindestenseinmalig die Ausbildung der Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter (gemäß dieserHandreichung) mit durchlaufen haben undregelmäßig ihre Kenntnisse in Erster Hilfeauffrischen. Zur Beurteilung der persönlichenEignung der Schülerinnen und Schüler zurErste-Hilfe-Leistung sollte jedoch dannmöglichst ein Vertreter oder eine Vertreterineiner Hilfsorganisation unterstützendhinzugezogen werden.1.3 Voraussetzung der Schülerinnen undSchüler zur TeilnahmeSchülerinnen und Schüler, die an einemSchulsanitätsdienst teilnehmen wollen, benötigen eine Einverständniserklärung der Eltern.Die Eltern sollten außerdem vorab über dieImpfempfehlungen der STIKO informiert werden. Schulsanitäterinnen und Schulsanitätersollten möglichst den Basisimpfschutz besitzen.Mit der aktiven Mitarbeit im Schulsanitätsdienstsollten Schülerinnen und Schüler nicht vorEintritt in die 7. Klasse beginnen.7Die Schülerinnen und Schüler müssen sichverpflichten, über alle vertraulichen Informationen, die sie im Rahmen des Sanitätsdienstesüber Mitschüler erhalten, Stillschweigen zuwahren.86Auftrag und Rolle des Betreuungslehrers z.B. In:Malteser Hilfsdienst e.V. Gliederung Remscheid/Solingen (2008): Arbeitshilfe für Malteser Helfer,Lehrer und Schüler. S. 12.7 Siehe: Gemeinde-UnfallversicherungsverbandHannover (2012): Hilfen zum Helfen. Materialien fürden Schulsanitätsdienst.8 Siehe: Deutsches Rotes Kreuz, Generalsekretariat–Jugendrotkreuz- (2007): Arbeitshilfe Organisation desSchulsanitätsdienstesHygienePsychische Betreuung des Verletzten/ErkranktenRolle und Aufgabe der SchulsanitäterPsychohygiene des HelfersUmgang mit (Kranken-)Trage und/oderRettungstuchSportverletzungenDiese Erweiterte Erste Hilfe ist im Anschlussan die Erste-Hilfe-Ausbildung zu erteilen. BeiEinsätzen der Schulsanitäterinnen undSchulsanitäter sind die Kenntnisse in diesenBereichen dringend notwendig. Ersthelferinnenund Ersthelfer, die nur die Erste-HilfeAusbildung abgeschlossen haben, können imRahmen der pädagogischen Heranführung biszur vollständigen Ausbildung eineSchulsanitäterin oder einen Schulsanitäter beiEinsätzen begleiten. Die Betreuungslehrkraftstellt die regelmäßige Fortbildung derSchulsanitäterinnen und Schulsanitäter sicher.Organisation des SchulsanitätsdienstesBei der Organisation des Schulsanitätsdienstes sind die Besonderheiten der Schule (Gebäude, Schulorganisation) zu berücksichtigen.Der reguläre Unterricht sollte nicht zu sehrgestört werden. Die Hilfsorganisationen habenhierzu umfangreiche Informationsmaterialien,die von Schulen gerne angefordert werdenkönnen.Wichtige Punkte bei der Organisation desSchulsanitätsdienstes sind die Organisationder Dienste, die Alarmierung, die Einsatzdokumentation, das Verhalten der Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter, die Schweigepflichterklärung, die Empfehlung für denTransport und die Arztwahl10 zu nennen.Schulsanitätsdienst. Aufbau, Begleitung, Beratung.Kolöchter & Partner, Berlin.9 In Absprache mit den Hilfsorganisationenempfohlene Erweiterte Erste Hilfe Themen fürSchulsanitäterinnen und Schulsanitäter10 Siehe Transportempfehlungen in: GemeindeUnfallversicherungsverband Hannover (2008):Unfall .Was nun? Hinweise und ergänzendeEmpfehlungen zur ersten Hilfe an Schulen.

HygieneDie Schule hat in einem Hygieneplan gemäߧ 36 Infektionsschutzgesetz auch den Bereichder Ersten Hilfe zu regeln. Als Umsetzungshilfekann die „Arbeitshilfe zur Erstellung desHygieneplans für die Schule auf der Grundlagedes § 36 Infektionsschutzgesetz“ 11 herangezogen werden.Psychische Betreuung des Verletzten/ErkranktenDa in der Betreuung von Verletzten und Erkrankten ein Schwerpunkt bei der Arbeit desSchulsanitätsdienstes liegt, müssen die zuerlernenden Fähigkeiten in diesem Bereichüber die des in der Erste-Hilfe-AusbildungErlernten hinausgehen.SportverletzungenEtwa 40% der meldepflichtigen Schulunfällepassieren im Bereich Sport.14 Ein besonderesAugenmerk ist aus diesem Grund auf den Bereich der Sportverletzungen zu legen.Unabdingbar ist es für neue Schulsanitäterinnen und Schulsanitäter, dass sie neben derErste-Hilfe-Ausbildung und der ErweitertenErste Hilfe „Schulsanitätsdienst“ in die spezifischen Gegebenheiten des eigenen Schulsanitätsdienstes eingewiesen werden. Siemüssen in die Struktur und die Ausstattungihres Schulsanitätsdienstes unterwiesen werden und die spezifischen Meldewege, Anfahrtswege für den Rettungsdienst sowie diemöglichen Unfallschwerpunkte ihrer Schulekennen.Rolle und Aufgaben der Schulsanitäterinund des SchulsanitätersMitglieder des Schulsanitätsdienstes habenVorbildfunktion. Sie müssen wissen, wie mansich korrekt im Sanitätsraum verhält, wie manverantwortungsbewusst mit Sanitätsmaterialumgeht und wie man für eine sinnvolle Gestaltung der Dienstpläne sorgt.Psychohygiene der Helferin und desHelfersJeder Mensch erlebt Unfälle und Krankheitenunterschiedlich. Für viele Schulsanitäterinnenund Schulsanitäter stellen die Einsätze psychosoziale Belastungssituationen dar, die innerhalb des Schulsanitätsdienstes über regelmäßige Gespräche aufgefangen werden müssen.12 Im Vorfeld sollten Schulsanitäterinnenund Schulsanitäter Anzeichen von Belastungsreaktionen kennen und wissen wohin sie sichvertrauensvoll mit solchen Problemen wenden können.Umgang mit (Kranken-)Trage/RettungstuchuchSinnvollerweise sollte in einem Sanitätsraumeiner Schule und auch in der Turnhalle sowohleine Liege, als auch eine Trage vorhandensein.13 Zu wenige wissen jedoch, wie man miteiner Trage umgeht. Nach einer korrektenEinweisung sind Schulsanitäterinnen undSchulsanitäter in der Lage, Verletzte sachgerecht mit einer Trage zu transportieren.11Niedersächsisches Landesgesundheitsamt(2011): Arbeitshilfe zur Erstellung des Hygieneplansfür die Schule auf der Grundlage des § 36Infektionsschutzgesetz.12 Siehe hierzu: Johanniter-Jugend in derJohanniter-Unfall-Hilfe e. V. (2012): Informationenzum Schulsanitätsdienst - Ein Infoblatt derJohanniter-Jugend. S.413 Laut DGUV-Information 202-059 Erste Hilfe anSchulen (bisher: GUV-SI 8065) muss einSanitätsraum mindestens mit einer Liege oder einerKrankentrage ausgestattet sein.14Vgl.: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung(2013): Statistik Schülerunfallgeschehen 2012

An der Erstellung der Handreichung beteiligte Personen:Maria BeckmannMarc Oliver BerndtBodo DannhöferBernhard GlasowUte HenkensiefkenStefan HühneKurt HülsenThomas JohnThomas KießlichDr. Vera MetzePetra MetznerJutta SengpielJannie SchaffmeyerJens SewohlDr. Frank StreiberBritta TheissenAndreas VogelAn der Handreichung beteiligte d NiedersachsenHans-Theismann-Weg 130966 Hemmingen beiter-Samariter-JugendLandesjugend NiedersachsenPetersstraße 1-230165 [email protected]/35854-0DLRG Landesverband Niedersachsen e.V.GeschäftsstelleIm Niedernfeld 4a31543 Bad DRK Landesverband Niedersachsen e.V.JugendrotkreuzErwinstraße 730175 0511 28000-230Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.Landesverband Niedersachsen/Bremen(Fachbereichsleiter Jugend)Kabelkamp 530179 band des Malteser Hilfsdienstes e.V.Zu den Mergelbrüchen 430559 Gemeindeunfallversicherungsverband HannoverLandesunfallkasse NiedersachsenGUVH / LUKNGeschäftsbereich PräventionAm Mittelfeld 16930519 [email protected]/8707-0DRK Landesverband OldenburgJugendrotkreuzMaria-von-Jever-Str.226125 Oldenburg - [email protected]/92179-0

Braunschweigischer GemeindeUnfallversicherungsverbandBerliner Platz 1CGeschäftsbereich Prävention38102 nde-Unfallversicherungsverband OldenburgFachbereichsleiter PräventionGartenstraße 926122 [email protected] 77909-0Niedersächsische Landesschulbehörde (NLSchB)Dez. 3Regionalbeauftragter für Prävention undGesundheitsförderungBirkenweg 526127 /94998-18Niedersächsische Landesschulbehörde (NLSchB)Dez. 3Regionalbeauftragte für Prävention undGesundheitsförderungWilhelmstraße 62-6938100 531 484-3333Titelfoto: Johanniter/Frank SchemmannStand: Juli 2015

Oldenburg und LV Niedersachsen, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser-Hilfsdienst), den Gemeinde Unfallversicherungsverbänden aus Niedersachsen (Braunschweigischer GUV, GUV Hannover und GUV Oldenburg) sowie der Landesunfallkasse Niedersachsen erstellt. Sie richten sich an alle Schulformen der Se-kundarstufe. Die Hilfsorganisationen beraten