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Ausgabe Nr. 134Dezember 2013www.daimler.igm.deBrennpunktInformationen für die Beschäftigten der Daimler AG am Mercedes-Benz Standort SindelfingenWir wünschen allen unserenLeserinnen und Lesern einfriedliches Weihnachtsfest undeinen guten Rutsch ins neue Jahr.Wir werden auch 2014 wieder fürSie da sein und hoffen, Sie allegesund wieder zu sehen.Das ist für uns WICHTIGER DENN JE!Ihre BRENNPUNKT-Redaktion1400 Werkverträge 7inLeiharbeit gewandelt100 Übernahmenin RDUnternehmen kommt zur EinsichtVerhandlungserfolg desBetriebsrats dank Tarifvertragzur Leih-/Zeitarbeit8-9Betriebsratswahl 2014Die IG Metall-Liste steht!106 MetallerInnen aus allenBereichen treten an.19Jahresrückblick10-14

editorialLiebe Kolleginnen und Kollegen,unser Unternehmen steht zurzeit gut da.Mercedes-Benz Cars meldet jedenMonat einen neuen Absatzrekord undmit einer Umsatzrendite von 7,3 % imdritten Quartal sind wir wieder in derChampions League angekommen. Diesist auch der Verdienst der SindelfingerBelegschaft. Sie entwickelt und baut dieAutos der E- und S-Klasse, welche derMarkt verlangt. Uns ist bewusst, dassgerade der qualitätsgesteuerte Hochlauf der S-Klasse der Mannschaft allesabverlangt und so manche Nervenkostet - dieser Leistung gebührtRespekt.Kein Wettbewerb überArbeitsbedingungen und LöhneIrritiert hat uns dagegen HerrDr. Zetsche. Er meinte, sich währendden laufenden Koalitionsverhandlungen als Klassensprecher der Unternehmer aufspielen zu müssen. In derBild am Sonntag drohte er mit derVerlagerung von Produktion ins Ausland, sollte es zu einem Mindestlohnvon 8,50 Euro und der Regulierung vonLeiharbeit und Werkverträgen kommen.Warum ein Mindestlohn von 8,50 EuroArbeitsplätze bei Daimler gefährdet, hater nicht erklärt. Das macht auch nurdann Sinn, wenn der Vorstand daraufspekuliert, durch Werkverträge mitunseriösen Firmen Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Und das kann jawohl nicht sein Ernst sein.2BRENNPUNKTIn dieses Bild passen auch die gescheiterten Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat und Vorstand zum Umgang mit Leih-/Zeitarbeit und Werkverträgen bei Daimler. Das Unternehmenwar nicht bereit, die Anwendung vonTarifverträgen bei Dienst- und Werkverträgen als sozialen Mindeststandardanzuerkennen. So wird Lohndumpingzur Unternehmensphilosophie erklärt.Damit werden wir uns nicht abfinden.Der Wettbewerb um Aufträge vonDaimler darf nicht über die Arbeitsbedingungen und die Löhne der Fremdfirmen-Beschäftigten ausgetragen werden. Hier ist es an der Politik, unsBetriebsräten die passenden gesetzlichen Instrumente an die Hand zugeben. Das Informationsrecht, das jetztim Entwurf zum Koalitionsvertrag vorgesehen ist, wird nicht ausreichen, umbetrieblich vernünftige Bedingungen fürBeschäftigte im Werkvertrag durchzusetzen.Wie inflationär Daimler Werkverträge inder Entwicklung eingesetzt hat und wiewichtig öffentlicher und interner Druckist, zeigt die jetzt angekündigte Wandlung von 1400 Werkverträgen in Arbeitnehmerüberlassungen in Forschungund Entwicklung (RD). Das Unternehmen will sich nach der öffentlichenDebatte auf die rechtlich sichere Seitebegeben. Diese 1400 Kolleginnen undKollegen fallen nun unter die Mitbestimmung des Betriebsrats, sie erhaltenBranchenzuschläge und für sie gilt jetztder Tarifvertrag zu Leih-/Zeitverträgen(TV LeiZ). Damit sind sie in einemgeregelten Übernahmeprozess. Wie derTV LeiZ wirkt, zeigen die bereits vereinbarten 100 Übernahmen von Leiharbeitern/ ANÜs in RD ab Mai 2014. Dankdes Tarifvertrags müssen sie nach 24Monaten fest eingestellt werden.Gute Tarifverträge können nur mit einerstarken IG Metall erkämpft werden. DieStärke der IG Metall sind die Mitglieder,Vertrauensleute und Betriebsräte in denBetrieben. Sindelfingen spielte bei derDurchsetzung wichtiger tariflicher undbetrieblicher Regelungen zum Schutzder Beschäftigten immer eine entscheidende Rolle. Die IG Metall-Liste, die beider Betriebsratswahl im März 2014antritt, steht für die Kompetenz, dieStärke und den Gestaltungswillen, dienotwendig sind, damit dies auch inZukunft so bleibt. Deshalb gilt auch beider Betriebsratswahl 2014: IG Metall –wichtiger denn je!Wir wünschen allen ein friedlichesWeihnachtsfest, erholsame freie Tageund einen guten Rutsch ins spannendeJahr 2014!Erich KlemmErgun triebsratsvorsitzenderDezember 2013

[email protected] Außerordentlicher Gewerkschaftstag der IG MetallDem Wildwuchs vonLeiharbeit und Werkverträgenein Ende setzenDie Delegierten der IG Metall wählten aufdem 6. außerordentlichen Gewerkschaftstag in Frankfurt ihre neueFührungsspitze. Detlef Wetzel wurde alserster Vorsitzender der IG Metall mit75,51 % gewählt. Zweiter Vorsitzenderwurde Jörg Hofmann, unser Bezirksleiteraus Baden Württemberg, mit 77,73 % derabgegebenen Stimmen.Prominente GästeUnter dem Motto „Kurswechsel: Gemeinsam für ein gutes Leben“ kamen rund 500Delegierte der IG Metall aus ganzDeutschland zusammen. Angela Merkelund Sigmar Gabriel berichteten denanwesenden Gewerkschaftern über denaktuellen Stand der Koalitionsverhandlungen und stellten die für sie zentralenThemen in der Arbeitsmarkt- undWirtschaftspolitik dar. Der Vorsitzendedes Deutschen Gewerkschaftsbundes,Michael Sommer, folgte ebenfalls derEinladung und richtete sich mit seinemGrußwort an die Metaller.Neben den Wahlen der Vorsitzendenstand die Wahl eines neuen Hauptkassierers sowie zweier geschäftsführender Vorstandsmitglieder an. Jürgen Kernerwurde zum neuen Hauptkassierer gewählt. Weitere geschäftsführende Vorstandsmitglieder wurden Irene Schulzund Wolfgang Lemb. Damit hat die IGMetall nun eine verjüngte Führungsspitze.Frankfurter ErklärungAktiv für eine demokratischeund solidarische GesellschaftEine demokratische und solidarischeGesellschaft, die auf Teilhabe, Fairnessund sozialer Integration beruht – dafürsprachen sich die Delegierten der IGMetall in der verabschiedeten “Frankfurter Erklärung” aus.Ein gutes Leben für alle Menschen –dieses Ziel hat sich die IG Metall auf ihreFahnen geschrieben. Die Metaller fordern:mehr Gerechtigkeit und Mitbestimmungin allen Bereichen des Lebens. Wichtigwar ihnen auch die Anerkennung und Berücksichtigung von Vielfalt und Humanitätin der Arbeitswelt und in der Gesellschaft.IG Metall-Betriebsrat SindelfingenJetzt wieder druckfrischin Ihrem Briefkasten:die neue metallzeitung„Wohlstand, Innovationen und Wachstumgibt es nur mit ‘guter Arbeit’ und einerNeuordnung des Arbeitsmarktes. Von derPolitik erwarten wir, dass sie gute Arbeitwieder zum Maßstab ihrer Wirtschaftsund Arbeitsmarktpolitik macht. SichereArbeitsplätze und ein ausreichendes undverlässliches Einkommen haben fürunsere Mitglieder höchste Priorität”,heißt es in der Erklärung.In dieser Erklärung fordern die Delegierten unter anderem: Eine neue Balance zwischen denFlexibilitätsanforderungen derUnternehmen und denen derBeschäftigten, betriebliche Maßnahmen zurVereinbarkeit von Arbeit und Leben, Weiterbildungsmaßnahmen für alleBeschäftigten, alter(n)sgerechte Arbeit, flexible Rentenübergänge und ein durchlässiges, offenes und vorallem gerechtes Bildungssystem.Dem Wildwuchs von Leiharbeit, Werkvertragsbeschäftigung und Beschäftigungim Niedriglohn muss ein Ende gesetztwerden. Dazu braucht es einen gesetzlichen Mindestlohn und die Abschaffungsachgrundloser Befristungen.Die IG Metall wird ihren Beitrag mitbetriebs- und tarifpolitischen Lösungenleisten. Dafür will sie den Dialog mit denbetrieblichen Interessenvertretern, aberauch mit den Mitgliedern fortsetzen. Umweiterhin durchsetzungsfähig zu sein, willdie Industriegewerkschaft die Tarifbindung erhöhen, neue Branchen undBetriebe erschließen und die Anliegen derjungen Menschen betriebs-, tarif- undgesellschaftspolitisch stärker einbringen.Quelle: www.igm.deSindelfingen war auf dem Gewerkschaftstag stark vertreten. Delegiert warenJoachim Nisch, Eva von der Weide, HelmutRoth und Frank Strümpel. Ergun Lümalinahm als ehrenamtliches Vorstandsmitglied und Erich Klemm als Mitglied desBeirats der IG Metall am Gewerkschaftstag teil.Die monatliche Zeitungfür Mitglieder kostenlosund frei HausIn dieser BRENNPUNKTAusgabe finden Siewieder unserenbeliebten Kalender.BenefizkonzertHeinz Rudolf Kunze liveBenefizkonzert fürHospiz LeonbergFreitag 13. Dezember 201320 Uhr Stadhalle LeonbergSeiten Themen4-5 Zukunft des Standorts6 Arbeit 2020 in der Autoindustrie7 Leiharbeit Unternehmen kommt zur EInsicht8-9 100 Übernahmen in RD10-13 Werkverträge und Leiharbeit14-17 Jahresrückblick 201318-19 Betriebsratswahl 201420 FWT-Zielbild21-22 Mitarbeiterbefragung Flexibilität23 Weihnachtsgeld Wo kommt es her?24-26 ProCent neue Projekte27 DKMS Leben gerettet28 FahrbörseImpressumIG Metall Verwaltungsstelle StuttgartV.i.S.d.P. Uwe Meinhardt, 1. BevollmächtigterIG Metall Stuttgart, Theodor Heuss Str. 2.D-70174 Stuttgart , Web: www.stuttgart.igm.deRedaktion:Silke ErnstFrank BüchnerChristian StöcklArthur BuckenleibCarmen SchäferDr. Jürgen WernerBrigitte BaischKontakt:Mail:Redaktion BRENNPUNKT, mler.comBRENNPUNKT3

Herausforderung Zukunftzukunft des standortswohin geht dDie Beschäftigten der Buchhaltung und des Controllings haben angesichts tiefgreifender strukturellerÄnderungen viele Fragen zur Situation und künftigen Entwicklung in ihren Bereichen. Der stellvertretendeBetriebsratsvorsitzende Ergun Lümali und der für den Bereich zuständige Betriebsrat Thomas Spohr botendeshalb die Möglichkeit zur Information und Debatte. Mit über 60 interessierten MitarbeiterInnen war dasEinstellzimmer im Gebäude 1 bis auf den letzten Platz besetzt.s Ergun Lümali“Wir brauchen Entscheidungen undInvestitionen, die Sindelfingen einehohe Stückzahl sichern.”Dem StandortSindelfingen eineZukunft geben!!!Für die Sicherung des StandortsSindelfingen bedarf es laut ErgunLümali mehr als die in der Zusi 2020erfolgreich vereinbarte Produktion derS-Klasse und aller fünf Varianten sowiedes Nachfolgers der jetzigen E-Klasse(W213).Für ihn sind dafür auch Investitionen inviele hochqualifizierte Arbeitsplätzeunbedingt erforderlich - so wie es gerade durch den bereits vereinbartenund begonnenen Ausbau des Betriebsmittel- und Werkzeugbaus realisiertwurde. Darüber hinaus müssen zusätzlich zukunftsfähige Arbeitsplätze auch4BRENNPUNKTdurch den Ausbau des Kompetenzzentrums Leichtbau entstehen.Sindelfingen höhereStückzahlen sichern!!!Dringend benötigt Sindelfingen nachder Einschätzung von Ergun Lümali Entscheidungen und Investitionen, dieSindelfingen höhere Stückzahlensichern – also den Zuschlag für neueBaureihen und Produkte. Durch höhereProduktionsstückzahlen könnten auchTätigkeiten in den indirekten Bereichengesichert werden, da die Lohnstückkosten sinken. Nur so kann Sindelfingen trotz seiner Größe auf Dauer einprofitabler Standort bleiben undBeschäftigung in verschiedenstenBereichen bieten.SharedServiceCenter HRMBesonders interessierte die Zuhörer dasThema Shared Service Center HRM. DasUnternehmen hat beschlossen, diePersonalarbeit zu zentralisieren undneu zu ordnen. Alle Prozesse sollenkünftig in drei Shared Service Centernan den Standorten Stuttgart, Wörth undbei der DGSB in Berlin – eine GmbH inOstberlin, die bereits die Buchhaltungsfunktionen übernommen hat – abgewickelt werden. Da die Einrichtung vonShared Service Centern eine Entscheidung über Unternehmensstrukturen ist,entzieht sie sich der Mitbestimmungdurch den Betriebsrat.Dezember 2013

www.daimler.igm.deHerausforderung Zukunftdie reise?Thomas Spohrt“Wir Betriebsräte werden bald für die Beschäftigten inPersonalfragen die einzigen verbliebenen Ansprechpartner vor Ortsein. Es stellt sich doch auch die Frage, warum Sindelfingen keinShared Service Center für Verwaltungsfunktionen bekommt. Damitkönnte zumindest ein Teil der bisher entfallenen Arbeitsplätzekompensiert und Perspektiven für Beschäftigung geschaffenwerden. Warum sollen z. B. Controlling-Umfänge denn in Berlin undnicht in Sindelfingen gemacht werden?“Aus dem Sindelfinger Personalbereich/Rechnungsprüfung werden im Zuge dieser Umstrukturierung bis zu 35 Kolleginnen und Kollegen ihren Job bzw. denStandort wechseln müssen. Die Bedingungen, unter denen das geschieht, hatder Gesamtbetriebsrat mit dem Unternehmen in einem Interessenausgleich/Sozialplan geregelt. Dieserorientiert sich an den Regelungen, diebisher in vergleichbaren Fällen abgeschlossen wurden.i-Punktbleibt erhalten!!!Die Einrichtung von Shared ServiceCentern bedeutet in der Praxis, dass dieBeschäftigten sich ihre Fragen selbstständig über das Mitarbeiterportal be-antworten müssen. Der Betriebsrat hatsich dafür eingesetzt, dass die Beschäftigten noch die Möglichkeit haben, sichauch am i-Punkt beraten zu tandortkennziffer 050 Hauspost B101 i-Punkt MitarbeiterTelefon:intern: 60 000extern: 49 7031- 90 - 60000Kann einem der i-Punkt nicht weiterhelfen, dann richtet man seine Fragen inZukunft an die neuen Shared ServiceCenter. Dies geschieht per Brief, Fax,Telefon oder Mail. Für fachbereichsspezifische Themen und Beratungsfälle,die in den Shared Service Centern nichtgelöst werden können, verbleiben einzelne Personalmanagerinnen und Personalmanager am Standort. Sie sindaber in der Regel nur Ansprechpartnerfür Führungskräfte.Ergun Lümali stellt klar, dass er überdiese Entwicklung überhaupt nichtglücklich ist: „Die ständige Zentralisierung von Aufgaben anonymisiert denArbeitsalltag. Der Personalbereich wirdauf das Bearbeiten von Prozessenreduziert. Menschliche Kontakte unddamit die Möglichkeit der individuellen,empathischen Fallbetrachtung werdendurch elektronische Verbindungenersetzt. Kompetenzen und Fachwissenverschwinden.“BRENNPUNKT5

Herausforderung Zukunfts Experten im Mercedes-Event-CenterDialogreihe “Herausforderung Zukunft”kommt bei Beschäftigten sehr gut an.Die Teilnehmer erlebten eine lebhafteDebatte interner und externer Expertendarüber, wie ökonomische, technologischeund gesellschaftliche Entwicklungen dieArbeit der Zukunft beeinflussen werden.Andreas Renschler, Vorstand für Produktion und Einkauf PKW und GeschäftsfeldVans, gab in einem Impulsreferat zunächsteinen Überblick über die Trends in derAutomobilbranche und die aus seiner Sichtdaraus resultierenden Anforderungen anProdukte, Produktion und Beschäftigte.Seine Thesen: Neue Wachstumsmärktekönnen nur mit einer größeren Produktvielfalt erobert werden. Volatile Märkte zwingen zu einer erhöhten Flexibilität. Ein verschärfter globaler Wettbewerb forderthöhere Effizienz. Eine weitere Internationalisierung des Unternehmens ist unausweichlich. Die deutschen Werke seien aber „globale Kompetenzzentren“ und „Rückgrat desweltweiten Produktionsverbunds“.Für nachhaltigen Erfolg seien gerade hierInvestitionen in Ergonomie, Qualifizierungund neue Technologien wichtig. Gerade fürdie deutschen Werke gelte „Wir müssen soviel besser sein, wie wir teurer sind“.Gleichzeitig machte Andreas Renschlerdeutlich, dass er darin auch große Chancenfür die Beschäftigten sieht. Ihre Fähigkeitenund Eigenverantwortung würden stärkergefragt. Außerdem könnten durch flexibleProduktionstechnologie, wie z. B. kleine,leichte Roboter, gerade ältere Beschäftigteenorm entlastet werden.Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Bauer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft undOrganisation IAO widmete sich aus Sicht derWissenschaft den relevanten globalenMegatrends bis 2050 und ihren Auswirkungen auf die Produktionsarbeit der Zukunft.6BRENNPUNKTDie Dialogreihe „Herausforderung Zukunft“ hatte mit derVeranstaltung „Arbeit 2020 in der Automobilindustrie“ einneues Highlight zu bieten.Rund 600 Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenstenBereichen des gesamten Standorts Sindelfingen sind am20.11.2013 der Einladung des Sindelfinger Betriebsrats gefolgt.Die Produktion sei nach Studien desStatistischen Bundesamtes einer der zentralen Faktoren für Wertschöpfung undBeschäftigung in Deutschland.Prof. Dr. Bauer sagte in seinem Impulsreferat größere Ausschläge der Märkte inkürzeren Abständen voraus. Dies forderevon den Unternehmen eine höhere Flexibilität und damit kürzere Reaktionszeiten, wenn sie am Markt bestehen wollen.Auch die Beschäftigten wünschen sichFlexibilität. Lebenskonzepte verändern sich,das Bedürfnis, Familie, Weiterbildung undBeruf zu vereinbaren, steigt.In diesem Spannungsfeld sieht er jedochauch große Chancen. Wenn es gelingt, denSpagat zwischen Bedürfnissen der Beschäftigten und des Unternehmens zu schaffen,winken enorme Vorteile beim „Kampf um dieTalente“, der uns, so die DemografieForschung, bevorsteht.Direkt auf die Wünsche und Ideen der Beschäftigten ging der Baden-Württembergische IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmannein. Er stellte in seinem Impulsreferat diezentralen Ergebnisse der in diesem Jahr vonder IG Metall durchgeführten Beschäftigtenbefragung: „Arbeit sicher und fair“ vor.Die Befragung zeige, dass die Beschäftigten Flexibilität nicht grundsätzlich ablehnen. Allerdings gelte: Wenn sie Flexibilitätanbieten, dann möchten sie auch ihrerseitsihre Arbeitszeit flexibel gestalten können:Ein Drittel der Beschäftigten würde gernezeitweise – sofern es die Arbeit ermöglicht von zu Hause arbeiten. 80 % der Befragten –und damit die große Mehrheit – würdegerne die Arbeitszeit vorübergehend absenken, um z. B. Kinder und Pflegefälle betreuenzu können.Die wachsenden Anforderungen an dieEinsatzflexibilität der Beschäftigten stündenlaut Hofmann im Widerspruch zur Erkenntnisaus der Befragung, dass sich nicht einmaljeder zweite Beschäftigte vom Vorgesetztenund vom Betrieb in der beruflichen Entwicklung unterstützt sieht.Jörg Hofmann plädierte für eine Verbesserung der Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, um die Belegschaft fit fürzukünftige Anforderungen zu machen undihnen auch persönlich Perspektiven zu eröffnen.Im Anschluss an die Impulsreferate folgtedie Podiumsdiskussion. Die drei Rednersowie der Betriebsratsvorsitzende ErichKlemm stellten sich den Fragen von UschiGötz und denen des Publikums.Dezember 2013

www.daimler.igm.deAktuellKlare VerhältnisseUnternehmen kommt zur Einsicht.1400 Werkverträge in Leiharbeit gewandelt.Wir möchten an dieser Stelle ganz herzlich1400 neue Leiharbeiter am Standort Sindelfingen begrüßen. Dabei handelt es sichin der Mehrzahl um Fremdarbeitskräfte(FAK) in der Forschung und Entwicklungsowie IT, die nun in LeiharbeitnehmerInnen/ANÜs umgewandelt werden. 600Wandlungen sind schon unterschriebenund weitere 800 angekündigt.Nach der SWR-Reportage über „Hungerlöhne am Fließband“ und verlorenen Gerichtsverfahren wegen illegaler Arbeitnehmerüberlassung ist der öffentlicheDruck auf das Unternehmen, für geordnete Verhältnisse zu sorgen, erheblichgestiegen. Der Gesamtbetriebsrat wollteim Herbst dazu Regelungen mit der Unternehmensleitung treffen – die Verhandlungen scheiterten allerdings. Der Vorstandverließ den Verhandlungstisch und ver-öffentlichte einseitig eine Sozialcharta fürWerkvertragsfirmen, die der Gesamtbetriebsrat nicht akzeptiert (siehe Seiten 12-13).Daraufhin erklärten das Unternehmen undder Betriebsrat öffentlich, die Werkverträge im Unternehmen einer sehr sorgfältigen Prüfung auf Rechtmäßigkeit zuunterziehen.Das Unternehmen begibt sich mit denWandlungen von FAK in Leiharbeit auf dierechtlich sichere Seite. „Der Druck desBetriebsrats hat nicht unmerklich zurEinschätzung des Unternehmens beigetragen, dass diese Werkverträge auf Dauernicht haltbar sind,“ so Erich Klemm,Betriebsratsvorsitzender am StandortSindelfingen, gegenüber der Presse.Aus Sicht des Betriebsrats bleibt das eigentliche Ziel natürlich die Festeinstellungder Menschen, die bei Daimler arbeiten.Die Wandlung von Werkverträgen inArbeitnehmerüberlassungen ist aber einSchritt in die richtige Richtung und verbessert die Situation der 1400 Beschäftigten.Als ANÜs bzw. LeiharbeitnehmerInnenfallen die Betroffenen jetzt unter dieMitbestimmung des Betriebsrats, sieerhalten die tariflich vereinbarten Branchenzuschläge und für sie gilt das imTarifvertrag Leih-/Zeitarbeit verankerteÜbernahmeverfahren. Demnach muss in18 Monaten nun überprüft werden, ob siegemäß Tarifvertrag fest eingestellt werdenmüssen. Ist dies der Fall, erhalten dieBetroffenen nach insgesamt 24 MonatenLaufzeit ihres Vertrags ein Angebot aufeinen Festvertrag – so wie es nach einerÜberprüfung in RD gerade in 100 Fällenentschieden wurde (siehe Seiten 8-9).Klare AntwortenErich Klemm zur aktuellen SituationBRENNPUNKT: Bei Daimler in Sindelfingen sind jetzt 1400 Werkverträgler aufLeiharbeiter umgestellt worden – warumist das für die Beschäftigten besser?Erich Klemm: Sie fallen als Leiharbeitnehmer unter die Mitbestimmung desBetriebsrats. Sie werden nächstes Jahrden Betriebsrat mitwählen und wir könnenuns für ihre Interessen einsetzen. Außerdem gelten für sie Tarifverträge der IGMetall, die Bedingungen der Leiharbeitregeln. So haben sie jetzt Anspruch auf diefür die Metall- und Elektroindustrie vereinbarten Branchenzuschläge. Auch gilt fürsie jetzt der Übernahmeprozess, der imTarifvertrag zur Leih- und Zeitarbeit festgeschrieben ist. Dafür sind wir im letztenJahr auf die Straße gegangen. Nun will ichaber kein Loblied auf die Leiharbeitanstimmen, unser eigentliches Ziel ist undbleibt die Festeinstellung der Kolleginnenund Kollegen. Die Wandlungen sind lediglich ein Schritt in die richtige Richtung.IG Metall-Betriebsrat SindelfingenBRENNPUNKT: Welchen Anlass gab esjetzt für diese Wandlungen?Stelle erhalten. Auf welcher Grundlagekonnte das durchgesetzt werden?Erich Klemm: Wir wollten im letzten Herbstmit dem Unternehmen saubere Regelungen zu prekärer Beschäftigung bei Daimlertreffen. Diese Verhandlungen sind jabekanntermaßen gescheitert, weil wir unsnicht auf eine gemeinsame Sozialchartafür Werkvertragsfirmen einigen konnten.Seitdem machen wir Betriebsräte nochstärker Druck auf die Überprüfung derRechtmäßigkeit der Werkverträge. Außerdem hat das Unternehmen Gerichtsverfahren, bei denen Beschäftigte im Werkvertrag auf illegale Arbeitnehmerüberlassung geklagt haben, verloren. Mit denWandlungen geht jetzt das Unternehmenauf die rechtlich sichere Seite.Erich Klemm: Das konnten wir durchsetzen, weil wir konsequent den Tarifvertragzur Leih- und Zeitarbeit anwenden. Unteranderem wollten wir im Herbst ja denÜbernahmeprozess für Leiharbeitnehmermit dem Unternehmen ordentlich regeln.Dabei sollte zum Beispiel auch beschrieben werden, wie sich ihre Vergütungentwickelt. Nachdem die Verhandlungenüber das gesamte Paket gescheitert sind,wenden wir nun den Tarifvertrag an undüberprüfen in den Werken sehr genau, wieviele Leiharbeitnehmer schon 18 Monatebei uns arbeiten. Ihnen muss dann nach24 Monaten ein Angebot auf Festeinstellung gemacht werden.BRENNPUNKT: Mit dem Unternehmenwurde vereinbart, dass 100 von rund 350Leiharbeitern im Bereich Forschung undEntwicklung in Sindelfingen eine festeWeitere spannende Fragen und Antwortenrund um das Thema Umwandlung aufLeiharbeit finden sie im Internetwww.daimler.igm.deBRENNPUNKT7

[email protected] RothMonika Tielsch“Das ist nicht nur ein Erfolg für den Betriebsrat und die100 Menschen, die nun einen festen Arbeitsvertragerhalten. Es ist vor allem ein Erfolg für die IG Metallund all jene, die im Jahr 2012 auf die Straße gegangen sind, um diesen Tarifvertrag zu erstreiten. Ohnediese Grundlage hätte das Unternehmen keineneinzigen Leiharbeitnehmer in RD übernommen. Esbedarf aber genau solcher Vereinbarungen, umprekäre Beschäftigung zurückzudrängen und dieStammbelegschaft zu schützen.Auf Grundlage des Tarifvertrags zur Leih- /Zeitarbeit (TV LeiZ) der IG Metallhat der Betriebsrat mit dem Unternehmen vereinbart, dass von den rund 350Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung (ANÜs) in RD 100 fest imUnternehmen eingestellt werden müssen.100 überDer Tarifvertrag LeiZ sieht vor, dass nach18 Monaten Laufzeit eine Überprüfungvorgenommen werden muss, ob demLeiharbeitnehmer ein unbefristeter Arbeitsvertrag angeboten werden kann.Dadurch soll verhindert werden, dassUnternehmen Stammarbeitsplätzedurch Leih- und Zeitarbeit ersetzen.Diese Frist lief am 20. November 2013aus. Zu diesem Zeitpunkt waren 107ANÜs (Leiharbeiter) in RD bereits 18Monate und länger im Unternehmenbeschäftigt. Daher war das Unternehmen gezwungen, mit dem Betriebsrat inVerhandlungen über eine unbefristeteÜbernahme dieser Kolleginnen undKollegen zu treten. Im Produktionsbereich gilt nach wie vor die Betriebsvereinbarung zu Leiharbeit in den direk8BRENNPUNKTten Bereichen, damit findet hier der TVLeiZ keine Anwendung.Harte VerhandlungenDer Betriebsrat hatte in den Verhandlungen auf die Übernahme aller 107Beschäftigten in Arbeitnehmerüberlassung bestanden. Dies lehnte dasUnternehmen ab. Erst nach harten Verhandlungen konnte mit der Unternehmensleitung vereinbart werden, dass100 ANÜs einen festen Arbeitsvertragerhalten werden. Das Unternehmenforderte, dass die Auswahl aus demgesamten Pool der 350 ANÜs zu treffenist, die zum 01.10.13 in RD beschäftigtwaren. Der nun getroffene Kompromisssieht vor, dass die Kriterien für die Übernahme der ANÜs der Bedarf, die Qualifikation und die Einsatzdauer sind. Diedanach ausgewählten 100 ANÜs erhalten gemäß Tarifvertrag ein Angebot aufAbschluss eines unbefristeten Arbeitsvertrags bis zum 31.03.2014. DieEinstellung/Übernahme muss dann biszum 30.06.2014 erfolgen.Monika Tielsch tHelmut Roth gutvorbereitet zu denVerhandlungen.Dezember 2013

www.daimler.igm.deAktuellHelmut Roth,Vorsitzender des Personalausschusses desBetriebsrats am StandortSindelfingenMonika men in rd!““Dies ist ein erster wichtiger Schritt zurRegelung der Leiharbeit in RD. Damitist ein Beitrag dazu geleistet worden,dass Stammarbeitsplätze nichteinfach schleichend verschwinden unddas erarbeitete Know-how derKollegen auch weiterhin imUnternehmen bleibt. Danke auch andie IG Metall und die Kolleginnen undKollegen, die dafür gekämpft haben.Ohne diesen Einsatz hätten wirAlexander Kozun bestimmt keinen Tarifvertrag, derRD/PTD Leiharbeit regelt.Markus GützlaffRD/FCAIG Metall-Betriebsrat SindelfingenIch bin der Meinung, dass die Übernahme der 100 ANÜs der ersteSchritt in die richtige Richtung ist.Aber es muss auf jeden Fall nochnachgebessert werden. Es ist eineZumutung, was die Geschäftsleitung hier mit den Beschäftigtenund den ANÜs macht. Schließlichsind wir hier alle Menschen undhaben Familien zu Hause. So solltedas Unternehmen auch mit denANÜs umgehen und sie nicht wieHelmut Holzknecht bisher wie eine Ware behandeln,RD/OTD die es überall zu kaufen gibt.Leiharbeit kann dazu benutzt werden, um Auftragsspitzen abzufangen.Damit habe ich kein Problem. Was aber nicht sein kann, ist so zu tun, alshätte man immer eine Auftragsspitze zu bewältigen. Dann hat maneinfach zu wenig Personal. Gut, dass der Tarifvertrag hier einen Riegelvorschiebt und den Missbrauch des Instruments Leiharbeit verhindert.BRENNPUNKT9

PortalcodeLeiharbeit und Werkverträ[email protected] ist eigentlich.?leiharbeit und werkverträgeDie Arbeitswelt steckt mitten im Wandel. Leiharbeit und Werkverträge sind mittlerweile auch bei DAIMLER allgegenwärtig.Nach den gescheiterten Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat und Vorstand finden nun die tariflichen Regelungen zurLeiharbeit Anwendung. Die Betriebsräte aller Standorte werden sehr genau darauf achten, dass diese vom Unternehmennicht umgangen werden. Anlass genug, sich über die Abgrenzung von Leiharbeit zu Dienst- und Werkverträgen auf denneuesten Stand zu bringen.Warum lassenUnternehmen Leistungenüber Werkverträge bzw. lt u.a. Dauer der Überlassungund Höhe derÜberlassungsvergütungEin Grund ist, dass die Verantwortung fürdie Leistungserbringung und für dieBeschäftigten, die die Leistung erbringen, auf die „Fremdfirma“ übergebenwird. Das unternehmerische Risiko fürden „Auftraggeber“ oder „Entleiher“ (inunserem Fall Daimler) wird dadurch sehrgering g desLeiharbeitnehmers nachWeisung desEntleihers kein harbeiter/ArbeitnehmerüberlassungenBei der Leiharbeit werden Arbeitnehmervon einer Fremdfirma (Verleiher) auf vertraglicher Basis an ein Unternehmen(Entleiher) verliehen. Sie dürfen nur vorübergehend an einen Entleihbetriebüberlassen werden und gegenüberStammarbeitnehmern bei betrieblichenRegelungen – außer bei der Bezahlung –nicht benachteiligt werden. Die Bezahlung ist bei einigen Firmen - z. B. inder Produktion bei Daimler - durch eineBetriebsvereinbarung geregelt, die füreine Fast-Gleichstellung sorgt. Die meisten Betriebsvereinbarungen gelten fürdie Leiharbeitnehmer. Ebenso dieMitbestimmungsrechte des Betriebsrates des ttttttMerkmale für Leiharbeit:ScheinwerkverträgeDie Auswahl der Leiharbeiter erfolgtdurch den Entleiher.Das Weisungsrecht der Leiharbeiterliegt bei den Vorgesetzten derEntleihfirma.Das Arbeitsmaterial wird ihnen vonder Entleihfirma zur Verfügunggestellt.Sie benutzen die Zeiterfassung derEntleihfirma.Die Vergütung erfolgt nachStundensätzen.Den Einsatzort bestimmt derVorgesetzte der Entleihfirma.Der Betriebsrat des Entleihers hatein Mitbestimmungsrecht bei derEinstellung von Leiharbeitnehmern.Von Scheinwerkverträgen wird gesprochen, wenn Tätigkeiten zwar mittelsWerkverträgen an ein anderes Unternehmen ausgelagert werden, die Tätigkeit an sich aber Merkmale einer Arbeitnehmerüberlassung hat. Entscheidendist dabei nicht nur der Inhalt bzw. derWortlaut, sondern die tatsächlicheAusgestaltung der Rechtsbeziehung.Beispiel:Wenn ein Fremdfirmenmitarbeiter dieStempeluhr der Einsatzfirma benutzt undvon einem Vorgesetzen der EinsatzfirmaAnweisungen erhält, wird es sich vermutlich um einen Scheinwerkvertrag handeln.Dezember 2013

www.daimler.igm.deInteressierte Zuhörer tIG Metall Betriebsräte folgen gespannt denAusführungen von Dieter Stang,IG Metall-Arbeitsrechtler, zum ThemaWerk-und DienstverträgeDie Einsatzfirma spart in diesem FallSozialversicherungsbeiträge; die Fremdfirma trägt sämtliche Risiken (z. B. Krankheit, Mutterschutz).Ch

zur Leih-/Zeitarbeit Betriebsratswahl 2014 19 Jahresrückblick 10-14 Die IG Metall-Liste steht! 106 MetallerInnen aus allen Bereichen treten an. www.daimler.igm.de Informationen für die Beschäftigten der Daimler AG am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen Wir wünschen allen unseren