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tegebaTechnische Gebäude-AnalysenIngenieurbüroDipl.-Ing. Christoph Scheele GmbHBesondere Aspekte zurLegionärskrankheit und ihrer Verhütungim Zuständigkeitsbereich derTrinkwasserverordnungbeziehungsweise der geplantenImmissionsschutzverordnungDr. Hans-Jürgen Hartmann, Medizinischer BeraterApril 2015

Infektionsschutzgesetz Arbeitsschutzgesetz Bundesimmissonsschutzgesetz Trinkwasserverordnung Arbeitsstättenverordnung gepl. Bundesimmissonsschutzverordnung fürVerdunstungskühlanlagen VDI 6023 VDI 6022 & 2047 Blatt 2Zahnärztl. echnische AnlagenWhirlpool/JacuzziSpringbrunnenInhalatoren / LuftbefeuchterAerosolemit kleinsten lungengängigenWassertropfen 5 µ,die Legionellen belastet sindVerdunstungskühlanlagen(Kühltürme / läranlagen

LegionellenPneumonie Virulenz hochImmunabwehr eherschlecht Virulenz eherniedrigImmunabwehr gutPontiac FieberInapperente (subklinische) Infektionen

Wer erkrankt häufiger an Legionellose? Ältere Menschen 3 mal mehr Männer als Frauen Immungeschwächte Menschen Raucher (durch Schwächung des Immunsystems und/oder wegen eingeschränkterReinigungsfunktion der Bronchien) Menschen mit anderen Grunderkrankungen wie zum Beispiel Krebs, Diabetes,Immunsuppressive Therapie oder CortisonBeim Pontiac Fieber besteht keine Alters- oder Geschlechtsabhängigkeit.Infektionsweg:Die Aerosole werden eingeatmet. Die größeren Tropfen werden durch das Flimmerepithel derBronchien eliminiert .Gelangen die kleinsten Tröpfchen in die Lungenbläschen, werden dortLegionellen freigesetzt.Sie werden von den Makrophagen (Fresszellen) aufgenommen, in denen sie sich ähnlich wie inden Amöben vermehren können.Die Fresszelle geht zugrunde, immer mehr Legionellen entstehen und besiedeln die LungeLungenentzündung entsteht.Legionellen besitzen die Fähigkeit zur zellulären Vermehrung (Sie ernähren sich bevorzugt vonEiweiß und Aminosäuren)

Krankheitsbild der Legionellose (auch Legionärskrankheit oder s Krankheitsgefühl, Hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, später Atemnot, ggfs.Erbrechen und Durchfall. In nicht seltenen Fällen beginnt die Erkrankung mit Erscheinungen ausdem ZNS Bereich mit Verwirrtheitszuständen, sensiblen oder motorischen Nervenausfällen.Lungenentzündung kommt später hinzu. Unbehandelt endet das Krankheitsgeschehen häufig imVollbild einer Lungenentzündung, mit Nierenversagen und dem Versagen anderer Organe.Inkubationszeit:2 bis 7 TageTherapie:Die üblichen Antibiotika helfen nicht. Es müssen Medikamente verabreicht werden, gegen diedie Legionellen nicht resistent sind und mit denen es gelingt, eine hohe intrazelluläreKonzentration zu erreichen. Antibiotika der Makrolid- und Rifamycin- Gruppe.Häufigkeit:Hochgerechnet jährlich 15000 bis 30000 Erkrankungen, davon 3000 bis 6000 Todes-fällePontiac Fieber ist lediglich durch grippeähnliche Symptome, leichtes Fieber und trockenenHusten (ohne Schnupfen u. Halsschmerzen) gekennzeichnet.

Dunkelziffer bleibt trotz Meldepflicht hoch Ärzte denken besonders in Einzelfällen nicht an Legionellen als Ursache für eine Pneumonie Bei älteren oder sehr alten Menschen wird oft keine spezielle Diagnostik mehr durchgeführt Legionellen sind im Sputum oder in Körperflüssigkeiten nur schwer nachweisbar.Zeitaufwendige mikrobiologische Untersuchung in Speziallaboratorien notwendig.Die gängigen Nährböden lassen keine Legionellen wachsen (sie benötigen L-Cystein und EisenIII Phosphat) Antikörpernachweis gelingt nur in 30 % der Fälle 1/5 der Erkrankungen erfolgt im Ausland.

100 KBE/ 100 mlDer sogenannte Maßnahmenwert ist kein Grenzwert oder Schwellenwert.Dieser Wert wurde durch Fachleute relativ willkürlich festgelegt, um nicht bereitsbei wenigen KBE von Legionellen handeln zu müssen.Erst ab 101 KBE/ 100ml werden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz erforderlich. Man kann sich aber bei 1 bis 2 KBE durchaus auch infizieren beziehungsweisekrank werden. Man muss bei 10.000 KBE und mehr nicht zwangsläufig erkranken. Dennoch steigt das Infektionsrisiko mit zunehmender Konzentration derLegionellen.

Einflussgrößen der LaborergebnisseDie Laborbefunde (DVGW Arbeitsblatt 551) sind Momentaufnahmen, die innerhalb eines Tagesoder an verschiedenen Tagen schwanken können. Sie können folgende Fehlerquellen haben: Die Probenentnahmestellen wurden falsch gewähltBei der Probenahme wurden Fehler gemacht (DIN EN 19458)Der Probentransport wurde nicht ordnungsgemäß durchgeführtDie Probenverarbeitung war fehlerhaftDas Auszählen der Kolonien ist schwierig und enthält UngenauigkeitenDie Laborbefunde könnten geschönt sein, wenn am Tag vor der Probennahme eineTemperaturerhöhung oder thermische Desinfektion / Spülung durchgeführt wurden.Eigentlich kann nur die Größenordnung interessieren, gegebenenfalls der Verlauf an demselbenObjekt.

Arbeits- u. Gesundheitsschutz in Betrieben u. IndustrieunternehmenVerantwortlich hierfür ist der Unternehmer, er delegiert diese Aufgaben an Arbeitsmedizinerund GesundheitsförderungDas Arbeitsschutzgesetz fordert Gefährdungsbeurteilungen aller im Betrieb vorkommendenGefährdungen, welche die Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen könnten. Daraus sindgegebenenfalls Maßnahmen zu entwickeln, um die Gefahren für die Gesundheit auszuschaltenoder zu minimieren. z.B.:-Lärm- Gefahrstoffe-Vibration- Physikalische Einwirkungen-Mechanische Beanspruchung- Biologische StoffeWeitere Themen sind: Unfallanalysen, Erste Hilfe, Persönliche Schutzausrüstung, Brandschutzund Betriebshygiene

BetriebshygieneBezieht sich auf: Toiletten, Dusch/Waschräume, Umkleideräume, Teeküchen/Kantinen,Klimaanlagen u. Sauberkeit am ArbeitsplatzGeachtet wird auf: Ordnung, Sauberkeit, Umgang mit Lebensmitteln etc.Die eigentliche Betriebshygiene, welche die pathogenen Keime im Blick hat, kommt mitunter zukurz.Die Legionellenproblematik wird nicht selten ignoriert, zumal die gesetzlichen Auflagen nichtganz eindeutig sind. Manche Betriebe fühlen sich daher diesbezüglich überfordert.

Sind Duschen in Betrieben mit zentraler Trinkwassererwärmungsanlage auf LegionellenKontamination zu untersuchen?Trinkwasserverordnung sagt hierzu in § 3, Abs. 10:„ bei gewerblicher Tätigkeit, die unmittelbare oder mittelbare, zielgerichteteTrinkwasserbereitstellung im Rahmen einer Vermietung oder einer sonstigen selbstständigen,regelmäßigen, in Gewinnabsicht ausgeübten Tätigkeit vorsieht.“Kommentar hierzu:Das Zurverfügungstellen des Trinkwassers muss dabei zumindest Nebenzweck der Tätigkeit sein,d.h. regelmäßig zur Ausübung der Tätigkeit gehören und auch erwarteter, mitbezahlterBestandteil der Tätigkeit sein.Mitbezahlter Bestandteil der Arbeit ist das Duschen häufig nicht, die Mitarbeiter stempeln vordem Duschen ab. Bei spitzfindiger Auslegung der TrinkwV würde deshalb möglicherweise eineUntersuchungspflicht für Legionellen in den Betrieben entfallen, auch wenn nicht einzusehen ist,dass damit gewerbliche Bereiche schlechter als öffentliche Bereiche gestellt würden.

Was sagt die Arbeitsstättenverordnung zu diesem Thema?Arbeitsstättenverordnung:§1 Die Verordnung dient der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten beimEinrichten und Betreiben von Arbeitsstätten§2 Zur Arbeitsstätte gehören auch Sanitärräume (Umkleide-, Wasch- und Toilettenräume).§3 Sind Gefährdungen aufgrund der geforderten Gefährdungsbeurteilungen möglich, hat derArbeitgeber Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik, der Arbeitsmedizin und derArbeitshygiene festzulegen.Fazit:Die Arbeitsstättenverordnung ist hierzu eindeutiger und fordert den gesundheitlichunbedenklichen Gebrauch von Duschen, wenn diese vorhanden sind. Die Trinkwasserverordnungist nicht eindeutig und benachteiligt bestimmte Bereiche, z.B. das Duschen in Betrieben, wenn esnicht Teil der Arbeitszeit ist, aber auch Duschen in Wohnkomplexen, in denen die Wohnungen nurvon den Eigentümern genutzt werden.Werden Duschen wegen der bestehenden Arbeitsbedingungen im Betrieb bereitgestellt und wirddie Körperreinigung nach der Arbeit gefordert (AKW) oder erwartet (Chemie, Bergbau u.a.), sindauch Hygieneuntersuchungen verbindlich durchzuführen!

Infektionen durch VerdunstungskühlanlagenOffene Rückkühlwerke und Kühltürme gehören zu den VerdunstungskühlanlagenHinzu kommen RLT- Anlagen, die mit Kühlturmaggregaten ausgestattet sind.In all diesen Anlagen und überall dort, wo sich Kondenswasser bilden kann, kann es zuAerosolbildung und zu einer Verkeimung mit Legionellen und anderen Bakterien, Algen etc.kommen.Bedeutsame Epidemien in der Vergangenheit:1976 Philadelphia, Epidemie mit 221 Erkrankten und 34 Toten, die zur Entdeckung derLegionärskrankheit geführt hat. Ursache war die Klimaanlage eines Hotels2001 Murcia/Spanien. Die bisher größte Epidemie mit 449 Erkrankten u. 6 Todesfällen. Ursachewar die Klimaanlage eines Krankenhauses.2010 Ulm, Epidemie mit 64 Erkrankten u. 5 Todesfällen. Ursache war die Rückkühlanlage einesTelekommunikationsunternehmens.2013 Warstein, Epidemie mit 160 Betroffenen und 2 Todesfällen. Ursache war eineRückkühlanlage eines Metall verarbeitenden Betriebs.

Gesetzliche Grundlagen für RLT- AnlagenArbeitsstättenverordnung:§4,3: RLT -Anlagen sind in regelmäßigen Abständen sachgerecht zu warten und auf ihre Funktionsfähigkeit zuprüfen.Anhang 3.6 Lüftung: Ablagerungen oder Verunreinigungen in RLT -Anlagen, die zu einer mittelbarenGesundheitsgefährdung durch die Raumluft führen können, müssen umgehend beseitigt werden.Die Anlagen sollen betriebssicher sein und verträgliche Raumluft liefern (frei von Staub, Milben, Pilzen undBakterien)VDI Richtlinie 6022 Hygieneanforderungen an RLT- Anlagenregelt seit 1998 die Hygienewartung von RLT- Anlagen in Verwaltungen, seit 2002 auch fürProduktionsbereiche.Ziel ist eine zuträgliche Atemluft in allen belüfteten Räumen. Dies setzt regelmäßige Inspektionen, Wartungsund Reinigungsarbeiten voraus.Mikrobiologische Untersuchungen:Gefordert sind Keimzahlbestimmungen auf RLT Komponenten, der Keimgehalt in der Zuluft undbei Luftbefeuchtern: Bestimmung der Gesamtkeimzahl alle 3 Jahre der Legionellen alle 2 Jahrebei Rückkühlwerken: Bestimmung der Gesamtkeimzahl halbjährlich Legionellen einmal im Jahr

Gesetzliche Grundlagen für VerdunstungskühlanlagenDa es sich um ein Problem der Immission von gegebenenfalls gesundheitsschädlichen Aerosolen an dieUmgebung von Betriebsanlagen handelt, gilt das Bundesimmissionsschutzgesetz.Dieses regelt nur sehr allgemein die Minimierung von Immissionen, gemeint primär ausProduktionsprozessen.Ausgangspunkt für weitere gesetzliche Regelungen war die Epidemie in Ulm 2010VDI 2047 Der Richtlinienausschuss beim VDI entwickelte die sogenannte Kühlturmregel, die seit01.01.2015 in Kraft ist.Diese technische Regel beschäftigt sich mit der Bildung von systembedingten Aerosolen beiVerdunstungskühlanlagen mit zur Umgebung offenen Kühlwasserkreisläufen. Sie gibt dem Betreibersolcher Anlagen Hinweise zum hygienegerechten Betrieb. Bei kritischen mikrobiellen Befunden sindu.a. Gefährdungsanalysen und Hygieneinspektionen gefordert.Der Gesetzgeber hat sich inzwischen dazu entschlossen, eine „Bundesimmissionsschutzverordnung fürdie Einrichtung und den Betrieb von Verdunstungskühlanlagen“ auf den Weg zu bringen.Diese zusätzliche voraussichtlich 37. Immissionsschutzverordnung wird die gesetzliche Lücke schließen.Sie soll u.a. die zu erfassenden Anlagen definieren, die zulässigen Belastungen mit Legionellen undanderen Keimen festlegen und die Anforderungen zur Fachkunde beschreiben.

Maßnahmenwerte bei VerdunstungskühlanlagenGeprüft werden:- die allgemeine Koloniezahl- Legionellen- Pseudomonas aeroginosaDie allgemeine Koloniezahl stellt dabei einen relativen Wert dar. Sie zeigt die entsprechende Erhöhung eines zuBeginn des Betriebs ermittelten Wertes.Maßnahmen bei Veränderung der allgemeinen Koloniezahl:10 - fache Erhöhungerneute Untersuchung, bei Bestätigung des Befunds monatliche Kontrollen100 - fache Erhöhungbei Bestätigung des kontrollierten Befunds Stoßdosierung mit einem BiozidMaßnahmen in Abhängigkeit von der Legionellenkonzentration: 100KBE/100mlkeine100 bis 1000 KBE/100mlerneute Untersuchung, bei Bestätigung des Befundes monatliche Kontrollen1000 bis 10000 KBE/100mlsofortige Stoßdosierung mit Biozid, Hygieneinspektion mit Mängelbeseitigungu. monatlichen Kontrollenunverzügliche Gefahrenabwehr mit: Stoßdosierung eines Biozids 10000 KBE/100ml Erhöhung der Absalzung Entleerung mit Reinigung undDesinfektion Umsetzung betriebst. Maßnahmen evtl. Außerbetriebnahme

Infektionsschutzgesetz Arbeitsschutzgesetz Bundesimmissonsschutzgesetz Trinkwasserverordnung Arbeitsstättenverordnung gepl. Bundesimmissonsschutzverordnung fürVerdunstungskühlanlagen VDI 6023 VDI 6022 & 2047 Blatt 2Zahnärztl. echnische nalysenHygieneinspektionenInhalatoren / LuftbefeuchterVerdunstungskühlanlagen(Kühltürme / ochdruckreinigerKläranlagen

Vielen Dank für IhreAufmerksamkeit!Tegeba – IngenieurbüroDipl.-Ing. Christoph Scheele GmbHFleyer Str. 204 D-58097 HagenTel: 02331 / 483100 Fax: 4831025www.tegeba.de [email protected] Copyright der verwendeten Medien liegt beim jeweiligen Eigentümer.

Trinkwasserverordnung Arbeitsstättenverordnung gepl. Bundesimmissons-schutzverordnung für Verdunstungskühlanlagen VDI 6023 VDI 6022 & 2047 Blatt 2 Aerosole mit kleinsten lungengängi