Transcription

Mitarbeiterzeitung derOberfinanzdirektion Nordrhein-Westfalenund ihrer Finanzämter4/2015N RW - STEUER N - WIRDas Redaktionsteam wünscht allen Leserinnen und Lesern der NSWfröhliche Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2016

N RW- STEUER N -8WIRZum guten SchlussMultikulturelle Verwaltung!Letzter Teil der Serie„Vielfalt in der Finanzverwaltung“N RWJuhuu!Bin zurück.War schön,nur zu kurz.14BeförderungssituationBesser als ihr Ruf? Wie ist die Lage undwie sind die Aussichten?Im GesprächGut informiert26Gar nicht verstaubt!Eine erlebnisreiche Tour durchsFinanzamt Gütersloh begeistertpotenzielle Nachwuchskräfte14 Besser als gedacht26 Wie erkläre ich, was ein Finanzamt so macht?5 Grußwort des Oberfinanzpräsidenten16 Neues aus der Gesetzgebung28 Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten .18 Neu und bundesweit einzigartig31 Nachbarschaftshilfe für Flüchtlinge in Wipperfürth32 Unsere Sportfeste in Nordkirchen & Uerdingen34 Die Hummel fliegt6 Geht’s uns besser?Mitarbeiterbefragung 20158 Vielfalt in der FinanzverwaltungDiesmal mit Nadja Epp vom Finanzamt Bünde10 „Steuerzahlen macht zwar keinen Spaß, aber Sinn!“Besuch des Finanzministers im Finanzamt Oberhausen-Nord12 „Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen“Praktikerforum lädt nach Nordkirchen einImpressumHerausgeberOberfinanzdirektion Nordrhein-WestfalenDienstsitz MünsterAndreas-Hofer-Straße 50, 48145 MünsterTel.: 0251 934-0Fax: 0800 10092675300RedaktionsteamKatharina Hecker (v. i. S. d. P.), Tel. 0221 9778-2505Fiona Kremzow, Tel. 0251 934-2134Grafik/LayoutBurkhard Franke,Tanja Guizetti,Almuth Wilmink,S eite 2 - 4/2015Tel. 0221 9778-2644Tel. 0251 934-2687Tel. 0221 9778-2528Beförderungssituation in der Finanzverwaltung NRWEntwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens - Referentenentwurf des Bundesministeriums derFinanzenEOKS: Ermittlungsgruppe OrganisierteKriminalität - Steuerhinterziehung20 Wissensmanagement: Wissen Sie das Neueste?22 Hinter den Kulissen .Nachwuchswerbung im Finanzamt GüterslohDie landeseigene KFZ-Versteigerung in NRWWas hat die Hummel mit dem Ironman zu tun?36 Finanzämter unter neuer LeitungIhr direkter Draht zu uns:[email protected] für die Ausgabe 1/2016 ist der 14. Januar 2016.37 Vereinsrecht für Anfänger38 Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!Großer Andrang bei den ersten Schnuppertagen in Schleiden39 Alles Küken - oder was?Das NSW-Preisrätsel40 Im DrachenbootfieberDeutschlandturnier der Finanzämter - 2015 in Koblenz42 Willkommen im FinanzamtEine besondere Begrüßung zum Ausbildungsbeginn42 Team Roulette siegt43 Randnotiz25 itPlus: Start der neuen VerfahrenWir danken allen Einsendern sehr herzlich für ihre Beiträge und Bilder.Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass sich die Redaktion sinnwahrende Veränderungen und Kürzungen der Texte vorbehalten muss. AusKapazitätsgründen kann mit den Einsendern nur bei wesentlichen Überarbeitungen der Texte intensiv Rücksprache genommen werden. MitIhren Texten und Fotos tragen Sie dazu bei, unsere Mitarbeiterzeitung„NRW - STEUERN - WIR“ interessant und informativ zu gestalten.Die Redaktion hat für Sie stets ein offenes Ohr! Haben Sie Fragen,Ideen, Tipps, Anregungen, teilen Sie uns diese einfach kurz mit.Schau mal an!Herbert Franssen neuer Landesmeister. der ErhebungsstelleNSW-Redakteure aus den Fachbereichen der OFD NRW:Bernd Brieden, Martin Schalburg, Jan Schmitz und Sigrid WagnerWIRZusammenhaltWie ein Drachenboot Finanzämter zusammenbringt und ein ausgebranntesAuto Grund zur Freude gibtWir sind hier!4 Auf dem PrüfstandDer TÜV in der Oberfinanzdirektion40- STEUER N -Wir haben es (auch) in der HandBildquellennachweis:Seite 7:Tafel (Stephanie st-polizei-zoll.de/ pixelio.de)Seiten 12/13:Dieter Mummert, Maike Sacher, David Floren,Bernd Stühmeier (OFD NRW)Seiten 14/15:Treppe Hintergrund (Rainer Sturm/pixelio.de)Seiten 16/17:Justitia (Tim Reckmann/pixelio.de)Seite 19:OFD/LKA (Thomas Grimm/LKA NRW)Seite 20:Grafik Wissensmanagement(XtravaganT/fotolia.com)Seiten 26/27:Tim Sundermann (FA Gütersloh)Seiten 32/33:Henry Ordon (FA Düsseldorf-Nord),Stefan Höhn (ehemals FA Düsseldorf-Nord),Katharina Hecker, Fiona Kremzow (OFD NRW)Seite 42:Spielkarten (Jens Schöninger/pixelio.de)Für alle aktiven Beschäftigten der Finanzverwaltung sind diePersonalnachrichten im Intranet eingestellt und werden derMitarbeiterzeitung nicht mehr beigelegt.Dieses Journal finden Sie auch im Intranet:Startseite/Verwaltung/Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Mitarbeiterzeitung4/2015 - S eite 3

N RW- STEUER N -WIRIm GesprächAuf dem PrüfstandN RWIm GesprächLiebe Kolleginnen und Kollegen,Der TÜV in der OberfinanzdirektionAnfang 2015 starteten inder Finanzverwaltung NRWim Rahmen des ProjektsitPlus die ersten Prozesse,zu denen unter anderem dieStörungsbehebung und dieBearbeitung von sonstigenAnliegen gehören. Dieseim Januar eingeführtenProzesse wurden nun durch den TÜV Süd „auf Herz undNieren“ geprüft.In unserem Alltag begegnen uns mittlerweile an vielenStellen Zertifikate. Nicht mehr nur das Auto muss „überden TÜV“, auch viele andere Dienstleister unterziehensich freiwillig einer Prüfung, um ihre Dienstleistungen zubewerben. Handwerker werben mit zertifizierter Kundenzufriedenheit, Banken mit TÜV-Siegeln zur Sicherheit undauch Restaurants und Kantinen lassen ihre Leistungen,z.B. in puncto Qualität, gern durch externe Institutionenprüfen und bestätigen.Aber was hat der TÜVmit der Finanzverwaltung zu tun?Monate nach ihrer Einführung(Rollout) einer detailliertenexternen Prüfung unterzogen(Vorprüfung).In der Zeit vom 28. bis31. Juni 2015 prüfte der Leitauditor des TÜV Süd, ob die am26. Januar 2015 eingeführten Prozesse die Voraussetzungen der ISO-Norm erfüllen und ob sie in der Praxis auchwie beschrieben „gelebt“ werden.Mit dem Projekt itPlus wird für die Finanzverwaltung einIT-Service Management (ITSM) eingeführt. Ziel einessolchen ist die Unterstützung der Geschäftsprozesse derFinanzverwaltung, nämlich „Steuern festsetzen und erheben“. Das geschieht durch bedarfsgerechte IT-Services.Das Team Revision und Zertifizierung der FinanzverwalDabei ist es nicht nur wichtig, die hierfür notwendigentung hat die Verantwortlichen und ihre Teams seit EndeAbläufe (Prozesse) in der gesamten IT-Organisation einletzten Jahres auf dem Weg zur Prüfung unterstützt, diezuführen, sondern diese auch kontinuierlich auf möglicheVorprüfung organisiert und die Prüfung durchgängigVerbesserungen zu überprüfen. Als Basis dient hierzu derbegleitet. Im Zuge dieses Verfahrens sind wesentlicheVergleich mit den Regelungen der ISO 20000:2011, die derBestandteile des bereits geplanten Prozesses „Revisioninternational anerkannte Standard (Norm) für IT-Serviceund Zertifizierung“ getestet worden. Der Prozess wird imManagement ist.Rahmen der kommenden Schritte in den Betrieb überAm Ende des Projekts itPlus steht die Zertifizierung für dasführt. Die Inbetriebnahme ist ein weiterer Baustein, damiteingeführte IT-Serviceauch zukünftig die TÜVManagement derPrüfungen reibungslosFinanzverwaltung, dasverlaufen.danach regelmäßig, das2018 soll die abschlieheißt jährlich, auf denßende ZertifizierungPrüfstand gestellt wird.erfolgen. Dank derDurch diese jährlicheerfolgreichen VorprüÜberprüfung wird fürfung sind wir diesemdie Anwender die BeiZiel einen Schritt näherbehaltung des Qualigekommen. Es kanntätsstandards erreicht.also weitergehen Schon auf dem Weg zurZertifizierung werdenMichael Jonas, Claudia BeforthDas Team Revision und Zertifizierung bei der Arbeit(OFD NRW)alle Prozesse einigeS eite 4 - 4/2015WIRStrategie brauchen, um auch künftig alsFinanzverwaltung gut aufgestellt zu sein.Um einer neuen Generation von Menschen, die sukzessive in unseren Ämternankommen, ein zeitgemäßer Arbeitgeberzu sein.Das heißt nicht, dass Sie im neuen Jahrin das Finanzamt hereinkommen und dieneue Küche schon steht. Das heißt erstmal, dass wir uns aufgemacht haben,ein Ziel, eine Strategie zu definieren, wowir hinwollen. Diese Strategie soll unserHandeln bestimmen. Wenn wir zukünftig über IT-Beschaffungen oder neueProgramme, über Gebäude für Finanzämter oder organisatorische Überlegungen reden, dann wollen wir Sie im Blickbehalten und unser Handeln danachausrichten.Und wie genau ist dieVorprüfung durch denTÜV abgelaufen?Für die Verantwortlichen der Prozesse stellte die Vorprüfung einen der letzten Schritte zum Abschluss derTeilprojekte dar. Die Vorprüfungsergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für notwendige Anpassungen an denProzessen im laufenden Betrieb, damit der Zertifizierungam Ende nichts im Wege steht. Während der Vorprüfunghaben Kolleginnen und Kollegen aus den Servicedesksder Erprobungsfinanzämter, des Rechenzentrums derFinanzverwaltung und der Oberfinanzdirektion eindrucksvoll die Kompetenzen des IT-Personals bestätigtund die Vielfältigkeit der Aufgaben bzw. die praktischenMöglichkeiten bei der Unterstützung der Anwenderinnenund Anwender demonstriert.- STEUER N -Dante Alighieri schrieb einmal:„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt,der andere packt sie an und handelt.“Das war einer meiner Leitsätze in diesem Jahr und führtedazu, dass meine Frau jetzt unser komplettes Haus umbaut, weil es Zeit für eine neue Küche war. Dabei habeich mal wieder bemerkt: Jeder Wandel und jede Veränderung bringt erst einmal viele Verhandlungen mit diversen Handwerkern, Dreck, Ärger und manchmal auch einbisschen Frustration mit sich, ehe man das Vergnügenhat, in einer brandneuen Küche zu stehen und fasziniertzu sein von den neuen Geräten.Verstehen Sie mich nicht falsch: Die alte Küche hätte esnoch getan - aber in der neuen Küche lässt es sich dochleichter arbeiten und leben.So verstehe ich auch das, was in den nächsten Jahrenauf unsere Verwaltung zukommt: In diesem Jahr habenwir uns stark mit dem Thema „Finanzverwaltung derZukunft“ und Modernisierung des Besteuerungsverfahrens beschäftigt. Verschiedene Arbeitsgruppen habengetagt und sich Gedanken gemacht. Warum? Aus derfesten Überzeugung heraus, dass wir eine zeitgemäßeNatürlich wird es an der ein oder anderenStelle Umplanungen, Verhandlungen zwischen verschiedenen Gewerken, Dreck,Ärger und Unstimmigkeiten geben. Einige Wände müssen eingerissen werden.Manchmal wird im Prozess ein Schräubchen fehlen oder der Kühlschrank nichtgeliefert. Das sollte uns aber nicht davonabhalten, in diesen Prozess einzusteigen.Und wir sollten uns dabei bemühen, dassmöglichst viele die Planungen für die neue Küche auchgut finden.Übertragen bedeutet das für unsere Verwaltung, dassdie Kolleginnen und Kollegen, die auch die nächsten30 Jahre bei uns verbringen werden, sich weiterhin mitder Finanzverwaltung identifizieren können.Das ist eine Aufgabe mit vielen Puzzleteilchen, die nichtauf einmal bewältigt werden kann, sondern Stück fürStück und Projekt für Projekt. „Es gibt immer was zu tun.“Jeder neue Tag ist Zukunft und es wird sich immer etwasverändern. Das sollte man für sich akzeptieren und mitGelassenheit an diese Veränderungen herangehen undoffen für sie bleiben.In diesem Sinne wünsche ich Ihnen friedliche, besinnliche und fröhliche Weihnachten und ein gesundesneues Jahr 2016.Ihr4/2015 - S eite 5

N RW- STEUER N -WIRIm GesprächGeht’s uns besser?Mitarbeiterbefragung 2015Dieser Frage sind wir in der diesjährigen Mitarbeiterbefragung nachgegangen. Zwei Jahre sind schon wiedervorbei. Im Mai war es so weit: Für vier Wochen hattenunsere Kolleginnen und Kollegen erneut Zeit, uns ihreMeinung mitzuteilen.Hierfür hat sich das Instrument der Mitarbeiterbefragungin der Finanzverwaltung etabliert. Unkenrufe wie „Damacht doch keiner mehr mit“ oder „Es ändert sich jadoch nichts“ blieben zum Glück nur Theorie. Die durchschnittliche Beteiligungsquote für die Finanzämter stiegsogar leicht auf 67,45 Prozent und pendelt sich seit vierBefragungszeiträumen auf einem guten Niveau zwischen65 und 70 Prozent ein.Jede Stimme zählt!Die hohe Beteiligung lässt darauf schließen, dass es denBeschäftigten auch weiterhin wichtig ist, ein Stimmungsbild zu politischen Rahmenbedingungen und örtlichenGegebenheiten abzugeben.In den Festsetzungsfinanzämtern beteiligten sich bis zu84,25 Prozent der Beschäftigten an der Befragung, in denFinanzämtern für Groß- und Konzernbetriebsprüfungwaren es sogar bis zu 92,81 Prozent. Die meisten Ämtererzielten eine Quote von 60 bis 80 Prozent. Nur ein Amtblieb bei einer Beteiligungsquote unter 40 Prozent.Die Durchführung der mittlerweile neunten Befragungerfolgte mit der bewährten Methodik (modularer Aufbau,Onlinebefragung) und mit den bekannten Fragen. So galtzugunsten des Anonymitätsschutzes wieder die Regel,dass Auswertungen für einzelne Stellen nur abgebildetwurden, wenn mindestens sechs Personen einen Fragebogen ausgefüllt hatten.Wie bereits bei den Vorbefragungen nahmen dieDienststellen gerne die Möglichkeit wahr, zusätzlichzum allgemeinen Fragebogen Detailfragen zu einzelnen Themen (Modulfragen) freischalten zu lassen, umzu bestimmten Bereichen genauere Informationen zuerhalten. Ein besonderes Interesse galt der Zufriedenheitmit den Führungskräften der Dienststelle, dieses Modulwurde 38 mal hinzugewählt. Ähnliche Werte erzielte auchdas Modul zur Zufriedenheit mit der Umsetzung vonVeränderungen, das 31 mal gewählt wurde. 51 Dienststellen entschieden sich, über ein Individualmodul selbstgewählte Fragen in den Fragebogen einbauen zu lassen.Viele Dienststellen stellten dazu aus den vorgegebenenModulfragen ein eigenes Modul zusammen. Zum Teilwurden auch eigene Fragen formuliert. Diese beschäftigten sich unter anderem mit den Fortbildungsangebotenvor Ort, der Tätigkeit des Personalrats oder dem Gesundheitsmanagement.Wie steht’s mit der Zufriedenheit?Die Zufriedenheitswerte sowohl zu den Fragen nach denRahmenbedingungen als auch den Verhältnissen vor Ortzeigten insgesamt einen leicht positiven Trend, wobeidie Veränderungen zur Mitarbeiterbefragung 2013 meistgeringfügig waren. Fast flächendeckend wurde die Zufriedenheit mit den Kolleginnen und Kollegen sehr hoch eingeschätzt. Weniger zufrieden waren die Teilnehmerinnenund Teilnehmer wie bereits in den Vorbefragungen mitder Umsetzung von Veränderungen. In den Dienststellenist das Stimmungsbild sehr unterschiedlich ausgestaltet,pauschale Aussagen wären hier fehl am Platz.Es ist nunmehr Angelegenheit der einzelnen Dienststellen,sich intensiv mit den Zufriedenheitswerten zu befassenIm Gespräch- STEUER N -WIRund Rückschlüsse zu ziehen, ob und wie das Klima verbessert werden kann.Jede Befragung weckt bei den Teilnehmerinnen undTeilnehmern Erwartungen, dass die Ergebnisse Wirkungbei den Verantwortlichen zeigen, indem der Ist-Zustandanalysiert wird und im Bedarfsfall Optimierungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden. Auf jeden Fall sollte eineAuseinandersetzung mit den Ergebnissen unabhängig davon, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht, transparentkommuniziert werden. Ob eine solche Auseinandersetzung in der Vergangenheit aus Sicht der Kolleginnen undKollegen erfolgt ist, war in diesem Jahr erstmals Inhalt derBefragung. Auf der üblichen Bewertungsskala von 1 bis 5konnte abgebildet werden, wie der Umgang mit den Ergebnissen der letzten Mitarbeiterbefragung eingeschätztwurde. Einige Finanzämter konnten auf eine offensichtlicherfolgreiche Aufarbeitung der Befragung 2013 zurückblicken.Mitarbeiterbefragung - und dann?Im Finanzamt Coesfeld beispielsweise führte die Analyseder Befragungsergebnisse 2013 zu konkreten, organisatorischen Maßnahmen, um die Mitarbeiterzufriedenheit zuerhöhen. So wurden etwa die Arbeitszeitregelungen nochflexibler ausgestaltet als bisher, und die Raumverteilungwurde optimiert. Außerdem kümmert sich ein Arbeitskreis um eine verbesserte Vernetzung der verschiedenenArbeitsbereiche im Haus.Das Finanzamt Duisburg-West ermittelte in einemArbeitskreis sowohl anhand der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2013 als auch der Ergebnisse der Gesundheitsbefragung 2012, mit welchen Stellen man sichkonkret beschäftigen wolle. Im Weiteren wurden viele,zum Teil vertraulich gebliebene Gespräche geführt.Anschließend konnten die Stellen bei der Entwicklungvon Optimierungsmaßnahmen selbst entscheiden, obsie den Arbeitskreis in Anspruch nehmen oder interntätig werden wollten.Herausgekommensind einige Veränderungen organisatorischer Art. „Dabei waruns wichtig, für nochmehr Transparenz zusorgen“, erklärt AnitaFreund, ständigeVertreterin der Dienststellenleitung.Im Finanzamt Hattingen entschloss man sich, im Anschluss an die Mitarbeiterbefragung 2013 die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen ohne besondere Aktionen zu begleiten, nachdem auf die Mitarbeiterbefragung2011 eine organisierte Aufarbeitung der ErgebnisseS eite 6 - 4/2015N RWerfolgte (Bildung einer Arbeitsgruppe mit der Bitte, Ideenzu entwickeln, Workshop für die Sachgebietsleitungen mitexterner Moderation). „Offensichtlich klappt das auch gut“,erklärt Michael Düber, Dienststellenleiter des FinanzamtsHattingen.„Das A und O ist Kommunikation. Wenn Probleme an unsherangetragen werden, bieten wir Hilfe an, sie zu lösenoder so gut wie möglich zu mindern. Wichtig ist, dass dieKolleginnen und Kollegen wissen, dass wir uns kümmern- und das nicht nur im Anschluss an eine Mitarbeiterbefragung, sondern ständig!“Ähnlich sieht es Dr. Udo Wedepohl, Dienststellenleiter derGKBP Detmold. „Das ist eine Frage des Gesamtklimas imHaus. Wir sind ein gutes Team und pflegen den Dialog.Wenn etwas im Argen ist, kommen die Kolleginnen undKollegen auf mich oder die Sachgebietsleitungen zu. Siewissen, dass wir dem einzelnen viel Freiheit einräumen,persönliche Belange berücksichtigen und auch Fehlerverzeihen. Deshalb herrscht auch große Offenheit.“ Dasgilt nicht nur für den Umgang innerhalb des Amtes. Auchdie Zusammenarbeit mit den diversen Stellen der Festsetzungsämter wird durch gemeinsame Gespräche gefördert.Der ständige Vertreter der Dienststellenleitung beimFinanzamt Ibbenbüren, Michael Rahmlow, nutzte dieInformationsveranstaltungen vor der Mitarbeiterbefragung2015, um den Umgang mit den Ergebnissen der letztenBefragung zu erläutern. „Ich habe daran erinnert, dass dieErgebnisse damals eingehend mit Dienststellenleitung,Sachgebietsleitungen und dem Personalrat besprochenworden sind. Dann ist ins Haus kommuniziert worden, dassangesichts der positiven Ergebnisse besondere Aktionenwie die Bildung einer Arbeitsgruppe nicht erforderlichschienen. Die aktuellen Befragungsergebnisse zeigen, dassdie Kolleginnen und Kollegen das auch so gesehen haben!Stattdessen wird auch hier die Mitarbeiterorientierung alsständiger Begleiter der täglichen Arbeit wahrgenommenund gelebt.“Birgit Temming, Jan Schmitz (OFD NRW)4/2015 - S eite 7

N RW- STEUER N -WIRIm GesprächVielfalt in der FinanzverwaltungIn diesem Jahr haben wir uns derVielfalt in der Finanzverwaltunggewidmet. Vier Kolleginnen undKollegen aus der Finanzverwaltunghaben uns erzählt, wo ihre Wurzelnliegen, warum sie sich für dieFinanzverwaltung entschiedenhaben und wie sich ihre Herkunftauf den Arbeitsalltag auswirkt.Im letzten Teil der Reihe lässt unsNadja Epp aus dem Finanzamt Bünde an ihrer interessanten und ereignisreichen Geschichte teilhaben.Mein Name ist Nadja Epp. Ich bin 1984in Blagoweschtschenka, in Russland,geboren. Meine Vorfahren kamenunter der Zarenherrschaft Katharinader II. im 18. Jahrhundert nach Russland. Die Deutschen wurden damalsmit Versprechungen wie Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst,Selbstverwaltung auf lokaler Ebenemit Deutsch als Sprache, finanziellerStarthilfe und etwa 30 Jahren(!) Steuerfreiheit gelockt.Die Anfänge gestalteten sich jedochschwerer als erwartet. Die erstenKolonisten mussten viel Not erleiden. In den folgenden Generationengelangten die deutschen Kolonienzu beachtlichem Wohlstand. Esentwickelte sich eine fortschrittlicheLandwirtschaft. Nach der russischenRevolution 1917 ging es von der Privilegierung über zur Diskriminierung.Es folgten der Russische Bürgerkrieg,die Zwangskollektivierung, Massenerschießungen und „Säuberungen“.Der Zweite Weltkrieg brachte weitereNot und Entbehrung mit sich. DieDeutschen galten in den Kriegsjahrenals Verräter und wurden als „innereFeinde“ entsprechend in Haft undZwangslager gesteckt, viele Männerwurden erschossen, darunter auchmeine beiden Urgroßväter.Nach dem Stalinismus wurden dieRusslanddeutschen in der Sowjetunion weiter diskriminiert. Sie wurdenS eite 8 - 4/2015nicht nur als Faschisten bezeichnet,sondern auch entsprechend behandelt. Es gab keine Chancengleichheit,keine Glaubensfreiheit, und sie hattennur eigeschränkte Rechte. Aus höheren Ämtern, Bildungseinrichtungenund angesehenen Berufen wurden sieweitgehend verdrängt.Meine Eltern lebten zur Zeit des Kommunismus in einem Dorf namens Tatjanovka. Dieses liegt in der SiedlungBlagoweschtschenka in der RegionAltai im südlichen Westsibirien. Sielebten in einer Sowchose. Das ist einlandwirtschaftlicher Großbetrieb imStaatsbesitz mit angestellten Lohnarbeitern. Obwohl wir in Russlandlebten, sind wir mit „Plautdietsch“als Muttersprache aufgewachsen.Russisch wurde in Behörden, Schulenund in den Städten gesprochen. Undso lernten wir erst zum Start in dieSchule Russisch.Ab den 70er Jahren begannen großeAuswanderungswellen nach Deutschland. Meine Eltern entschieden sich,wie viele andere Deutschstämmige vor ihnen, zurück in dieHeimat zu gehen. Im Januar1992 sind sie mit uns Kindernnach Deutschland „zurückgekehrt“.Trotz deutscher Wurzeln merkten wir bald, das Deutsch undDeutsch nach jahrhundertlanger Trennung nicht gleich ist.Die russische Küche ist trotzder Rückkehr nach Deutschland bei uns bis heute sehrbeliebt, sie unterscheidet sichdeutlich von den typisch deutschen Gerichten. Und so gibtes neben Pommes und Bratwurst auch Borschtsch, Plowund Pelmeni.tenbeutel, den wir Kinder an Weihnachten in Russland immer bekamen.Ich liebte diese Süßigkeiten. Sie gibtes sogar heute noch, und meineKinder bekommen jedes Jahr nachdem Weihnachtsgottesdienst eineprall gefüllte Tüte. Es ist eine schöneTradition, die wir gerne noch längerbeibehalten wollen.NRW - STEUERN - WIR: Warum habenSie sich für die Finanzverwaltungentschieden? In welchem Bereich sindSie tätig?Eigentlich hatte ich keinen konkretenBerufswunsch. Ich hatte immer schoneinen Sinn fürs Sortieren, Ordnen,Abheften. Egal ob Zimmer oderSchultasche, alles war immer ganzpingelig nach System geordnet, mitKreativität hatte das eigentlich wenigzu tun. Bekannte brachten mich dannauf die Idee, doch eine Ausbildung inder Verwaltung zu machen.Obwohl ich keine Ahnung hatte, wasdas Finanzamt ist und welche Funk-- STEUER N -WIRtionen es übernimmt, ging meineeinzige Bewerbung zur Finanzverwaltung, auf die eine Zusage erfolgte.Das mit der Ahnung änderte sichdann auch schnell. Zurzeit arbeiteich in der Veranlagungsstelle. Nacheinigen Jahren Finanzamtstätigkeitschätze ich die Veranlagungsstelleund die damit zusammenhängendenArbeiten sehr. Egal ob 5000er oder2000er, es macht mir sehr viel Spaß.Selbst mit Familie lässt sich meineTätigkeit im Veranlagungsbezirk gutvereinbaren. Durch die Pflegesituation meines Kindes istder mir zur Verfügung gestellteHeimarbeitsplatz die optimaleLösung, Berufs- undPrivatleben zu kombinieren.NRW - STEUERN - WIR: In welchen Situationen empfinden Sie Ihre interkulturellen Kompetenzen als Vorteil fürIhre tägliche Arbeit?Vorteile ergeben sich regelmäßig beim Aufeinandertreffen mit„Aussiedler“-Steuerpflichtigen. Sieverstehen vieles nicht. Mit Bürokratie hatten Sie in Russland deutlichweniger zu schaffen. Sie sind oftahnungslos und haben entsprechendkeinen Sinn für die Verwaltung. Esgibt unter anderem Missverständnisse, weil die deutsche Sprache für dieältere Generation schwer zu lernenist. Obwohl ich kein Russisch mehrspreche, verstehe ich in Gesprächen,worum es geht, denn die Steuerbürger bemühen sich oft, auf Russischund „Plautdietsch“ ihren Standpunktzu erklären.In der täglichen Arbeitsbewältigungfällt mir persönlich die interkulturelleKompetenz weniger auf, was sicherlich damit zusammenhängt, dass ichin Deutschland aufgewachsen undauch zur Schule gegangen bin.NRW - STEUERN - WIR: Stand in IhremJetzt wo die Weihnachtszeitwieder ansteht, erinnere ichmich gerne an den Süßigkei-N RWIm GesprächArbeitsalltag jemals Ihr Migrationshintergrund im Fokus? Falls es so war,wie sind Sie damit umgegangen?Eigentlich kann ich nicht behaupten,dass bei mir jemals der Migrationshintergrund im Vordergrund stand.In der Ausbildungszeit kamen nochmanchmal Anfragen zum Übersetzen.Von Steuerpflichtigen oder aus demKollegium werde ich häufig aufmeinen Akzent angesprochen, dasrollende „R“ ist sehr auffällig, was ichselber gar nicht so bemerke. Erst mitder Einladung zum interkulturellenAustausch begann ich, wirklich übermeinen vorhandenen Migrationshintergrund nachzudenken, bis dahinwar das nie ein Thema für mich.NRW - STEUERN - WIR: Was sind IhreWünsche? Wie sollte sich aus IhrerSicht Integration in der Finanzverwaltung in den nächsten Jahrenentwickeln?Ich kenne viele Menschen mit Migrationshintergrund, die in Behördentätig sind und dort auch ihre Ausbildung gemacht haben. Wichtig ist,dass diese Ausbildung weiter praktiziert und nicht zurückgefahren wird.Es ist eine Hilfe für unsere Familien,Bekannten und Verwandten, da wirihnen Verständnis für Ordnung und(Steuer)recht vermitteln können. Icherlebe oft, dass viele noch die Meinung vertreten, der „böse Staat“ seiungerecht. Durch die Beschäftigungin der Finanzverwaltung bin ich einesBesseren belehrt worden. Die Steuerbürger sollen unbedingt wissen,wofür Steuern erhoben und eingesetzt werden, schließlich betrifft esjeden. In der Regel wird übersehen,dass Recht und Ordnung dem Schutzeines jeden Bürgers dienen.Dank meiner beruflichen Laufbahnund meinen Erfahrungen konnte ichin meinem eigenen Umfeld einigesrichtigstellen. Dieses Wissen sollteweitergegeben werden, um Verständnis in der Bevölkerung zu schaffen.Meines Erachtens ist bereits vielpassiert. Das sage ich voller Überzeugung, weil ich meine eigene Situationsehe und mich voll und ganz in Landund Leben integriert fühle.Vielen Dank für das Gespräch!Die Reihe „Vielfalt in derFinanzverwaltung“ hat unsverdeutlicht, wie multikulturellauch die Verwaltung zwischenzeitlich ist. Deutlich wurdejedoch vor allem eins: So unterschiedlich wir auch alle seinmögen, das ist letztlich nichtdas was zählt. Was zählt ist einrespektvoller und toleranterUmgang miteinander. Oder,wie es schon so schön in derNSW 2/2015 stand: „Es kommtauf den Menschen an .“4/2015 - S eite 9

N RW- STEUER N -WIRIm GesprächN RWIm Gespräch- STEUER N -WIR„Steuerzahlen macht zwar keinen Spaß, aber Sinn!“Besuch des Finanzministers im Finanzamt Oberhausen-Norddie Vertretung geregelt? Fragen über Fragenund ein gewisses Maß an Anspannung.Völlig unnötig, wie sich am Vormittag des14. Juli 2015 zeigte. Mit etwas Verspätung, dieder unberechenbaren Verkehrslage im Rheinland und Ruhrgebiet geschuldet war, betrat eingut gelaunter und interessierter Landesfinanzminister das Gebäude.„Guten Tag nach Oberhausen, Herr Walter-Borjanswürde auf seiner diesjährigen Sommertour gerne dasFinanzamt Oberhausen-Nord besuchen “Der Minister will UNS besuchen kommen .? Was müssenwir vorbereiten? Welche Themen wollen wir ansprechen?Wo soll das am besten stattfinden? Können wir auf gutesWetter hoffen und alles draußen aufbauen? Wie viele Kolleginnen und Kollegen wollen wohl teilnehmen? Wie wirdWie die meisten Besucher, führte auch ihn derWeg zunächst in die SIST. Heute ging es abernicht darum, Steuerklassen zu ändern oder diefällige Einkommensteuererklärung abzugeben. Norbert Walter-Borjans wollte sich direktvor Ort nach der Arbeit der dort eingesetztenKolleginnen und Kollegen erkundigen undsich ihre Erfahrungen im Umgang mit denSteuerbürgern anhören. Auf einen solchentraf er auch sofort nach Betreten der Räumlichkeiten,stellte sich kurz vor (was beim Gegenüber zu anfänglicherVerwirrung führte, da er sich den „Herrn Schäuble“ wohlanders vorgestellt hatte) und erkundigte sich nach seinerZufriedenheit mit der Finanzverwaltung. „Früher war ichzufrieden, da lebte meine Frau noch und ich musste aufmeine Rente keine Steuern zahlen, aber jetzt .“, so dieprompte Antwort des Angesprochenen, der im Rahmender Aktion RBM 3.0 Post von „seinem“ Finanzamt erhaltenhatte. Ein Einblick in den Alltagder SIST .Nach einem kurzen Abstecherin den Lehrbezirk, der mitseinen fünf Kolleginnen undKollegen für die Ausbildungder derzeit 14 Anwärterinnenund Anwärter des mittlerenund gehobenen Dienstesverantwortlich ist, führteder Weg des Ministers in dieKantine. Hier wurde er bereitsvon ungefähr 30 Zuhörernder Dienststelle und Gästendes Finanzamts Oberhausenerwartet.Schnell fanden sich die Anwesenden auf Vorschlag vonNorbert Walter-Borjans ingroßer Runde zusammen undS eite 10 - 4/2015er erzählte, was ihn als Finanzminister des bevölkerungsreichsten Landes beschäftigt. Seine Ausführungen gabenallen Beteiligten eine Ahnung davon, welchen Zwängen,Vorgaben und Ansprüchen er bei seiner Arbeit und seinenEntscheidungen unterliegt. „Ich muss immer auch denHaushalt im Kopf haben und den nach außen vertreten,Stichwort Besoldung“, erklärte der Minister.Die Besoldungsrunde habe in diesem Jahr schnell undgeräuschlos mit einem für die Beamten und Pensionäreguten Ergebnis geendet. Norbert Walter-Borjans bedanktesich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit, die seineMitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich leisten, umSteuereinnahmen zu generieren und Geld in die Kassendes Landes zu holen.Dies brachte ihn gleich zu einem weiteren Punkt, der denFinanzminister des Landes NRW regelmäßig beschäftigt- die Steuerflucht ins Ausland, deren Aufdeckung undVerfolgung und die große Zahl der Selbstanzeigen, dieaufgrund einer gut aufgestellten Steuerfahndung desLandes eingegangen sind. Klar, diese machen sowohl inden Strafsachen- als auch in den Festsetzungsfinanzämtern viel Arbeit, bringen aber auch viel ein. Seit 2010 sindim gesamten Bundesgebiet aus Steuernachzahlungenaufgrund von rund 100.000 Selbstanzeigen und den Bußgeldern mehrerer Banken insgesamt über vier MilliardenEuro für die Allgemeinheit hereingeholt worden.lockeren Meinungsaustauschs ein offenes Ohr für d

(www.einstellungstest-polizei-zoll.de/ pixelio.de) Seiten 12/13: Dieter Mummert, Maike Sacher, David Floren, Bernd Stühmeier (OFD NRW) Seiten 14/15: Treppe Hintergrund (Rainer Sturm/pixelio.de) Seiten 16/17: Justitia (Tim Reckmann/pixelio.de) Seite 19: OFD/LKA