Transcription

ahlensystemewww.cf-fachportal.de»CF1226703Marco Göck / Martin Dresp, beide StuttgartSteuerung mit Kennzahlen: Die Qual der Wahl imZahlendschungelMarco Göck leitet die Gruppe Corporate Developments im Bereich Research derLandesbank Baden-Württemberg in Stuttgart.Martin Dresp ist Analyst im Bereich Research der Landesbank BadenWürttemberg in Stuttgart.Kontakt: [email protected] schaffen Transparenz und können damit zumGeschäftserfolg beitragen. Sie helfen dabei, Probleme im Unternehmen frühzeitig zu erkennen, Informationen zu gewinnen undauszuwerten sowie die Planung mit der Ist-Situation abzugleichen.Eine Analyse von 145 börsennotierten Unternehmen der DAXFamilie zeigt, dass mit mehr als 100 verschiedenen Kennzahlenein e große Vielfalt bei der Wahl der Steuerungsgrößen vorherrscht.Trotz der Individualität sind Umsatz, EBIT und EBITDA drei finanzielle Kennzahlen, die derzeit die Steuerungssysteme dominieren.I. EinleitungDie erfolgreiche Steuerung eines Unternehmens stellt für Entscheidungsträger eine zentrale Herausforderung dar. Mithilfesog. Steuerungsgrößen, auch bekannt unter dem Begriff „KeyPerformance Indicators“ (KPIs), sollen strategische Ziele operationalisiert werden. Gleichzeitig dienen sie als wichtige Entscheidungshilfe für die Empfänger der berichteten Kennzahlenund richten den Fokus auf die wesentlichen Entwicklungen.Unternehmenskennzahlen verschiedenster Art spielen hierbeinicht nur für die Entscheidungsträger im Unternehmen selbst,sondern auch für diverse Interessensgruppen eine wichtige Rolle.So nutzen u.a. Ratingagenturen, Banken oder der KapitalmarktKennzahlen zur Erfolgsbewertung eines Unternehmens.Ein möglicher Grund für die wachsende Bedeutung von Steuerungsgrößen ist die Veränderung der Rahmenbedingungen fürUnternehmen. So wachsen in Zeiten des technischen Fortschrittsund der kürzer werdenden Produktzyklen auch die Herausforderungen einer erfolgreichen Unternehmenssteuerung. Dasfrühzeitige Erkennen neuer Trends wird daher immer wichtiger,um auch zukünftig erfolgreich am Markt präsent zu sein. Zudemist in Zeiten der Digitalisierung und der stetig zunehmendenVernetzung eine ausreichende Datenverfügbarkeit zunehmendgegeben.Innerhalb der letzten 15-20 Jahre rückte der Begriff wertorientierte Steuerung bei Unternehmen mehr und mehr in den Vordergrund. Bei der wertorientierten Steuerung steht die Steigerungdes Unternehmenswerts und damit der Shareholder Value imVordergrund. Bestehende Studien von Pellens et al.1, KPMG2 undGitt et al.3 untersuchten und bestätigten bereits den Trend zurwertorientierten Unternehmenssteuerung. In Anlehnung andie gewählte Methodik von Gitt et al., bei der die Größen ROCE,1238Vgl. Pellens/Tomaszewski/Weber, DB 2000 S.1825.Vgl. KPMG, Value Based Management: Shareholder Value-Konzepte – Eine Untersuchung derDAX 100-Unternehmen, 2003.Vgl. Gitt/Völl/Kettenring, Anwendung wertorientierter Steuerungskennzahlen in deutschenHDAX-Unternehmen, http://hbfm.link/1539, Abruf am: 05.01.2017.ROIC, RONA, CVA, EVA und CFRoI als wertorientierte Steuerungskennzahlen definiert wurden, hat sich bei den untersuchtenDAX-Unternehmen in 2015 im Vergleich zu 2010 keine nennenswerte Änderung ergeben. Allerdings ist der Anteil mit ca. 75% derDAX-Unternehmen, die wertorientiert steuern, bereits sehr hoch.II. Kennzahlensteuerung deutscher Unternehmen1. Vorgehensweise und Überblick der KennzahlenNach HGB ist der Lagebericht für mittelgroße und große KapGes.ein Bestandteil der Berichtspflichten. Auch deutsche Unternehmen, die nach IFRS bilanzieren, haben die Pflicht einen Lagebericht bzw. Konzernlagebericht nach deutschem Handelsrecht zuerstellen. Für die Geschäftsjahre nach dem 31.12.2012 ist nachDRS 20 – Standard zur Konzernlageberichterstattung – innerhalb des Konzernlageberichts eine Erläuterung zum Steuerungssystem zu verfassen, wobei i.d.R. auch explizit die wichtigstenSteuerungsgrößen genannt werden. Dabei sind Steuerungsgrößen nicht nur für Unternehmen relevant, die aufgrund der Publizitätspflichten darüber berichten müssen, sie stellen vielmehr fürjedes Unternehmen einen wichtigen Erfolgsfaktor dar.Im Folgenden wurden die aktuellen Lageberichte (i.d.R. 2015)von den 145 Nicht-Finanzunternehmen der wichtigsten deutschen Börsenindizes – DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – nachden kommunizierten Steuerungsgrößen untersucht.Steuerungskennzahlen lassen sich hinsichtlich der Relevanzund der Art klassifizieren. So wird üblicherweise zwischen denbedeutsamsten und weiteren/ergänzenden KPIs unterschieden.Die Festlegung, ob eine Kennzahl für ein Unternehmen vonübergeordneter Bedeutung ist, obliegt dem Unternehmen selbst.Des Weiteren können die Kennzahlen finanzieller oder nichtfinanzieller Natur sein. Erfahrungsgemäß nehmen finanzielleKennzahlen eine übergeordnete Bedeutung ein und werdenhäufiger verwendet. Allerdings rücken zunehmend auch nichtfinanzielle Größen in den Vordergrund, die sich bspw. mit derKundenzufriedenheit oder Nachhaltigkeitsthematiken beschäftigen. Eine Schwierigkeit ist dabei stets die Messbarkeit qualitativer Größen und der damit verbundene, meist höhere Aufwand.Zuletzt wird bei Großkonzernen auch häufig zwischen Konzern- und Segmentsteuerungsgrößen oder alternativ zwischenoperativen und strategischen Kennzahlen unterschieden.Falls nicht explizit im Text erwähnt, beziehen sich die folgenden Grafiken und Ausführungen auf die bedeutsamsten(Konzern-) Steuerungskennzahlen.2. Große Vielfalt und doch GemeinsamkeitenUnternehmen können bei der Festlegung eigener Steuerungsgrößen frei agieren und die passenden und aufeinander abgestimmten Kennzahlen individuell bestimmen. Dieswird bereits dadurch bestätigt, dass die 145 betrachtetenUnternehmen weit mehr als 100 verschiedene Kennzahlen inihren Geschäftsberichten nennen. Diese Vielzahl ist ein erstesIndiz dafür, dass häufig individuelle Kennzahlen passendCORPORATE FINANCE Nr. 01-02 30.01.2017Dieses Dokument ist lizenziert für wiso-net, uINTD238.Alle Rechte vorbehalten. Corporate Finance. Download vom 24.07.2017 08:41 von www.wiso-net.de.

Finanzierungwww.cf-fachportal.dezum Geschäftsmodell entwickelt und implementiert werden.Oftmals werden dabei auch bekannte Kennzahlen in einerindividuell festgelegten bereinigten Form dargestellt (bspw.adjusted EBIT). Zudem berechnen Konzerne teilweise bis zuacht verschiedene Varianten einer Kennzahl.Abb. 1: Top 10 der meistgenannten KennzahlenUmsatzEBITEBITDAFree r Cashflow97625234312419191716Trotz der Vielzahl unternehmensspezifischer Kennzahlen werden überwiegend quantitative, finanzielle Größen von vielenFirmen zugleich berücksichtigt. So haben mit 97 Unternehmenmehr als zwei Drittel aller untersuchten Unternehmen die GrößeUmsatz bzw. Umsatzwachstum als wesentliche Steuerungsgröße definiert. Weitere häufig genannte Kennzahlen sind EBITsowie EBITDA (es wurde hierbei nicht zwischen bereinigtemoder nicht-bereinigtem EBIT/EBITDA unterschieden).Abb. 2: Anzahl KPIs pro Unternehmen nach Indizes GesamtfinanziellKategorieMeistgenannte KennzahlErgebnisEBITRentabilitätROCE (Return on Capital Employed)Wachstums bzw. WachstumstreiberUmsatz (-wachstum)Liquidität(Net) Working CapitalBonitätNettoverschuldung zu EBITDACashflowFree CashflowWertbeitragsorientiertValue AddedAnteilseignerEPS (Gewinn je Aktie)Weitere StakeholderMitarbeiterzufriedenheit(-motivation, -engagement)BranchenspezifischFFOa) Ergebnis-KPIQuellen: Unternehmen, LBBW ResearchDaxTab. 1: Einordnung der Kennzahlen4,2Diese Kennzahlen zielen auf das Unternehmensergebnis oderBestandteile von diesem ab.Abb. 3 zeigt, dass bei den Ergebnis-Kennzahlen in erster Linievier Größen dominierend sind. Am häufigsten wird dabei dasoperative Ergebnis, auch unter der Abkürzung EBIT aus derIFRS-Rechnungslegung bekannt, als KPI verwendet, gefolgt vomGewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA).Ein eher kleinerer Teil der Unternehmen verwendet das Ergebnis vor Steuern (EBT) bzw. nach Steuern (EAT) oder weitereGrößen wie bspw. den Rohertrag.Abb. 3: Ergebnis-Kennzahlensonstige; 6%EBIT; 40%EAT; 10%EBT; 12%Anteil an der Gesamtanzahl genannterErgebnis-KPIs in %;Quelle: LBBW ResearchEBITDA;32%0,7nicht-finanziellQuelle: LBBW ResearchIm Mittelwert berichteten die Unternehmen von etwa 5 bedeutsamen KPIs, während sich die Anzahl der genannten KPIs nachunserer Vorgehensweise zwischen 1 und 13 bewegt. Dabei wurden nur die bedeutsamen Steuerungsgrößen miteinberechnet.Abb. 2 macht deutlich, dass die Anzahl berichteter KPIs je nachIndexzugehörigkeit schwankt.Insgesamt wird im Durchschnitt weniger als eine nicht-finanzielle Kennzahl als eine der bedeutsamsten KPIs bewertet.Allerdings sollten qualitative Größen nicht außer Acht gelassen werden. Obwohl qualitative Größen oftmals nicht explizitals „bedeutsamste Steuerungsgröße“ definiert werden, werdenzahlreiche qualitative Größen sehr häufig als ergänzende Steuerungsgrößen genannt.b) Rentabilitäts-KPIUnsere zweite Kategorie der Rentabilitätskennzahlen setzti.d.R. eine der bereits genannten absoluten Ergebnisgrößen insVerhältnis zu einer weiteren Kenngröße. So wird bspw. bei derEBIT-Marge das EBIT ins Verhältnis zum Umsatz gesetzt. DerROCE stellt in Bezug auf die Rentabilität mit 31 Nennungen dieam häufigsten verwendete Steuerungsgröße dar, gefolgt von derEBIT- und EBITDA-Marge. Eher selten werden die bekanntenGrößen Gesamt- oder Eigenkapitalrendite verwendet. Weiterevereinzelt verwendete Möglichkeiten stellen der RONA (Returnon Net Assets), ROOA (Return on Operating Assets) oder auchder ROI (Return on Investment) dar. Von der Begrifflichkeitkönnen bspw. der ROCE oder RONA auch als wertorientierteSteuerungsgrößen gesehen werden, falls die relative Größe demKapitalkostensatz zur Unternehmenssteuerung gegenübergestellt wird. Im Folgenden werden diese jedoch einheitlich alsRentabilitätsgrößen definiert.c) Wachstums(treiber)-KPI3. KennzahlenkategorienFür die folgenden Auswertungen und zur besseren Übersichtlichkeit wurden die einzelnen Kennzahlen in zehn übergeordnete Kategorien eingeteilt.CORPORATE FINANCE Nr. 01-02 30.01.2017Innerhalb der dritten Kategorie befinden sich die meisten Kennzahlen, wobei dies in erster Linie auf unternehmensspezifischgewählte Größen zurückzuführen ist und viele Kennzahlennur einmalig genannt werden. So nennt bspw. der Münchner9Dieses Dokument ist lizenziert für wiso-net, uINTD238.Alle Rechte vorbehalten. Corporate Finance. Download vom 24.07.2017 08:41 von www.wiso-net.de.

Finanzierungwww.cf-fachportal.deTicketvertreiber eventim die Anzahl der über das Internetverkauften Tickets als nicht-finanzielle Steuerungsgröße. Diein dieser Kategorie sowie auch insgesamt mit 97 Nennungenam häufigsten verwendete Kennzahl ist der Umsatz bzw. dasUmsatzwachstum. Ein möglicher Grund für die weit verbreiteteAnwendung des Umsatzes als KPI dürfte u.a. die leichte Verständlichkeit dieser Größe sein, was im gesamten Unternehmen zurAkzeptanz beitragen kann.Des Weiteren werden sehr häufig KPIs festgelegt, die zukünftigenWachstumschancen dienen oder zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen sollen. Insbesondere stehen hierbei diebeiden Größen Investitionen und F&E-Ausgaben im Vordergrund,die 19- bzw. 7-mal als bedeutsame Steuerungsgrößen genanntwerden. Aber auch sog. Frühindikatoren, wie der Auftragseingang(11x) oder Auftragsbestand (3x), werden oftmals von Maschinenund Anlagebauern in die Steuerung miteinbezogen.d) Liquiditäts-KPIZur Kategorie der Liquiditäts-KPIs zählen wir nicht nur absoluteLiquiditätsgrößen, wie bspw. eine stetig verfügbare Mindestliquidität bzw. Nettoliquidität (7 Nennungen), sondern auch Größen desLiquiditätsmanagements. Mit 12 Nennungen zählt hierzu in ersterLinie das (Net) Working Capital mit den wesentlichen Einflussgrößen der Forderungen, Verbindlichkeiten und der Lagerhaltung.e) Bonitäts-KPIDie Bonität eines Unternehmens wird u.a. von den zu zahlendenVerbindlichkeiten geprägt. Diverse absolute und relative Kennzahlen bilden unter der Kategorie Bonitäts-KPI die Kapitalstruktur ab, um somit z.B. anhand des Nettoverschuldungsgrades(Gearing) die Verschuldung gezielt steuern zu können. DieseKennzahlen konzentrieren sich im Wesentlichen auf sechs Größen, die in Tab. 2 dargestellt werden.Tab. 2: Wesentliche Bonitäts-KPI#KennzahlNennungen1Nettoverschuldung zu 4Nettoverschuldung zu Eigenkapital (Gearing)5x5Nettoverschuldung zu Cashflow (dyn. Verschuldungsgrad)4x6Rating (Ziel- oder Mindestrating)4xf) Cashflow-KPIAls separate Kategorie führen wir auch die verschiedenenCashflow-Größen an. Der Fokus liegt dabei lediglich auf zweiKennzahlen: dem Free Cashflow sowie dem operativen Cashflow.Mit 35 bzw. 17 Nennungen, werden diese beiden Größen jedochrecht häufig zur Konzernsteuerung verwendet.g) Wertbeitragsorientierte-KPIWertorientierte Kennzahlensysteme zielen auf eine Wertsteigerung des Unternehmens ab, wodurch in erster Linie dieKapitalgeber (Shareholder), aber auch die übrigen Interessensgruppen profitieren. Als Kennzahl fällt in diese Kategorie derValue Added, der häufig von Unternehmen individuell definiertund berechnet wird. Ähnliche Varianten davon stellen der CashValue Added oder auch der Economic Value Added (EVA 4)dar.410Ein positiver Wertbeitrag bedeutet dabei, dass ein Unternehmenüber die Kapitalkosten zusätzlichen Wert generiert hat. Bei derBerechnung des Wertbeitrags wird das Produkt von Kapitalkostensatz und eingesetztem Kapital von einer Ergebnisgröße subtrahiert. Dabei wird deutlich, dass im Wertbeitrag einige bereitsgenannte Steuerungskennzahlen berücksichtigt werden, wiebspw. der EBIT als Ergebnisgröße.Die Zuordnung zu dieser Kategorie ist in der Praxis jedoch nichtimmer offensichtlich und eindeutig. So werden häufig die BegriffeWertmanagementsystem oder wertorientierte Steuerung verwendet. Dabei ist nicht direkt erkennbar, ob nach der KennzahlValue Added oder einer ähnlichen Größe, wie bspw. dem hier zuden Rentabilitätskennzahlen zugeordneten ROCE, gesteuert wird.h) Anteilseigner-KPIDie Anteilseigner eines Unternehmens nehmen eine herausragende Rolle bei börsennotierten Gesellschaften ein. Daherwurden Kennzahlen, die direkten Bezug zu den Aktionärenvorweisen, in eine separate Kategorie eingeordnet. Hierzu zählen das Ergebnis je Aktie (EPS) sowie die Ausschüttungsquote,die 12- bzw. 3-mal verwendet werden.i) Stakeholder-KPINeben den Anteilseignern hat ein Unternehmen noch weitere Anspruchsgruppen, die ein berechtigtes Interesse an derGeschäftsentwicklung haben. Bei der Unternehmenssteuerungwerden dabei in erster Linie kunden- oder mitarbeiterbezogeneKennzahlen verwendet. Eher eine Ausnahme stellen KPIs inBezug auf Partner oder Zulieferer dar. Zuletzt werden zu dieserKategorie auch Nachhaltigkeitskennzahlen gezählt.Tab. 3: Wesentliche KPIs für Stakeholder#Kennzahl1Mitarbeiterzufriedenheit (-motivation, tarbeiteranzahl, Personalaufbau6x4Mitarbeitersicherheit, eit/Umwelt (bspw. CO2-Ausstoß)4xDie Kennzahlen innerhalb dieser Kategorie sind i.d.R. nichtfinanzieller Natur und häufig schwer messbar. Die Mitarbeiter- oder Kundenzufriedenheit kann z.B. mittels regelmäßigerBefragungen erhoben werden. Qualitative Kennzahlen solltentrotzdem nicht außer Acht gelassen werden. Die Berücksichtigung wichtiger Interessengruppen kann wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen, weshalb diese auch in der Steuerungberücksichtigt werden sollten. Von den untersuchten Unternehmen nutzen in etwa die Hälfte bereits qualitative Kennzahlen,wobei diese meistens unter den weiteren Steuerungsgrößenaufgeführt werden und damit nicht zu den Bedeutsamsten zählen. Daher fällt die dargestellte Anzahl der Nennungen in Tab. 3vergleichsweise gering aus.j) Branchen-KPIZuletzt gibt es Kennzahlen, die branchenspezifisch und nichteins zu eins in die vorigen Kategorien einzuordnen sind. Dies istinsbesondere bei Immobilien- sowie Telekommunikations- undMedienunternehmen der Fall.Bei Immobilienunternehmen werden überwiegend drei zentraleKPIs zur Steuerung genutzt. Neben der Größe Funds from Ope-EVA ist eine eingetragene Marke von Stern Stewart & Co.CORPORATE FINANCE Nr. 01-02 30.01.2017Dieses Dokument ist lizenziert für wiso-net, uINTD238.Alle Rechte vorbehalten. Corporate Finance. Download vom 24.07.2017 08:41 von www.wiso-net.de.

Finanzierungwww.cf-fachportal.deTab. 4: Gewichtung der Kategorien nach holder 500 - ---- 500-2.000o - --o-2.000-10.000o ooo-- 10.000- -oo o2. Branchenbesonderheiten kommen im Steuerungssystemzum AusdruckAlle Branchen weisen spezifische Besonderheiten und Merkmale auf. Diese branchenspezifischen Merkmale werden oftmalsauch im Steuerungssystem der Unternehmen berücksichtigt.CORPORATE FINANCE Nr. 01-02 30.01.2017Abb. 4: Gewichtung der Kategorien nach äts-KPIWertbeitragsorientierte-KPIGrundstoffe(n 13)IT (n 19)Gesundheitswesen (n 14)Industrie (n 39)0%zykl. Konsumgüter (n 28)III. Treiber bei der Kennzahlenauswahl1. Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße unddem KennzahlensystemIm ersten Schritt werden die Unternehmen nach Umsatzgrößensortiert, um Hinweise in Bezug auf Größenunterschiede bei derWahl der KPIs zu finden. Anhand der Indexzugehörigkeit wurdebereits gezeigt, dass die umsatzmäßig größeren DAX-Unternehmen mehr KPIs kommunizieren als SDAX-Unternehmen.Auf Basis der dargestellten KPI-Kategorien können zudeminhaltliche Schwerpunkte entdeckt werden. Hierzu zeigt Tab. 4die Gewichtung einer Kategorie im Vergleich zwischen dendefinierten Umsatzclustern. Die Kategorie der spezifischenBranchen-KPIs wurde nicht berücksichtigt, da diese keine sinnvolle Interpretation zulässt.Sowohl die Ergebnis-KPIs als auch die Wachstums-KPIs nehmenbei sämtlichen Umsatzclustern eine zentrale Rolle ein. EBIT undEBITDA bzw. der Umsatz sind die wesentlichen Treiber dieser beiden Kategorien. Vor allem bei Unternehmen mit einem Umsatzkleiner als 500 Mio. dominieren diese beiden Kategorien miteinem Anteil von über 60% an der Gesamtanzahl genannterKennzahlen und damit auch in erster Linie die drei genanntenGrößen. Aber auch nicht-finanzielle Stakeholder-Kennzahlenspielen bei diesen Unternehmen eine verhältnismäßig wichtigeRolle. Im Gegenzug nehmen die fünf Kategorien der Cashflow,Shareholder-, Bonitäts-, Liquiditäts- und wertbeitragsorientierten Kennzahlen einen sehr geringen Anteil ein. Der prozentualeAnteil beträgt weniger als 15% an der Gesamtanzahl genannterKPIs. Bei Großkonzernen mit einem Umsatz größer 10 Mrd. ist die Gewichtung der einzelnen Kategorien deutlich ausgeglichener. Vor allem Kennzahlen in Bezug auf den Cashflow,Wertbeitrag und die Aktionäre werden deutlich öfter verwendetals bei den weiteren Umsatzclustern. Mögliche Gründe hierfürwerden im weiteren Verlauf noch genauer behandelt.Insgesamt weisen Unternehmen verschiedener Umsatzgrößenzwar unterschiedliche Kennzahlen auf, allerdings sehen wirdie Umsatzgröße nicht als entscheidendes Kriterium bei derKennzahlendefinition.Die Anzahl der genannten Steuerungsgrößen gibt erste Hinweise darauf. So reicht der Mittelwert der KPIs von rd. 3, beiUnternehmen aus dem nicht-zyklischen Konsumgütersektor(u.a. Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltsprodukte), bis hin zu6 beim Gesundheitswesen.Branchen unterscheiden sich oftmals nur in einer oder wenigenKennzahlen.Um diese Unterschiede erkennen zu können, zeigt Abb. 4 dieGewichtung der Kategorien nach den einzelnen Branchen. DieUnternehmenszusammensetzung der einzelnen Branchen istdabei sehr heterogen, weshalb die Schwerpunkte der Kategoriennur als erste Indikation dienen können.Einige Auffälligkeiten können jedoch herausgefiltert werden.So finden sich bspw. im nicht-zyklischen Konsumgütersektornahezu keine Liquiditätskennzahlen. Das Geschäftsmodellmit Blick auf recht stabile Cashflows könnte eine Begründungdafür darstellen. Auch die Versorger verzichten auf Liquiditätsgrößen sowie außerdem auf Rentabilitätsgrößen bei derDefinition bedeutsamer KPIs. Im Gegenzug nehmen absoluteErgebnisgrößen bei den Versorgern eine überdurchschnittlicheBedeutung ein.Um weiter in die Tiefe gehen zu können, soll analog der von unsgewählten Klassifizierungssystematik von der Branchenebenenun näher auf die Sub-Branchenebene eingegangen werden.Hierzu wurden einige Sub-Branchen ausgewählt, die spezifischeKennzahlen verwenden.So verwendet die Mehrheit der Maschinenbauer den Auftragseingang als Frühindikator für die Umsatzentwicklung. Diehäufiger vorkommende Kennzahlenkombination Umsatz undAuftragseingang kommt in Abb. 5 durch die hohe Gewichtungder Wachstums-KPIs zum Ausdruck.nicht-zykl. Konsumgüter (n 5)rations (FFO), was dem Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit entspricht, sind dies die Loan-to-Value Ratio (LTV) sowieder Net Asset Value (NAV). Ergänzende Kennzahlen sind häufigdie Leerstandsquote, Miete pro qm oder auch Mietsteigerungen.Ein Beispiel für ein Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche ist die Deutsche Telekom. So nutzt die DeutscheTelekom u.a. die Leistungsindikatoren Festnetz- und BreitbandAnschlüsse sowie die Anzahl Mobilfunkkunden als nicht-finanzielle Steuerungsgrößen zur Ergänzung der finanziellen KPIs.Versorger (n 4)Umsatzcluster in Mio. Shareholder-KPIStakeholder-KPIAnteil an der Gesamtanzahl genannter KPIs in %; Quelle: LBBW Research11Dieses Dokument ist lizenziert für wiso-net, uINTD238.Alle Rechte vorbehalten. Corporate Finance. Download vom 24.07.2017 08:41 von www.wiso-net.de.

Finanzierungwww.cf-fachportal.deAbb. 5: Gewichtung der Kategorien bei ausgewählten Sub-BranchenAbb. 6: Gewichtung der Kategorien nach flow-KPIShareholder-KPIStakeholder-KPIHalbleiter(n 6)Chemie (n 9)Automobilhersteller (n 3)Automobilzulieferer (n 7)40%Maschinenbau (n agsorientierte-KPI18%15%20%21%26%RatedNot teil an der Gesamtanzahl genannter KPIs in %; Quelle: LBBW ResearchAnteil an der Gesamtanzahl genannter KPIs in %; Quelle: LBBW ResearchBei den Automobilzulieferern sind die qualitativen Kennzahlenauffällig. Das Schaubild ist auf die wesentlichen Kennzahlenbeschränkt, weshalb die Stakeholder-Kategorie eine geringeBedeutung einnimmt. Allerdings nennen 4 der 7 Automobilzulieferer Qualitätskennzahlen (u.a. Produktqualität, Ausschussquoten, Betriebsunfälle) zumindest als ergänzende Steuerungsgröße.Bei den Automobilherstellern rückt seit geraumer Zeit der breiteBegriff Nachhaltigkeit, vor allem in Form der Reduzierung desCO2-Ausstoßes der Fahrzeugflotte, in den Vordergrund. Um u.a.hier Fortschritte zu erreichen werden auch Investitionen sowieForschungs- und Entwicklungsausgaben in den Steuerungssystemen berücksichtigt.Bei den Chemieunternehmen verwenden zwei Drittel den ROCEals Rentabilitätskennzahl, weshalb diese Kategorie auch diewichtigste Bedeutung in der Chemiebranche einnimmt. Als letztes Beispiel fokussieren sich Unternehmen der Halbleiterbranchenoch stärker als die anderen Branchen auf die drei KategorienErgebnis, Rentabilität und Wachstum.Insgesamt sehen wir die Branchenzugehörigkeit als wesentlicheCharaktereigenschaft, die sich auch im Steuerungssystem derUnternehmen widerspiegelt.3. Finanzierungspolitik treibt KennzahlenBei der Wahl der Finanzierung stehen Unternehmen eine Vielzahl verschiedener Instrumente zur Verfügung. Eine wichtigeFinanzierungsquelle ist dabei der Fremdkapitalmarkt in Formvon Anleiheemissionen. So haben bspw. 24 der 25 untersuchtenDAX-Unternehmen aktuell Anleihen ausstehend. Gleichzeitigbesitzen 22 der 24 Anleiheemittenten ein Rating von einer derdrei großen Ratingagenturen S&P, Moody’s oder Fitch. Damitsind externe Bonitätseinschätzungen ein häufiges Merkmalder Anleiheemittenten, denn auf dem Anleihemarkt gilt i.d.R.weiterhin der Grundsatz, dass das Unternehmen ein Rating voneiner der drei großen Ratingagenturen vorweisen sollte. Von denverbleibenden 22 Unternehmen nutzen wiederum 8 eine Bonitätskennzahl und 11 eine Cashflow-Kennzahl als wesentlicheSteuerungsgröße. Beide Kennzahlenkategorien spielen für dieBonitätseinschätzung eine zentrale Rolle, was häufig auch in denSteuerungssystemen der Unternehmen berücksichtigt wird.Die Auswirkungen einer stärkeren Fremdkapitalmarktorientierung kommen dabei in Abb. 6 zur Geltung. Geratete Unternehmen12nennen deutlich häufiger Cashflow- und Bonitätskennzahlen. Beiden Bonitätskennzahlen werden dabei meist die Größen Verschuldungsgrad und Net Debt to EBITDA genannt. Dies dürfte vorallem darauf zurückzuführen sein, dass Ratingagenturen – nebenweiteren Größen – besonderes Augenmerk auf diese Kennziffernrichten. Cashflow-Kennzahlen als auch die Kapitalstruktur sindbei der Bonitätseinschätzung essentiell. Vier Unternehmen gebensogar ein konkretes Ratingziel als Steuerungsgröße an.IV. Zusammenfassung und AusblickDer Beitrag hat gezeigt, dass es Unterschiede hinsichtlich derAnzahl gewählter KPIs als auch bei der individuellen Festlegungder Steuerungsgrößen gibt. Dabei ist die Betrachtung der alleinigen Anzahl von Steuerungsgrößen kein Entscheidungskriteriumfür eine gute oder schlechte Steuerung. Oftmals sind wenige,aber individuell passende Kennzahlen die bessere Wahl als zuviele Kennzahlen.Die Untersuchung der Steuerungssysteme von 145 Unternehmenzeigte zudem, dass nahezu jedes Unternehmen den Umsatz bzw.das Umsatzwachstum oder die absoluten Ergebnisgrößen EBIT,EBITDA als bedeutsamste Steuerungsgrößen verwendet. Oftmals wird auch eine Kombination aus den genannten Größenangeführt.Bei der Definition der weiteren Kennzahlen können Eigenschaften wie bspw. die Branchenzugehörigkeit oder die Fremdkapitalmarktorientierung erheblichen Einfluss nehmen. Dies gehteinher mit dem übergeordneten Ziel, durch geeignete Kennzahlen die DNA des Unternehmens abbilden zu können.Aus unserer Sicht stellt die bereits angedeutete Entwicklung zurImplementierung nicht-finanzieller Kennzahlen in die Steuerungssysteme den derzeit dominierenden Trend dar. Dies wurdebereits in einer Befragung der Unternehmensberatung Horváthund Partner aus dem Jahr 20135 angedeutet. 40% der befragten142 Unternehmen beurteilten den Anteil finanzieller Kennzahlenals zu hoch und nur 9% als zu niedrig. Demgegenüber schätzten44% den Anteil nicht-finanzieller Kennzahlen als zu niedrig ein.U.E. dürfte daher der Anteil nicht-finanzieller Steuerungsgrößenweiter steigen und zukünftig eine größere Bedeutung bei derUnternehmenssteuerung einnehmen.5Vgl. Horváth und Partners, KPI-Studie 2013, http://hbfm.link/1540, Abruf am 04.01.2017.CORPORATE FINANCE Nr. 01-02 30.01.2017Dieses Dokument ist lizenziert für wiso-net, uINTD238.Alle Rechte vorbehalten. Corporate Finance. Download vom 24.07.2017 08:41 von www.wiso-net.de.

Für die folgenden Auswertungen und zur besseren Übersicht-lichkeit wurden die einzelnen Kennzahlen in zehn übergeord-nete Kategorien eingeteilt. Tab. 1: Einordnung der Kennzahlen Kategorie Meistgenannte Kennzahl Ergebnis EBIT Rentabilität ROCE (Return on Capital Emp