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www.dielinke-berlin-mitte.de e zum Tag der Befreiung Orlando el MondryAusgabe 05 / 2020 Information des Bezirksvorstandes und der BVV-Fraktion DIE LINKE Berlin-Mitte Tiergarten WeddingDas Sowjetische Ehrenmal in der Straße des 17. Juni, eine der vier Gedenkstätten in Berlin für die 80.000 rund um die Hauptstadt gefallenen Rotarmisten, am11. November 1945 mit einer Parade der alliierten Truppen eingeweiht. Ein Werk der Bildhauer Lew Kerbel und Wladimir Zigal und des Architekten Nikolai Sergijewski.Wer nicht feiert, hat verlorenAm späten Abend des 8. Mai 1945In der DDR wurde von 1950 bis 1967 derwurde im Ob erkommando der 8. Mai als arbeitsfreier Feiertag begangenRoten Armee in Karlshorst die bedin- und 1975 aus Anlass des 30. und 1985 desgungslose Kapitulation unterzeichnet. 40. Jahrestags. In der Bundesrepublik bliebAm 9. Mai feierten auf allen Kontinenten, indes der 8. Mai 1945 noch lange Synonymaber besonders in den von Wehrmacht für Untergang und Zusammenbruch im kolund SS überfallenen und geplünderten lektiven Gedächtnis. Als Befreiungsschlag giltLändern, Frauen und Männer das Ende die Rede des Bundespräsidenten Richard vondes blutigsten aller Kriege. Im antifa- Weizsäcker im Jahre 1985: „Der 8. Mai 1945schistischen Bündnis mit den Alliierten hatte uns alle befreit von dem menschenvertrugen die Rote Armee und die Völker der achtenden System der nationalsozialistischenSowjetunion den Hauptteil der zivilen und Gewaltherrschaft.“ Im öffentlichen Diskursmilitärischen Anstrengungen. Ihre milli- geriet indes der 8.Mai immer mehr zu einemonenfachen Opfer bleiben unvergessen. „Volkstrauertag“ für deutsche Opfer von Krieg,Lesen gegen das Vergessen – am 10. Mai. 2020, ab 10 UhrBombenangriffen, Flucht und „Vertreibung“.Zum Jahreswechsel 1989/90 gründeten inTreptow wohnende Verfolgte des Naziregimes die „antiFa Treptow“. Vor der „MutterHeimat“ im Sowjetischen Ehrenmal gedenkenwir am 8. Mai gemeinsam mit Vertretern derRussischen und Weißrussischen Botschaftsowie Schülern und Einwohnern der über50. 000 in den Kämpfen um Berlin gefallenenRotarmisten.Unter dem Motto „Wer nicht feiert, hat verloren“ gibt es seit 2006 am 9. Mai vor demEingang zum Sowjetischen Ehrenmal – organisiert von der BO (Basisorganisation)Fortsetzung auf Seite 3 www.linksfraktion/lesengegendasvergessen2020.deEs lesen und singen: Matthias Brenner, Intendant des Neuen Theaters Halle (Saale), Christian Grashof,Schauspieler, Gregor Gysi, MdB, Björn Harras, Schauspieler, Janko Lauenberger, Musiker, Markus Liske,Schriftsteller, Gesine Lötzsch, MdB, Petra Pau, MdB, Manja Präkels, Schriftstellerin, Ingo Schulze,SchriftstellerEine Veranstaltung in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Medienpartnerschaftmit dem Neuen Deutschland Logo BundestagsfraktionBezirksverband MitteKleine Alexanderstr. 28, 10178 BerlinTel.: 030 / 240 09-336Mo. bis Mi. 9–16.30 Uhr und Do. bis 19 Uhr

Seite 2 mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin MitteBlick aus dem Amt#ZusammenGegenRassismus ist gelebte PraxisAm 8. Mai 1945 wurde in Berlin - ziviles Engagement und präventive ArKarlshorst die bedingungslose Kapi- beit gegen (antimuslimischen) Rassistulation Deutschlands erklärt – ein Sieg mus, Antisemitismus, Antiziganismusder Alliierten und vor allem eine Befreiung. und Homophobie auf der kommunalenDoch heute, 75 Jahre später, müssen wir Ebene gefördert werden.uns immer noch und wieder einem aufEin Begleitgremium, bestehend auskommenden Faschismus entgegenstellen. mir als Stadträtin, Vertreter*innen ausDie schrecklichen Taten von Hanau und staatlichen Institutionen und von zivilHalle sprechen eine deutliche Sprache. gesellschaftlichen Akteuren, bestimmtSich dem Rechtsruck zu widersetzen Handlungsfelder und entscheidet überund gegen jede Form von Rassismus, Projektideen, die für eine finanzielleAntisemitismus oder andere Diskriminie- Förderung in Frage kommen. Noch bisrungsformen vorzugehen – das machen 17. Mai ruft DEMOKRATIE IN DER MITwir im Bezirk ganz praktisch.TE im Auftrag des Jugendamtes MitteDas Vor-Ort-Büro DEMOKRATIE IN DER dazu auf, Offline- und OnlineprojekteMITTE verwaltet im Bezirk Projektmittel des für den Aktionsfonds im FördergebietBundesprogramms „Demokratie leben! Ak- Moabit zu entwickeln. Die Projektideentiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und sollen den aktuellen und zukünftigenMenschenfeindlichkeit“, mit dem seit 2015 Einschränkungen zur Eindämmung desCorona-Virus gemäß durchgeführt werden können.Die Linke – Fraktion in der BVVGemeinsam mit dem Jugendamt Mitte hatMitte von BerlinDEMOKRATIE IN DER MITTE zwischen dem14. und dem 29. März die Aktionswochen geDie Sprechzeiten im Fraktionsbürogen Rassismus ausgerufen. Am Internationafindenlen Tag gegen Rassismus am 21. März habenan jedem Mittwoch von 15 bis 17 Uhrund nach Abspracheviele mitgemacht und unter dem Motto #Zuim Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31,sammenGegenRassismus Fotos mit bemal10178 Berlin, Raum 114 statt.ten Plakaten und Schildern in den sozialenTelefon: 901 82 45 65Mediengeteilt oder kleine .deaufgenommen.Stadträtin Ramona ReiserIch bin stolz darauf, dass unser Jugendamtdiese so wichtige Arbeit tatkräftig unterstützt,auch persönlich mache ich mich für das Projekt stark. Denn Antirassismus ist für michgelebte Praxis. Mitte ist und bleibt bunt –deshalb lieben wir den Bezirk. Natürlichsind wir entschieden antifaschistisch. Undso bleiben wir auch.Ramona Reiser, Stadträtin für Jugend,Familie und BürgerdiensteAus der BVVCoronavirus hat Bezirksamt immer noch im GriffEigentlich wollten wir für die Mai-Ausgabe der Mittendrin einen Artikel zuunserem Antrag „75 Jahre Befreiung vomFaschismus angemessen in Berlin-Mittegedenken“ schreiben, was aber nichtmöglich ist, weil die Bezirksverordnetenversammlung im März ausgefallen istund sich die April-BVV am 30. April nurmit dem Coronavirus beschäftigte.Der Wunsch zu diesem Antrag entstand,weil es in Berlin-Mitte über ein DutzendKranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen gibt, die das Bezirksamt zusammenmit der BVV und den Fraktionen durchführt,aber nichts zum Tag der Befreiung vom Faschismus, was wir einfach als unangemessenempfinden, besonders jetzt, wo sich der Jahrestag zum 75ten Mal jährt.Aufgrund der Pandemie werden wir so einwichtiges Gedenken aber dieses Jahr nichtdurchsetzen können.Das Bezirksamt muss währenddessenweiter mit den Folgen der Pandemie umgehen. Im Moment wird überlegt, wie undwann man wieder zu einem Regelbetriebzurückkehren kann. Bei welchen Leistungenkann man wieder Publikumsverkehr zulassen und wo muss noch für längere Zeit dieArbeit ohne persönlichen Kontakt erledigtwerden. Wird es eine Maskenpflicht fürBesuchende in den Bürodienstgebäudengeben? Das Das Bezirksamt hat bereits ingroßer Zahl OP-Masken und sogenannte Visiere auf Lager und kann dementsprechendauf solche Schutzanforderungen reagieren.Der Schutz vor einer weiteren Ausbreitungdes Virus muss dabei im Vordergrund stehen, denn der Bezirk Mitte ist in Berlin amstärksten vom Coronavirus betroffen. MitStand 19.04.2020 gibt es in Mitte 798 bestätigte Fälle. Das sind mehr als in allenanderen Bezirken und sind 15,3 Prozent dergesamten Fälle in Berlin (5225 Fälle).Wer wissen will, wie das Gesundheitsamtin Mitte versucht, den Coronavirus zu bekämpfen, kann sich dazu auf der Seite desBezirksamtes altung/aemter/gesundheitsamt/corona/#headline 1 4Andreas Böttger,Fraktionsgeschäftsführer DIE LINKE.in der BVV von Berlin-Mitte

mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin Mitte Seite 3Gedanken zum 75. Jahrestag der BefreiungDeutschlands vom FaschismusIch habe nie verstanden, dass die Ge- wie die AfD leichtes Spiel. Sie lenken mitneration, die das Grauen des 1. Welt- Hetzreden gegen Ausländer, Obdachlose,krieges miterlebt hat, nach nur 21 Jahren Frauen und Minderheiten von der kapitabereit war, in den 2. Weltkrieg zu ziehen. listischen Misswirtschaft ab.Man zweifelt am Verstand einer ganzenWenn heute in der of f iziellen G e Generation, eines ganzen Volkes.schichtsschreibung von den zwei DiktaDie Befreiung der Welt vom Faschismus – das wichtigste Ereignisdes 20. Jahrhunderts - ist jetzt 75 Jahre her. Doch immer noch ist Faschismus nicht etwas Vergangenes. Er istwieder Alltag in Deutschland und inEuropa. Wieder werden die gleichenHetzreden gehalten, wieder werdenMenschen gedemütigt, geschlagenund sogar ermordet. Was haben wirfalsch gemacht? Warum haben dieBücher, Filme und Gedenkstätten dieMenschen nicht gegen den Faschismus immunisiert? Bildung allein reichtnicht!Es gibt einen sehr klaren Zusammenhang zwischen der herrschendenPolitik und dem Erstarken des Faschismus. Die Verfechter des Neoliberalismus, die Marktgläubigen, habenin den vergangenen 30 Jahren einebrutale Umverteilung in Gang gesetzt.Gleichzeitig haben sie Teile der sozialen Infrastruktur zerstört. Wir lebenGesine Lötzsch, stellv. Vorsitzende der Linksfraktionjetzt in einer kapitalistischen Mangel- im Deutschen Bundestagwirtschaft. Natürlich kann man noch1000 verschiedene Lippenstifte kaufen, doch Wohnungen, Schulen, Kinder- turen gesprochen wird, dann geht es auchgärten, Kranken- und Pflegebetten sind darum, von dem engen ZusammenhangMangelware. Gerade in Zeiten der Corona- von Kapitalismus und Faschismus abzukrise zeigt sich, wie wenig der „freie Markt“ lenken. Der Faschismus findet seinenin der Lage ist, die Grundbedürfnisse der Nährboden in dieser kapitalistischen GeMenschen zu sichern. Unter solchen Be- sellschaft. Deshalb müssen wir die Geselldingungen haben faschistische Parteien schaft ändern, wenn wir den Faschismusfür immer beseitigen wollen. Wir haben indiesem Jahr wie in jedem Jahr den Antragan den Bundestag gestellt, den 8. Mai zumgesetzlichen Gedenktag zu erklären. Dankder Berliner Landesregierung wird der75. Jahrestag der Befreiung in der Hauptstadt ein Feiertag sein. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern undThüringen ist der Tag der Befreiungbereits ein Gedenktag. Wir werdendiesen Tag immer feierlich begehen– unabhängig davon, wie Union undSPD abstimmen.Wir wollen, dass sich Menschenmindestens an einem Tag im Jahr dieZeit nehmen, um über die Ursachendes 2. Weltkrieges zu diskutieren undder über 50 Millionen Toten zu gedenken. Die größten Opfer haben dieVölker der Sowjetunion erbracht. Daswollen wir nicht vergessen. Das sollteauch die Bundesregierung nicht vergessen. Ihre Politik gegenüber Russland ist geschichtsvergessen. Sie willnicht verstehen, dass ein friedlichesEuropa nur mit Russland möglich ist.Gerade Deutschland muss Vorreiterbei der Lösung von Konflikten mitfriedlichen Mitteln werden. Das isteine Kernforderung der LINKEN undmacht uns unverwechselbar.Gesine LötzschTerminhinweis:Die Bundestagsfraktion wird am 8.Mai,um 18 Uhr, eine Sendung zum Tag derBefreiung auf www.linksfraktion.deim Livestream zeigen.Fortsetzung von Seite 1: Wer nicht feiert, hat verloren„8. Mai“ – ein abwechslungsreiches Programm. Der Leitgedanke ist „Solidaritätstatt Nationalismus“. Besucher mit sowjetischer und deutscher Herkunft verfolgenmit großer Sympathie die auf Deutsch undRussisch moderierte Veranstaltung. Auf derBühne wechseln Musik und Gespräche mitZeitzeugen. Abends spielen die „Bolschewistische Kurkapelle“ und weitere Bands bis 22Uhr auf. Es wird getanzt und gesungen. Vielejunge Leute werden zum ersten Mal von diesem Gedenktag berührt. Für 2020 haben derBerliner Senat und das Abgeordnetenhausbeschlossen, den 75. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2020 als gesetzlichenGedenk-und Feiertag zu begehen und miteinem umfangreichen Kulturprogramm zubegleiten. Letzteres hat das Corona-Virusverhindert.Die Auschwit züberlebende EstherBejarano und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVNBdA) starteten am 8. April 2020 eineUnterschriftensammlung und eine So cial Media Kampagne mit dem Ziel, den8. Mai als Tag der Befreiung als gesetzlichen Feiertag in Deutschland zu begehen.75 Jahre nach dem wichtigsten Tag des 20.Jahrhunderts ist es an der Zeit, endlich Lehren aus den Verbrechen des NS-Regimes zuziehen. Ein gesetzlicher Feiertag würde diessymbolisieren und könnte Ausgangspunktfür entsprechendes politisches Handelnsein. Die Petition kann unterhttps://www.change.org/8MaiP.S.unterstützt werden.Hans Coppi, Ehrenvorsitzenderder Berliner VVN-BDA

Seite 4 mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin MitteMenschen in MitteTag der Befreiungvon Faschismus und KriegFlaggschiff des DialogsDirektor Pawel Iswolski blickt stolz auf die Geschichte desRussischen HausesEin „Flaggschiff des kulturellen undwissenschaftlichen Dialogs“ zwischenRussland und der BRD nennt DirektorPawel Iswolski den Gebäudekomplexdes Russischen Hauses in der Friedrichstraße 176 - 179. „Unser Haus kann heutemit Stolz auf seine Geschichte blicken“,sagt der 44-jährige gebürtige NischniNowgoroder. „Gestützt auf die Herausforderungen der Zeit erarbeitet unsereMannschaft heute neue Projekte undbelebt alte bewährte wieder.“von 29 000 Quadratmetern ist das RussischeHaus heute das größte Kulturinstitut in derWelt. „Seit 1990 ist unser Haus zunehmendzu einer Begegnungsstätte von Bürgern Russlands und der gesamten BRD geworden“, freutsich Pawel Iswolski. Zirkel und Studios sindeingezogen wie der Klub Dialog, die Schule fürProgrammierung, Einrichtungen für kindlicheBetreuung und ein Schachklub.Im Konzertsaal mit 500 Plätzen treten auchheute berühmte Ballettkompanien, russischeSymphonieorchester und professionelle Volks-Sehr gerne wären wir mit euch beiGedenkveranstaltungen, Stadtrundgängen, dem Besuch vonMuseen und Gedenkstätten rundum dieses bedeutende Datumzusammengekommen.Aufgrund der aktuellen Lage wirddas Gedenken in diesem Jahr anderssein, als wir es aus den vergangenenJahren kennen. Große Präsenzveranstaltungen können wir leider nichtdurchführen. Dennoch möchten wirein Zeichen setzen:Für Frieden und Demokratie.Für Antifaschismus.Der 8. Mai ist in diesem Jahr inBerlin ein Feiertag. Wir bitten euch:Lasst diesen Tag nicht einfach aneuch vorüberziehen.Pawel Iswolski, Direktordes Russischen Hauses derWissenschaft und KulturDas siebengeschossige Gebäude aus Granit und Kalkstein war auf dem Grundstück eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten früherenGeschäftshauses gebaut worden. „Für diedamalige Zeit hatte es eine einzigartige Infrastruktur mit den letzten Neuheiten der Technik“, betont der Absolvent der HistorischenFakultät der Lobatschewski-Universität seiner Heimatstadt und der Diplomatie-Akademie des russischen Außenministeriums inMoskau.Am 5. Juli 1984 war die feierliche Eröffnung.Die Sowjetunion präsentierte in ihrem größten Auslandskulturzentrum zehntausendenBesuchern Spitzenproduktionen der Theater, der Filmkunst und der Musik. Hundertenamhafte Schriftsteller, Komponisten, Wissenschaftler und Persönlichkeiten kamen zuBegegnungen. In einem Saal zeigten sowjetische Betriebe neueste Exportartikel. Von1988 bis 1990 war Waleri Bykowski, der am26. August 1978 zusammen mit Sigmund Jähnim Raumschiff „Sojus 31“ zur Raumstationflog, Direktor des Hauses. Mit einer Flächetanz- und Gesangsensembles auf. Das Filmtheater mit digitalen und 35-mm-Projektoren und200 Plätzen zeigt neueste russische Produktionen, auch in Originalsprache. Die Puschkin-Bibliothek erfreut sich großer Beliebtheit.Zu den Attraktionen gehört nach wie vor dasOriginalmodell des ersten künstlichen Erdsatelliten „Sputnik“, der 1957 in die Erdumlaufbahn startete.„Mehr als 300 000 Besucher begrüßen wirjedes Jahr zu über 40 Veranstaltungen proMonat“, zieht Pawel Iswolski Bilanz. „UnsereArbeit ist kreativ, wir denken über Projektenach, die den Erwartungen unserer Gäste, Zuschauer und Zuhörer immer besser entsprechen. Wir wollen das Haus zu einer modernenStätte machen, wohin unterschiedliche Leutekommen, um Neues zu erfahren oder interessante Menschen kennenzulernen.“ Und ernennt auch gleich seine Devise: „Das Russische Haus - ein Ort der Begegnung, ein Ortfür alle.“ Ein anspruchsvolles, nachhaltiges,friedliches Ziel für unsere Völker im HerzenBerlins. Matthias HeroldMacht Spaziergänge zu Orten desErinnerns und haltet dort inne. Lasstuns gemeinsam die Befreierinnen undBefreier vom Faschismus ehren unddas Gedenken sichtbar machen:Erzählt es weiter, schickt uns gerneeure Fotos von euch an den Gedenkorten und postet es in den SozialenNetzwerken unter dem Hashtag#75JahreBefreiung.Die von Hans Coppi im Text von Seite 1erwähnte BO 8.Mai gibt eine 96 seitigeBroschüre „9. Mai – 75. Jahrestagdes Sieges. Wer nicht feiert, hatverloren“ heraus.Diese gibt es ab sofort als Downloadauf der Homepage:neuntermai.vvn-bda.de.Als Print bestellbar ab 5. Mai imshop.vvn-bda.de, bei derBerliner VVN-BdA, Magdalenenstr.19,10365 Berlin oder perEmail: [email protected]

mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin MitteBei anderen gelesen Europa scheitert an PandemieVor allem Deutschland verkennt die historischeGröße der Aufgabe und verzwergt sich in derRolle des Strebers, der nicht helfen kann, ohnezu belehren. Europa ist ein vielschichtiges politisches System mit überlappenden Legitimationsstrukturen, durchzogen von nationalenGrenzen, die wir in guten Zeiten gern mit derTünche der Schicksalsgemeinschaft überstreichen, um dann in schlechten Zeiten zu entdecken, wie bröckelig die Farbe eigentlich ist.Der Europäischen Union fällt es dementsprechend schwer, unter Druck Entscheidungen zutreffen. Aber in einer Krise wie heute darf daskeine Entschuldigung sein.„Der Spiegel“ Nr.16 vom 11.04.2020 8. Mai 1945: Friedenswunschaktueller denn jeDie letzten schrecklichen Tage des zweitenWeltkrieges erlebte ich mit 18 Jahren in meinerHeimatstadt Köslin/Pommern (heute Polen):militärische Auseinandersetzung zwischendeutschen Soldaten, welche die Stadt verteidigten, und den russischen Soldaten mit dernäher kommenden Front. Am 5. März 1945marschierte die Rote Armee in unsere Stadtein, die zum großen Teil in Schutt und Aschelag. Am 8. Mai teilten die russischen Soldaten uns mit Tränen der Freude in den Augenmit: „Hitler kaputt, Krieg aus“, und wir feiertengemeinsam mit ihnen. Damals hatten wir nureinen Wunsch, dass sich dieser schrecklicheKrieg nicht wiederholen möge. Dieser Wunschist auch heute wieder aktueller denn je.Dora Schmidt Blinde Menschen zeigenSehenden ihren Kiez bei einem gemeinsamen Spaziergang. DieSehenden bekommen eine blickdichte Brilleund lernen, welche Herausforderungen Berlinfür Blinde bietet. Blinde beklagen mangelndeInklusion. Für sie ist es häufig deutlich schwerer, auf dem Arbeitsmarkt einen Arbeitsplatzzu findenMeinungen von blinden Menschen: Man kommtsich plötzlich hilflos vor. Hindernisse auf denFußwegen, wie etwa Baustellen, Schlaglöcherund Fahrräder, sind besonders anstrengend.Das erfordert eine ständige Konzentration, weilman immer mit Hindernissen rechnen muss,das stresst.Es ist zu wünschen, dass die Menschen unsBlinden mit mehr Offenheit begegnen, unsnicht in eine Schublade stecken und denken,man wäre blöd. Auch Mitleid stört total. Dasbringt nicht weiter.„Berliner Morgenpost“, 16.03.2020 Seite 5Erinnerung an Widerstandskämpfer im WeddingDer Städtische Urnenfriedhof SeestraßeAuf dem Städtischen Urnenfriedhof bei der Erstürmung der Metallarbeiter-GewerkSeestraße im Wedding befindet sich schaftszentrale von der SA verhaftet und insneben den Einzelgräbern von Wider- KZ Columbia verschleppt. Nach Freilassungstandskämpfern - wie Mitgliedern der Mitglied der „illegalen“ Leitung der BerlinerUhrig-Gruppe - eine Kriegsgräberanlage SPD. Er wurde 1935 erneut verhaftet und infür 295 Opfer des Faschismus, die in der verschiedene KZ verbracht. Während desHinrichtungsstätte Plötzensee ermordet Transports ins KZ Flossenbürg konnte er fliewurden. Dort wurden noch am 18. April hen. Von 1954 – 63 war er Mitglied des Ab1945 Hinrichtungen durchgeführt, kurz geordnetenhauses von Berlin.bevor das Gefängnis am 25. April 1945Otto Lemm leitete eine kommunistischevon Einheiten der Roten Armee befreit Betriebszelle in der Berliner Maschinenbauwurde.AG (Chausseestraße) und fand Anschluss anWelche Schicksale stehen hinter den Na- die antifaschistische Uhrig-Gruppe. Anfangmen auf den Einzelgräbern? Dafür einige 1942 wurde er mit über hundert MitgliedernBeispiele:Otto Schmirgal war seit1925 Mitglied der KPD; erarbeitete seit 1927 bei derStraßenbahn, wurde in denBetriebsrat gewählt und war1932 an der Vorbereitung undDurchführung des BerlinerBVG-Streiks beteiligt. Schmirgal war der Hauptredner aufden Versammlungen, wie ausden Protokollen der mitschreibenden Polizei hervorgeht.Ehrendes Gedenken an 295 Opfer des FaschismusAls er sich mit zwei weiterenStreikführern zu Verhandlungen in die BVG-Zentrale begab, wurde er ver- der Uhrig-Gruppe verhaftet. Strafgefängnishaftet. Im März 1933 wurde er für die KPD Plötzensee. März 1944 Todesurteil durch denals Abgeordneter in den preußischen Landtag Volksgerichtshof. Seine letzte Wohnung begewählt, konnte aber wegen der einsetzen- fand sich in der Oudenarder Straße 28.den Verfolgung durch die NationalsozialistenRainer Scholzsein Mandat nicht ausüben. Schmirgal wurdein verschiedenen KZ in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Freilassung 1934 arbeiteteWahlkreisbüro Tobias Schulze,er u.a. in der Zahnradfabrik in Wittenau. WähMitglied des Abgeordnetenhausesrend des Zweiten Weltkriegs wirkte er in derTegeler Str. 39antifaschistischen Gruppe um Robert Uhrig,13353 Berlin – Weddingwurde 1942 erneut verhaftet und ins ZellenTel.: 030 – 547 13 449gefängnis Moabit verbracht, wo er mit WernerBus 142 Kiautschoustraße, S- und U-BahnhofSeelenbinder, Hans Zoschke und zehn weiWedding, U-Bahnhof Amrumer Straßeteren Angeklagten „wegen kommunistischerWährend der Öffnungszeiten telefonischParteiarbeit“ vom Volksgerichtshof zum Todeerreichbar.verurteilt wurde.Öffnungszeiten:Albert Kayser wurde in der Nacht desDienstag, Donnerstag 10 – 15 UhrMittwoch 13 – 18 UhrReichstagsbrands zeitgleich mit tausendenUnd nach Vereinbarung!anderen KPD-Mitgliedern festgenommen undPer Mail, Facebook, Twitter erreichbar.anschließend ins KZ gebracht. Später [email protected] erneut verhaftet und gefoltert. Er ist 1944www.facebook.com/TobiasSchulzeLINKE/im KZ Buchenwald gestorben.Twitter: @sprengbueroMax Urich wurde 1929 für die SPD in diewww.tobiasschulze.berlinBVV Wedding gewählt. Er wurde im Mai 1933

Seite 6 mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin MittePolitische und andere VirenGeneralfeldmarschall Wilhelm Keitel unterschrieb im sowjetischenHauptquartier in Karlshorst als Chef desOberkommandos der deutschen Wehrmacht die bedingungslose Kapitulationdes Deutschen Reichs. Am 8. Mai 1945 um23 Uhr war Schluss. Man dankte Stalin. InMoskau war da schon 9. Mai. In meinemUmfeld wurde der Tag der Befreiung stetsgefeiert. Anderen galt er als katastrophaler Zusammenbruch. GegenseitigesMisstrauen saß tief.Wer damals feierte war jünger als ichheute, hatte Nazis bekämpft, Flucht, Exil, Illegalität, Zuchthaus, KZ überlebt. Ein Festder Sieger, nicht der Besiegten! Kinder sollten nicht in Ruinen spielen, Neues war nochnicht erbaut, doch die Geschichte verwuchs,beklagt wurden Bombenschäden, bei unsgalt, dass wegen der Nazi-Verbrechen auchdie Teilung des Landes gerecht sei. Ich lebteunter Re-Migranten, Nazi-Verfolgten, Widerstandskämpfern. Die winzige Minderheit befehligte im Auftrag der sowjetischen Siegerdie Kommandohöhen der Macht. Währendder jetzigen Krise erinnerte die Queen anden Mut ihrer Landeskinder während derNaziplage. Ein Rückblick, der hierzulandeausgeschlossen ist.Derweil hat weltweit ein Virus unser Leben verändert. Nach Rasse oder politischerMeinung wird niemand ausgegrenzt,aber die Ärmsten trifft es besondershart. Irgendwann wird er wie seine historischen Vorläufer besiegt. Schon jetztsind Änderungen spürbar, Solidarität,Homeoffice, Homeschooling, Fernkonferenzen, Monitor- und Handytreffenfast alltäglich, Nähe wird Ferne undumgekehrt, man kommuniziert undarbeitet digital, kocht zu Hause, liest,grämt sich, reist medial durch Theater und Museen, beschränkt sich aufFensterausblick und Balkonaufenthalt,wenn Spaziergänge ausgeschlossensind. Soziale Distanz ist das Wort derStunde. Manche hören nicht hin. InBerlins Mitte gibt s keine Funklöcher,in Behörden fehlt die technologischeBasis. Bei Schulkindern wird sie vorausgesetzt. Ohne Passanten entdeckeich Häuser und Höfe wie neu. Es istangenehm still. Ich gehe maskiert einkaufen. Meine Überseefreunde staunen, dass das keine Pflicht ist. Ich genieße die Sonne, weiche anderen aus,winke. Im Mai blüht die Hoffnung? ImMai 1949 planten meine Altvorderendie Rückkehr aus Manhattan. Wegen derdortigen Lage. Und weil sie trotz und wideraller Nazi-Viren auf eine gute deutsch-sowjetische Zukunft setzten. Ich lernte LeipzigerDas Denkmal Der verlassene Raum soll an dieDeportation der zahlreichen Juden aus demScheunenviertel während der Zeit desNationalsozialismus in Deutschland erinnern.Straßendeutsch, spielte in den Ruinen. DieKriegsfolgen blieben auch in Ostberlin langeunübersehbar. Der Rest ist bekannt.Irene RungeTag der Befreiung –Demokratisches und antifaschistisches Gedenken aktiv gestalten und verteidigenSeit Jahrzehnten bemühen sich Überlebende des Holocaust und ihreUnterstützer*innen darum, dass der8. Mai als „Tag der Befreiung“ gewürdigt wird, indem er zum bundesweitengesetzlichen Feiertag erklärt wird. Ausdem demokratischen Parteienspektrumgibt es zunehmend Zuspruch, doch dieBundesregierung zögert.Berlin ist hier Vorreiter und hat als erstesBundesland den diesjährigen 8. Mai einmaligzum gesetzlichen Feiertag erklärt. Das istsymbolisch ebenso richtig wie wichtig, gerade in Zeiten der Verrohung des gesellschaftlichen Klimas durch ein Erstarken von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräften.Doch auch wenn der Berliner Vorstoß diesenTag aufwertet, muss er gleichwohl aktiv durcheine demokratische und antifaschistischeGedenk- und Erinnerungspolitik geprägt undbewahrt werden.Das ist allein schon darum notwendig, weilder gegenwärtige „Kulturkampf von rechts“auf die Erringung „kultureller Hegemonie“(Gramsci) zielt, als Vorstufe zur angestrebtenpolitischen Macht. Zentral ist dafür die Aneignung, Umdeutung und (Neu-)Besetzung einer„deutschen Identität“, wobei diese Identitätauch und vor allem die Geschichte betrifft.So werden die NS-Zeit und der Holocaustregelmäßig verharmlost und relativiert – unddamit wird auch die kritische Auseinandersetzung mit dem NS abgewertet und mitunteraktiv angefeindet.Dies zeigt sich etwa in Berlin-Mitte, wennbei den zahlreichen rechtsextremen sowierechtspopulistischen Aufmärschen im Regierungsviertel entsprechende Parolenverbreitet werden, oder es zeigt sich in Gedenkstätten und Museen, die zunehmendmit Anfeindungen konfrontiert sind. Es spiegelt sich aber auch in erhöhten Beratungs-anforderungen aus diesen Institutionen an dieMobile Beratung gegen RechtsextremismusBerlin wider; die Erkenntnisse aus diesen Beratungen sind in die Ende 2019 erschieneneHandreichung „Nur Schnee von gestern? ZumUmgang mit dem Kulturkampf von rechts inGedenkstätten und Museen“* eingeflossen.Ein demokratisches, (selbst-)kritisches Gedenken muss also – am Tag der Befreiung,aber auch an allen anderen Tagen – angesichts dieses „Kulturkampfes von rechts“aktiv gelebt, gestaltet und verteidigt werden.Hamid Mohseniarbeitet seit 2017 bei der MobilenBeratung gegen Rechtsextremismus Berlin(MBR). Er arbeitet schwerpunktmäßig u.a.zum Thema Kunst & ionen-handreichungen/nur-schnee-von-gestern/?lang de

mittendrin Mai 2020DIE LINKE Berlin Mitte Seite 7Aus dem AbgeordnetenhausBefreiung – VerpflichtungDie Corona-Pandemie hat nichts damitzu tun, dass dieser 75. Jahrestag desKriegsendes, das zugleich die Befreiungvom Hitlerfaschismus bedeutete, seitensder Bundesregierung auf eher beschämende Weise nicht begangen wird.Im November 2019 erklärte die Bundesregierung nach einer Anfrage der Linksfraktionim Bundestag, sie werde zu „gegebener Zeit“informieren, was sie plane, und sie prüfe, obsie einer Einladung der russischen Regierungzur Gedenkveranstaltung am 9. Mai in Moskau folgen werde. Nun gibt es ausreichendgute Ausreden, sowohl der Einladung nichtzu folgen als auch den 8. Mai hierzulandeals einen Tag wie viele andere vergehen zulassen. Mit ein bisschen Brimborium, als seidieser von Deutschland angezettelte Krieg, indessen Folge rund 50 Millionen Menschenihr Leben verloren und ein selbsternanntesHerrenvolk sich anheischig machte, die JudenEuropas zu vernichten und sechs Millionenvon ihnen ermordete.Das wird unserer historischen Verantwortung in keiner Weise gerecht. Es ist beschämend.Der Historiker Götz Aly schrieb in einemKommentar: „Derzeit wird es am 8. und 9. Maischwierig, denjenigen zudanken, die unsere Stadt befreiten. Von wem eigentlich?In unseren Gedenkstätten lesen wir „vom Naziregime“. InWahrheit mussten die meisten Deutschen von sich selbstbefreit werden.“Die Debatte, ob der 8. Maibundesweit ein gesetzlicherFeiertag sein sollte, ist wieder verebbt. Auch das istbeschämend. Berlin hat indiesem Jahr den 8. Mai zumFeiertag erhoben, wissend,Sowjetische und US-amerikanische Soldaten in Torgau, 1945dass kaum ein anderes Datum so sehr verpflichtet, Feiern mit Gedenken, vor allem aber mit Han- deutscher Geschichte endete, anders zu bedeln zu verbinden. Die Zahl antisemitischer setzen, umzudeuten, zu relativieren. DagegenStraftaten steigt. Mit der AfD ist eine Partei müssen wir uns wehren.in die Parlamente gezogen, die für RassisUnd auch wenn wir in diesem Jahr nichtmus, Antisemitismus, Verharmlosung des Hand in Hand, Seite an Seite gemeinsam angrößten Menschheitsverbrechens der Ge- Orten der Erinnerung jene würdigen können,schichte steht.die den Zweiten Weltkrieg beendeten undDie Stimmen, die rufen, dieser Tag sei kein Hitler besiegten: Gedenken wir, vergessen wirTag der Befreiung gewesen, werden wieder nicht und danken wir jenen, die Deutschlandlauter. Sie waren nie verstummt. Sie versu- am 8. Mai 1945 befreit haben.chen, den Tag, an dem das finsterste KapitelCarola BluhmKein Grund zum Aufatmen . is

in der BVV von Berlin-Mitte Stadträtin Ramona Reiser Die Linke – Fraktion in der BVV Mitte von Berlin Die Sprechzeiten im Fraktionsbüro finden an jedem Mittwoch von 15 bis 17 Uhr und nach Absprache im Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31, 10178 Berlin, Raum 114 statt. Telefon: 901 82 45