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Kostenstrukturen in der öffentlichenAbfallwirtschaftim Vergleich:Leistungs- und Gebührenstrukturenmittels eines Benchmarkingim Verband des ZEWerstellt vonbetreut durchStephanie HusmannStephanie PfeiferAndrea SchmitzWilfried Kohl(AWA)(AWA)(ZEW)

IIABSTRACTDie Zielsetzung dieser Studie besteht darin, mittels eines Benchmarking Optimierungspotentiale hinsichtlich der Kostenstrukturen in der öffentlichen Abfallwirtschaftaufzuzeigen. Ferner sollen die Gebühren- und Leistungsstrukturen sowie deren Abhängigkeiten von diversen Rahmenbedingungen analysiert werden. Auf der Grundlage dieser Aspekte sollen, sofern dies möglich ist, den einzelnen Kommunen partielle Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Gebührenbedarfskalkulation gegeben werden.Die theoretischen Ansätze dieser Arbeit bildet einerseits das Basiswissen über dasVorgehen von Benchmarking. Grundlage hierfür waren zu meist Bücher aus diesemFachgebiet. Darüber hinaus ist ein fundiertes Grundwissen abfallwirtschaftlicher Aspekte nötig. Die Auseinandersetzung mit dieser Materie erfolgt primär auf Grundlagepraktischer Erkenntnisgewinnung bei der Firma AWA Entsorgung GmbH. Ferner erweitern Fachzeitschriften und Bücher den Kenntnisstand.Zunächst werden einzelne Begrifflichkeiten der Abfallwirtschaft näher erläutert. Weiterhin soll eine Klärung des Gegenstandsbereichs des Benchmarking herbeigeführtwerden, indem dieser durch eine Deskription der Vorgehensweise strukturiert wird.Anschließend soll zum einen auf Basis von Gesetzen und Satzungen die bestehenden Regulierungen und zum anderen die Rahmenbedingungen, die bei einer wirklichkeitsnahen Gebührenrechnung zu beachten sind, näher darlegt und interpretiertwerden. Darauf aufbauend wird der Benchmarking-Prozess durchgeführt. Hierfürwerden in einem ersten Schritt die Abfallkalender, Abfallentsorgungs- und Abfallgebührensatzungen ausgewertet. Zudem werden diverse Gebührenbedarfskalkulationen, welche die Städte und Gemeinden zur Verfügung stellen, untersucht. Daraufaufbauend können partielle Gestaltungsempfehlungen zur Optimierung der Kostenstrukturen erarbeitet werden.Auf Grund der zusammengetragenen und ausgewerteten Daten wird ersichtlich,dass eine Gegenüberstellung der Kostenstruktur der Kommunen nahezu unmöglichist. Die mannigfachen Leistungsbereitstellungen, die unterschiedlichen Siedlungsstrukturen sowie die verschiedenen Kostenermittlungssysteme der Kommunen erschweren einen Vergleich.

IIIINHALTSVERZEICHNISABSTRACT . IIINHALTSVERZEICHNIS . IIIABKÜRZUNGSVERZEICHNIS . VIIABBILDUNGSVERZEICHNIS . VIIITABELLENVERZEICHNIS . X1. Problemstellung und Veranlassung des Projektes .12. Der Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW).23. Wichtige Begriffsbestimmungen in der Abfallwirtschaft .43.1. Definitionen verschiedener Abfallarten.43.1.1. Hausmüll .43.1.2. Bioabfall .43.1.3. Grünabfälle .53.1.4. Sperrmüll.53.1.5. Altpapier.53.1.6. Elektro- und Elektronikgeräte.63.1.7. Schadstoffe .63.1.8. Leichtstoffverpackungen .63.2. Wertstoffe.73.3. Einwohnergleichwerte .83.4. Abfallwirtschaftskonzept.83.5. Abfallgebührenmaßstab .84. Benchmarking als Controllinginstrument .124.1. Die Philosophie des Benchmarking.124.1.1. Internes Benchmarking .144.1.2. Externes Benchmarking .174.1.3. Cost-Benchmarking.204.1.4. Benchmarking mit nicht-monetären Größen .214.2. Vorgehensweise des Benchmarking-Prozesses .214.2.1. Planungsphase .224.2.2. Untersuchungsphase .244.2.3. Analysephase .254.2.4. Umsetzungsphase .264.3. Spezifische Herausforderungen des Benchmarking in der Abfallwirtschaft 28

IV4.3.1. Art und Umfang der benötigten monetären Daten .284.3.2. Art und Umfang der benötigten nicht-monetären Daten .295. Bestehende Regulierungen mit Wirkungen auf die Organisation derAbfallwirtschaft .305.1. Rechtliche Vorgaben für die Organisation der Entsorgung .305.1.1. Europäisches Recht .315.1.2. Bestimmungen des Bundes .315.1.3. Bestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen .335.1.4. Kommunale Satzungsregelungen .345.1.5. Umsetzungen der Bestimmungen im ZEW .355.2. Rechtliche Beschränkungen der Abfallentsorgung.355.2.1. Kontrahierungszwänge .355.2.2. Einschränkungen der Abfallmobilität außerhalb des Geltungsbereichs 365.3. Rechtliche Grundlagen zur Gebührengestaltung .366. Randbedingungen für wirklichkeitsnahe Gebührenmodelle .376.1. Technische Randbedingungen.376.1.1. Einfache Gebührensysteme.376.1.2. Kombinierte Gebührensysteme.386.1.2.1. Identifikationssysteme.396.1.2.2. Verwiegesysteme.406.2. Örtliche Randbedingungen.426.2.1. City-Gebiete .426.2.2. Geschlossene Mehrfamilienhausbebauung .426.2.3. Offene Mehrfamilienhausbebauung.426.2.4. Aufgelockerte Bebauung.426.3. Behälterstruktur und Abfuhrintervalle .436.4. Sonstige kommunale Dienstleistungen .447. Durchführung der Benchmarking-Studie .467.1. Realisierung des Benchmarking-Prozesses.467.2. Barrieren, welche die Durchführung eines Benchmarking in derAbfallwirtschaft erschweren .478. Ergebnisse der Benchmarking-Studie.488.1.Vergleiche der Gebührensysteme im ZEW .488.3. Sammlung und Transport.50

V8.3.1. Bevölkerungs- und Siedlungsstrukturen im ZEW.528.3.2. Behälterstruktur und Abfuhrintervalle im Verbandsgebiet .548.3.2.1. Tonnenvolumen und Leerungsintervalle beim Restmüll .548.3.2.2. Tonnenvolumen und Leerungsintervalle beim Biomüll .579. Vergleich der sonstigen kommunalen Leistungsangebote .599.1. Die Biotonne.599.2. Grünschnitt .629.3. Sperrmüllsammlung .639.4. Papiersammlung .649.5. Elektroschrottsammlung.669.6. Schadstoffsammlung.6610. Entsorgungskosten von Wildem Müll und Straßenpapierkörben6811. Vergleichende Gegenüberstellung der einzelnen Gebühren und desLeistungsspektrums.7211.1. Variante 1 - Der Vier-Personen-Musterhaushalt bei gleichemLeistungsumfang.7511.2. Variante 2 - Der Vier-Personen-Musterhaushalt bei ortsüblichemLeistungsumfang.7811.3. Variante 3 - Der Zwei-Personen-Musterhaushalt bei ortsüblichemLeistungsumfang.8311.4. Variante 4 - Der Vier-Personen-Sparhaushalt.8511.5. Variante 5 - Der Single-Personen-Sparhaushalt .8811.6. Ansätze zur Erklärung der Gebührenunterschiede .9011.6.1. Vergleich des Sparhaushalts mit dem Musterhaushalt nach demgleichen Leistungsumfang.9311.6.2. Vergleich des Sparhaushalts mit dem Musterhaushalt bei ortsüblichemLeistungsumfang .9811.6.3. Vergleich des Vier-Personen-Musterhaushalt bei ortsüblichemLeistungsumfang und des Zwei-Personen-Musterhaushalts10012. Prognose der kommunalen Abfallmenge .10313. Gegenüberstellung der einzelnen Kostenbereiche .10513.1. Entsorgungskosten.10813.2. Kommunale Kosten.11113.3. Fremdkosten .114

VILITERATURVERZEICHNIS . AONLINE-MEDIEN . FANHANG . H

VIIABKÜRZUNGSVERZEICHNISAöR . . Anstalt öffentlichen RechtsAWK . . AbfallwirtschaftskonzeptAWP. . AbfallwirtschaftsplanDSD . Duale System DeutschlandDSB . Dürener Service BetriebeEG . . Europäische GemeinschaftELC . Entsorgungs- und LogistikcenterElektroG Elektro- und ElektronikgerätegesetzEWG . . Europäische WirtschaftsgemeinschaftGG . GrundgesetzGO NRW . .Gemeindeordnung für das Land Nordrhein WestfalenKAG NRW Kommunalabgabengesetz für das Land NordrheinWestfalenKrW-/AbfG Kreislaufwirtschafts- und AbfallgesetzLabfG NRW Landesabfallgesetz für des Land Nordrhein WestfalenMVA . MüllverbrennungsanlageRMB . RestmüllbehälterSWOT . Strengths (Stärken), Weakness (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Gefahren)VerpackV . VerpackungsverordnungZEW . Zweckverband Entsorgungsregion WestZRE . Zweckverband RegioEntsorgung

VIIIABBILDUNGSVERZEICHNISAbbildung 1: Entsorgungsgebiet des ZEW .2Abbildung 2: Erfasste Abfallmengen [t/a] im Verband des ZEW 2007 .7Abbildung 3: Informationszugewinn beim Benchmarking .16Abbildung 4: Bereiche des externen Benchmarking .17Abbildung 5: 4-Phasen-Konzept zur Durchführung von BenchmarkingStudien .22Abbildung 6: Planungsphase .22Abbildung 7: Untersuchungsphase.24Abbildung 8: Analysephase .25Abbildung 9: Umsetzungsphase .26Abbildung 10: Arbeitsschritte im Benchmarking-Prozess .27Abbildung 11: Rangordnung des Abfallrechts .30Abbildung 12: Kombinierte Gebührensysteme .38Abbildung 13: Beschreibung des Projektablaufs .47Abbildung 14: Gebührensysteme im Verbandsgebiet des ZEW.50Abbildung 15: Anteil der Gebietsstrukturen im Verbandsgebiet .54Abbildung 16: Gebührenzuordnung bei der Biotonne [in %].59Abbildung 17: Gebühr [in ] einer 120 Liter Biotonne in 2008 .60Abbildung 18: Gebühr [in ] für eine 240 Liter Biotonne in 2008 .61Abbildung 19: Gebührenerhebung für die Grünschnittsammlung.63Abbildung 20: Gebühren für den Sperrmüll .64Abbildung 21: Sammelsystem für Papier [in %].65Abbildung 22: Systemkombinationen zur Sammlung von Papier [in %] .65Abbildung 23: Prognosemenge Wilder Müll und Straßenpapierkörbe [t] .68Abbildung 24: Prognosemenge Wilder Müll und Straßenpapierkörbe für2008 [kg].69Abbildung 25: Prognostizierte Kosten 2008 Wilder Müll undStraßenpapierkörbe [ ].70Abbildung 26: Prognostizierte Kosten Wilder Müll und Straßenpapierkörbepro Einwohner .70Abbildung 27: Kosten pro Tonne beim Wilden Müll und denStraßenpapierkörben.71Abbildung 28: Gebührenvergleiche [in ] eines Vier-PersonenMusterhaushalts bei gleichem Leistungsumfang.77Abbildung 29: Gebührenvergleiche [in ] eines Vier-PersonenMusterhaushalts bei ortsüblichem Leistungsumfang.79Abbildung 30: Gebührenvergleich eines Vier-Personen-Musterhaushalts[l/Woche] bei ortsüblichem Leistungsumfang .82

IXAbbildung 31: Gebührenvergleich [in ] eines Zwei-Personen-Haushaltsbei ortsüblichem Leistungsumfang.84Abbildung 32: Gebührenvergleich [in ] bei einem Vier-PersonenSparhaushalt .86Abbildung 33: Gebührenvergleich [in ] eines Single-Sparhaushalts.89Abbildung 34: Prozentuale Gegenüberstellung der Einsparungspotentialezwischen dem Musterhaushalt nach dem gleichenLeistungsumfang und dem Sparhaushalt.94Abbildung 35: Gebührenvergleich [in ] eines Vier-PersonenSparhaushalts, ohne die Nutzung einer Biotonne .96Abbildung 36: Prozentuale Gegenüberstellung der Einsparungspotentialezwischen dem Musterhaushalt und dem Sparhaushaltohne Biotonne .97Abbildung 37: Geplante Abfallmengen [t/a] im Verbandsgebiet .104Abbildung 38: Gesamtkostenverteilung auf die gesamte Abfallmenge[ /t/a] .106Abbildung 39: Gesamtkostenverteilung auf die wohnberechtigteBevölkerung [ /E/a] .107Abbildung 40: Vergleich der Entsorgungskosten bezüglich derGesamtmenge [ /t/a].109Abbildung 41: Vergleich der Entsorgungskosten bezüglich derwohnberechtigten Bevölkerung [ /E/a].110Abbildung 42: Gegenüberstellung der kommunalen Kosten auf dieGesamtmenge [ /t/a].112Abbildung 43: Gegenüberstellung der kommunalen Kosten auf diewohnberechtigte Bevölkerung [ /E/a].113Abbildung 44: Vergleich der Fremdkosten bezüglich der Gesamtmenge[ /t/a] .115Abbildung 45: Gegenüberstellung der Fremdkosten auf diewohnberechtigte Bevölkerung [ /E/a].116Abbildung 46: Prozentualer Vergleich der einzelnen Kostenbereiche.118

XTABELLENVERZEICHNISTabelle 1: Anlagen, welche die Entsorgungssicherheit im Verbandsgebietgewährleisten .3Tabelle 2: Schema der Benchmarking-Arten.14Tabelle 3: Bewertung des internen Benchmarking .16Tabelle 4: Bewertung des externen Benchmarking .19Tabelle 5: Identifikation von Informationsquellen.24Tabelle 6: Vor- und Nachteile einfacher Gebührensysteme .38Tabelle 7: Vor- und Nachteile kombinierter Gebührensysteme .39Tabelle 8: Vor- und Nachteile von Identifikationssystemen .40Tabelle 9: Vor- und Nachteile von Verwiegesystemen .41Tabelle 10: Gebietsstruktur nach Einwohner / km².43Tabelle 11: Vor- und Nachteile verschiedener Abfuhrintervalle.44Tabelle 12: Vergleich der Gebührensysteme im ZEW.48Tabelle 13: Sammlung und Transport im Verbandsgebiet des ZEW.51Tabelle 14: Einwohnerzahl und Haushalte im Verbandsgebiet .52Tabelle 15: Siedlungsstruktur im Verbandsgebiet .53Tabelle 16: Erhebung der Behälterstruktur für den Restabfall.55Tabelle 17: Abfuhrrhythmen für Restabfall im Verband des ZEW .56Tabelle 18: Erhebung der Behälterstruktur für Bioabfall.57Tabelle 19: Leistungsgegenüberstellung der einzelnen Kommunen .67Tabelle 20: Kostenaufschlüsselung [in ] eines Vier-PersonenMusterhaushalts bei gleichem Leistungsumfang.78Tabelle 21: Kostenaufschlüsselung [in ] eines Vier-PersonenMusterhaushalts bei ortsüblichem Leistungsumfang.83Tabelle 22: Gebührenvergleich bei einem Vier-Personen-Sparhaushalt.87

-1Benchmarking in der öffentlichen Abfallwirtschaft1. Problemstellung und Veranlassung des ProjektesDie Randbedingungen der kommunalen Abfallwirtschaft haben sich in denletzten Jahren fundamental gewandelt.Zum einen ist dies durch das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz, diezahlreichen Verordnungen zum Umgang mit Abfällen sowie die vielfältigeneuropäischen Gesetzgebungen bewirkt worden. Zum anderen ist der Umschwung aber auch auf die technischen Entwicklungen auf dem Gebietder Abfallbehandlung zurückzuführen.1Für die Betriebe der kommunalen Entsorgungseinrichtungen fallen hoheFixkosten an. Das sind vor allem Kosten für Personal, Fuhrpark, Investitionen bzw. Abschreibungen für neue Anlagen und Rücklagen und dieNachsorge bei Deponien.Wegen der steigenden gesetzlichen Anforderungen musste das Leistungsangebot der Kommunen und der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger immer umfangreicher werden. Als Beispiel für die etlichen Zusatzleistungen seien hier die Abfallberatung oder die Schadstoffsammlunggenannt. Durch die Komplexität der Aufgaben steigen auch die Kosten fürdie Abfallentsorgung. Gleichzeitig sollen jedoch über Gebührensystemeökonomische Anreize zur Abfallvermeidung und Abfallverwertung geschaffen werden. Umso mehr sieht sich die öffentliche Abfallwirtschaft mitsteigenden Anforderungen hinsichtlich Effizienz und Effektivität in derLeistungserstellung konfrontiert.Aus diesem Grund sollen die Kostentreiber der Abfallwirtschaft und derenWirkung auf die Gesamtkosten identifiziert werden, um so Potentiale zurKostenminimierung aufzudecken. Das Benchmarking soll hierbei ein Kontrollinstrument darstellen, welches die Kosten- und Leistungsstrukturensowie die Gebühren Entgelte transparenter macht.Dabei geht es neben der theoretischen Darstellung darum, die praktischeEinsatzmöglichkeit des Instruments Benchmarking in den Einrichtungender öffentlichen Abfallwirtschaft aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerkwird hierbei auf die Integration von monetären und nicht-monetären Prozessdaten in eine adäquate Controllingkonzeption gelegt.1vgl. Siechau, R.: Aktuelle Entsorgungssituation für Siedlungs- und Gewerbeabfälle, in: Stegmann,R.; Rettenberger, G.; Bidlingmaier, W.; Bilitewski, B.; Fricke, K.: Deponietechnik 2006, Stuttgart2006, S. 3

-2Benchmarking in der öffentlichen Abfallwirtschaft2. Der Zweckverband Entsorgungsregion West(ZEW)Anfang 2003 ist der Zweckverband Entsorgungsregion West (ZEW) alsöffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger gegründet worden. Das ZEWVerbandsgebiet bilden die Kreise Aachen, Düren und die Stadt Aachen.2Der Kreis Aachen setzt sich aus folgenden neun Kommunen zusammen:die Städte Alsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Herzogenrath, Monschau,Stolberg, Würselen und die Gemeinden Roetgen und Simmerath. Im KreisDüren sind die 5 Städte Düren, Heimbach, Jülich, Linnich, Nideggen sowie die 10 Gemeinden Aldenhoven, Hürtgenwald, Inden, Kreuzau, Langerwehe, Merzenich, Niederzier, Nörvenich, Titz und Vettweiß zusammengeschlossen.Folgende Grafik zeigt das Gebiet des ZEW:Abbildung 1: Entsorgungsgebiet des ZEW23vgl. Stadt Aachen: Beteiligungsbericht der Stadt Aachen 2007, Aachen 2007, in Quelle WorldWide Web,http://www.aachen.de/DE/stadt buerger/politik verwaltung/staedtische ht.pdf vom 23.02.20083in Anlehnung an: Zweckverband Entsorgungsregion West: Abfallbilanz für das ZEW Verbandsgebiet 2006, S. 2

-3Benchmarking in der öffentlichen AbfallwirtschaftDer Verband nimmt die ihm von den Mitgliedern übertragenen Aufgabeneines öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers gem. §§ 15 Abs. 1 Satz 1,413 Abs. I Satz 1 KrW-/AbfG, § 5 LAbfG wahr . Mit der operativen Erfüllungder ihnen übertragenen Aufgaben hat der ZEW die AWA EntsorgungGmbH beauftragt, die ihm zu 94,24 % gehört. Folgende Abfallentsorgungsanlagen und –einrichtungen werden zur Aufgabenerfüllung genutzt:Müllverbrennungsanlage (MVA) Thermische Behandlung von Abfällen aus kommunalen und gewerblichen AnlieferungenWeisweilerEntsorgungs- und Logistikcenter Ablagerung mineralischer Restabfälle(ELC) Warden Kleinanlieferplatz für Hausmüll und Sperrgut sowiefür Abfälle zur Verwertung von Privatanliefern undgewerblichen Anliefern Kompostplatz zur Verarbeitung von Grünabfällen Sonderabfallzwischenlager zur Aufnahme vonSonderabfällen aus der mobilen SchadstoffsammlungELC Horm Annahme und Aufbereitung von Sperrgut undhausmüllähnlichem Gewerbeabfall Annahmestelle und Umschlag von Bio- und Grünabfällen Kleinanlieferplatz für Hausmüll und Sperrgut sowieAbfälle zur Verwertung von Privatanliefern und gewerblichen AnliefernKompostierungsanlage Verarbeitung von Grünabfällen und Bioabfällen ausAlsdorf, Baesweiler, Eschweiler, Herzogenrath,WürselenSimmerath und Würselen Zusammenstellung von Transporteinheiten, zurexternen Kompostierung, da die Anlagekapazitätnicht ausreichtKompostplatz Aachen-BrandSonderabfallannahmestelleVerarbeitung von Grünabfällen aus der Stadt Aachen Annahme von SchadstoffenAachen-Rothe ErdeMobile Schadstoffsammlung Annahme von Schadstoffen aus Haushalten undKleingewerbenTabelle 1: Anlagen, welche die Entsorgungssicherheit im Verbandsgebiet gewährleisten4vgl. Stadt Aachen: Beteiligungsbericht der Stadt Aachen 2007, Aachen 2007, in Quelle WorldWide Web,http://www.aachen.de/DE/stadt buerger/politik verwaltung/staedtische ht.pdf vom 23.02.2008

-4Benchmarking in der öffentlichen Abfallwirtschaft3. Wichtige Begriffsbestimmungen in der Abfallwirtschaft„Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) vom 27. September 1994 löst mit seinem Inkrafttreten am 7. Oktober 1996 das Abfallgesetz vom 27. August 1986 ab und verändert die Definition des Abfallbeg5riffs.“3.1. Definitionen verschiedener AbfallartenBevor auf die Philosophie, die Vorgehensweise und die spezifischen Herausforderungen des Benchmarking in der Abfallwirtschaft eingegangenwird, sollen zunächst kurz verschiedene Abfallbegrifflichkeiten erläutertwerden. Die Begriffsbestimmungen für die einzelnen Abfallarten sind nichtexakt festgelegt. Im Folgenden werden die benutzten Wortbedeutungenfür die einzelnen Abfallarten und die dazu erforderlichen Erläuterungenaufgeführt.3.1.1. HausmüllHierbei handelt es sich um Abfälle aus privaten Haushalten, die von denEntsorgungspflichtigen selbst oder von beauftragten Dritten in genormten,im Entsorgungsgebiet vorgeschriebenen Umleerbehältern, regelmäßiggesammelt, transportiert und der weiteren Entsorgung zugeführt werden.6Im Verband des ZEW werden diese Abfälle der MVA Weisweiler bzw.dem ELC Horm zugeführt.3.1.2. BioabfallBei diesen Abfällen handelt es sich um getrennt erfasste biologisch abbaubare organische Abfälle aus Haushalten. Sie werden durch aerobeVerfahren (Kompostierung) oder anaerobe Verfahren (Faulung bzw. Gärung) verwertet.7Bis auf drei Städte und Gemeinden werden im Verbandsgebiet flächendeckend Bioabfälle getrennt eingesammelt und zu den vom ZEW zur Verfügung gestellten Anlagen befördert. In Monschau und Roetgen wurde dieBiotonne bisher nicht eingeführt. Auch in Stolberg werden Bioabfälle nichtgetrennt eingesammelt, da aufgrund der ortspezifischen Verhältnisse(Schwermetallbelastung des Bodens) die Kompostgütekriterien nicht sicher eingehalten werden können.567Bilitewski, B.; Härdtle, G.; Marek, K.: Abfallwirtschaft Handbuch für Praxis und Lehre, 3. Aufl.,Berlin/Heidelberg/New York 2000, S. 27vgl. Bilitewski, B.; Härdtle, G.; Marek, K.: a. a. O., S. 27 - 28vgl. Cord-Landwehr, C.: Einführung in die Abfallwirtschaft, 2. Aufl., Stuttgart; Leipzig 2000, S. 15

-5Benchmarking in der öffentlichen Abfallwirtschaft3.1.3. GrünabfälleGrünabfälle sind Abfälle aus Garten- und Parkanlagen wie Blätter, Grasschnitt, Astwerk und sonstige pflanzliche Abfälle, die wegen ihrer Sperrigkeit oder wegen der großen Abfallmenge nicht in der Biotonne eingesammelt werden. Die Erfassung erfolgt über Bringsysteme oder Bündelsammlungen.Ein Teil der Grünabfälle ist am Entstehungsort mit mineralischen oder mitanderen Abfällen vermischt und wird dann aufgrund der strengen Kompost-Gütekriterien nicht kompostiert. Spezifisch für Grünabfälle aus demBereich der Stadt Stolberg sind Schwermetallbelastungen aufgrund einergeogenen Vorbelastung der dortigen Böden (Eintrag über Bodenhaftungam Wurzelwerk, Staubanhaftungen und Aufnahme in die Pflanzen). Diebetreffenden Grünabfälle werden nicht in eigenen Kompostierungsanlagen behandelt, sondern getrennt entsorgt.3.1.4. SperrmüllHierunter fallen feste Abfälle, die aufgrund ihrer Sperrigkeit nicht in diedurch die Abfallsatzung der Kommune vorgeschriebenen Müllsammelbehälter passen. Sie werden von den Entsorgungspflichtigen selbst oderdurch von ihnen beauftragte Dritte getrennt vom Hausmüll erfasst8 und zuden in der Abfallsatzung des ZEW angegebenen Entsorgungsanlagentransportiert.Im Verbandsgebiet erfolgt die Sperrmüllabfuhr teilweise auf Abruf nachAnmeldung mittels Sperrmüllmarke, per Telefon oder Internet, teilweise anfesten Abfuhrterminen.3.1.5. AltpapierUnter Altpapier werden alte Zeitungen, Bücher, Zeitschriften, Werbebroschüren und verbrauchtes Verpackungsmaterial verstanden, welche zurHerstellung von neuem Papier wieder verwendet werden können. Nichtzur Wiederverwertung geeignet sind beschichtetes Papier wie beispielsweise Tapetenreste, Postkarten oder stark verschmutztes Altpapier.9Die Abfuhr von Altpapier erfolgt durch das jeweilige Kommunalunternehmen, beauftragte Dritte oder in Kooperation zwischen den örtlichen Vereine und den mit der Abfuhr beauftragten Unternehmen. Hiefür werdenTonnen bereitgestellt oder das Papier kann als Bündelsammlung an die89vgl. Cord-Landwehr, C.: Einführung in die Abfallwirtschaft, 2. Aufl., Stuttgart/Leipzig 2000, S. 15vgl. Umwelt–Lexikon: Umweltdatenbank, in Quelle World Wide r.htm vom 04.03.2008

-6Benchmarking in der öffentlichen AbfallwirtschaftStraßen gestellt werden. Nur selten werden noch Container eingesetzt, andenen die Bürger der einzelnen Kommunen ihr Altpapier abliefern können.3.1.6. Elektro- und ElektronikgeräteElektro- und Elektronikgeräte sind gemäß § 3 Absatz 1 Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG)„1. Geräte, die zu ihrem ordnungsgemäßen Betrieb elektrische Strömeoder elektromagnetische Felder benötigen,2. Geräte zur Erzeugung, Übertragung und Messung solcher Ströme undFelder, die für den Betrieb mit Wechselspannung von höchstens 1.00010Volt oder Gleichspannung von höchstens 1.500 Volt ausgelegt sind.“Es handelt sich somit um nahezu alle elektrischen und elektronischen Geräte

Verbandsgebiet bilden die Kreise Aachen, Düren und die Stadt Aachen. 2 Der Kreis Aachen setzt sich aus folgenden neun Kommunen zusammen: die Städte