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Forschungsbericht 2020Berichtszeitraum 2017 – 2019Gesundheit fördern –Lebensqualität schaffen!

Forschungsbericht 2020Berichtszeitraum 2017 – 2019

ImpressumImpressumHerausgeber:m&i-Klinikgruppe EnzensbergHöhenstr. 5687629 Hopfen am Seewww.enzensberg.deKonzeption und Redaktion:Dr. phil. Ingo Haase, Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherungm&i-Klinikgruppe EnzensbergLektorat:Dr. phil. Heike Otto-Haasem&i-Klinikgruppe EnzensbergGestaltung und Satz:René Brandmayer, Abt. Kommunikationm&i-Klinikgruppe EnzensbergAuflage:1.000Bildrechte:Titelbild istockphoto.com/EraxionS. 20 Dr. MüllerS. 30 – 32 Prof. Hertrich, Prof. AckermannS. 34 Nordbayerische NachrichtenS. 63 von Ardenne Institut für Angewandte Medizinische Forschung GmbHS. 65 Inspire Medical Systems, Inc. 2017S. 74 icfPROreha, LMU München m&i-Klinikgruppe Enzensberg, Hopfen am See, Mai 20202

InhaltInhaltVorwort . 71.Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen . 92.Abgeschlossene Forschungsprojekte . 132.1 Orthopädie/Schmerztherapie . 142.2 Neurologie . 292.3 Innere Medizin . 402.4 Geriatrie . 432.5 Psychosomatik . 462.6 Physiotherapie . 562.7 Beteiligung an Multicenterstudien . 583.Laufende Forschungsprojekte . 613.1 Orthopädie/Rheumatologie . 623.2 Neurologie . 653.3 Innere Medizin . 673.4 Psychosomatik . 703.5 Beteiligung an Multicenterstudien . 734.Mitarbeit in Gremien, wissenschaftlichen Fachgesellschaften undKommissionen sowie in Fachzeitschriften . 754.1 Mitarbeit in wissenschaftlichen Fachgesellschaften . 764.2 Herausgabe von und Mitarbeit bei Zeitschriften . 794.3 Mitarbeit bei der Entwicklung von Leitlinien und Therapiestandards . 805.Veranstaltungen . 815.1 Veranstaltungen der m&i-Fachkliniken . 825.2 Tagungsleitung . 845.3 Vorlesungen/Seminare/Lehre . 856.Publikationen . 876.1 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und Büchern . 886.2 Kurzveröffentlichungen, Tagungsbeiträge und eingeladene Vorträge (Auswahl) . 937.Preise und Auszeichnungen . 998.Reha-Forschungspreis der DGOU . 103Namensverzeichnis . 1073

m&i-Klinikgruppe SENANHALTBerlinBERLINFachklinikBad PyrmontNORDRHEIN-WESTFALENParkland-KlinikBad WildungenFachklinikBad furt Baden-WürttembergFachklinikenHohenurachBad UrachBAYERNGesundheitszentrumProVita AugsburgFachklinikIchenhausenFachklinik EnzensbergHopfen am SeeFachklinikBad HeilbrunnStandorte m&i-Klinikgruppe Enzensberg4

m&i-Klinikgruppe Enzensbergm&i-Fachklinik Enzensbergm&i-Fachklinik Bad LiebensteinHöhenstraße 56Kurpromenade 287629 Hopfen am See/Füssen36448 Bad LiebensteinTelefon 08362 12-0Telefon 036961 achklinik-bad-liebenstein.dem&i-Fachklinik Bad Heilbrunnm&i-Fachklinik Bad PyrmontWörnerweg 30Auf der Schanze 383670 Bad Heilbrunn31812 Bad PyrmontTelefon 08046 18-0Telefon 05281 ww.fachklinik-bad-pyrmont.dem&i-Fachkliniken Hohenurachm&i-Parkland-KlinikImmanuel-Kant-Straße 33Im Kreuzfeld 672574 Bad Urach34537 Bad Wildungen-ReinhardshausenTelefon 07125 151-01Telefon 05621 d-klinik.dem&i-Fachklinik IchenhausenGesundheitszentrum ProVitaKrumbacher Straße 45Haunstetter Straße 11289335 Ichenhausen86161 AugsburgTelefon 08223 99-0Telefon 0821 www.gesundheitszentrum-provita.dem&i-Fachklinik HerzogenaurachIn der Reuth 191074 HerzogenaurachTelefon 09132 k-herzogenaurach.de5

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VorwortVorwortForschungstätigkeit mit eigenen Untersuchungen und im Rahmen von Kooperationen gibt es in derm&i-Klinikgruppe Enzensberg seit vielen Jahren auf diversen Gebieten. Im nun vorliegenden sechstenForschungsbericht unserer Klinikgruppe sind die Forschungsaktivitäten der Jahre 2017 bis 2019 zusammengefasst. Das Themenspektrum ist wiederum breit gefächert und reicht von der Erforschung neuronaler Mechanismen der Sprachwahrnehmung bis hin zu Forschungsprojekten für innovative Bereiche,wie Ganzkörperhyperthermie in der rheumatologischen Reha oder Atemwegsstimulation für Patientenmit mittelschwerer bis schwerer obstruktiver Schlafapnoe. Einen Schwerpunkt bilden erneut praxisorientierte wissenschaftliche Untersuchungen zur Ergebnisqualität, die einen unmittelbaren Bezug zurQualitätssicherung aufweisen.Von der nach wie vor großen Bedeutung der Forschung in der m&i-Klinikgruppe Enzensberg zeugen23 laufende oder in letzter Zeit abgeschlossene Forschungsprojekte unterschiedlichster Thematik undGrößenordnung. Die Ergebnisse der Projektarbeit finden ihren Niederschlag in zahlreichen wissenschaftlichen Berichten, Publikationen, Kongressbeiträgen, Lehrveranstaltungen und Fortbildungen. In jedemFall erweitert die wissenschaftliche Arbeit das Wissen über Versorgungs-, Behandlungs- und Nachsorgekonzepte für die Patienten.Auch an Multicenterstudien beteiligen sich immer wieder Kliniken und Abteilungen der m&i-Klinikgruppe Enzensberg und unterstützen damit universitäre Forschung. So untersuchte das an der Klinikfür Neurologie des Universitätsklinikums Münster angesiedelte Projekt „Von der kontrollierten experimentellen Studie zur Alltagskommunikation: Wie wirksam ist intensive Aphasietherapie unter regulären klinischen Bedingungen?“ unter Beteiligung der Neurologischen Abteilungen der m&i-FachklinikenEnzensberg, Herzogenaurach und Bad Liebenstein die Wirksamkeit von Sprachtherapie bei Menschenmit chronischen Aphasien. Die Hauptpublikation dieser Studie ist im April 2017 unter der Co-Autorenschaft von Mitarbeitern der m&i-Klinikgruppe Enzensberg, in der renommierten Fachzeitschrift „TheLancet“ erschienen.Die einzelnen Forschungsprojekte sind in den Kapiteln 2 und 3 nach Fachbereichen gegliedert dargestellt. Die Reihenfolge, in der die Projekte innerhalb der jeweiligen Abschnitte aufgelistet sind, erfolgtchronologisch nach den Daten des (voraussichtlichen) Projektabschlusses.Unser Dank gilt allen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für das tagtägliche und sehr erfolgreiche Bemühen, die Qualität unserer Arbeit weiter zu verbessern – nicht selten auf der Basis eigenerForschungsaktivitäten.Heinz DahlhausEtzel WalleDr. Ingo eiter Forschung und QS7

Kapitel 1Zusammenarbeit mit Universitäten

Zusammenarbeit mit Universitäten1. Zusammenarbeit mit UniversitätenPartnerschaften mit Hochschulen und Fachhochschulen auf der Basis von Kooperationsverträgen bestehen seit 1996 zwischen den m&i-Fachkliniken Hohenurach in Bad Urach und der Universität Tübingen,seit 1997 zwischen der m&i-Fachklinik Bad Liebenstein und der Universität Jena sowie zwischen derm&i-Fachklinik Herzogenaurach und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), seit2011 zwischen der m&i-Fachklinik Bad Pyrmont und der Medizinischen Hochschule Hannover, Klinikfür Immunologie und Rheumatologie.Der Kooperationsvertrag zwischen den m&i-Fachkliniken Hohenurach und dem UniversitätsklinikumTübingen wurde 2016 nach 20 Jahren erneuert. Die Zusammenarbeit soll dazu dienen, die neurologischeMedizin durch wissenschaftliche Projekte, insbesondere auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin, zu fundamentieren und fortzuentwickeln. Ferner soll durch die Kooperation die Aus-, Weiter,- und Fortbildungsowie die Krankenversorgung auf den Gebieten der Neurologie und der neurologischen Rehabilitationgefördert werden. Der leitende Neurologe der m&i-Fachkliniken Hohenurach, Prof. Dr. Hermann Ackermann, ist im Rahmen einer von der m&i-Klinikgruppe Enzensberg finanzierten Stiftungsprofessur zugleich Universitätsprofessor an der Universität Tübingen und leitet die Forschungsgruppe Neurophonetikund Translationale Neurorehabilitation. Die Projekte dieser Arbeitsgruppe befassen sich hauptsächlichmit den neuronalen Grundlagen der sprachlichen Kommunikation unter Berücksichtigung klinischerUntersuchungen, psycholinguistischer Experimente und bildgebend-neurowissenschaftlicher Studien.Der Kooperationsvertrag der Universität Jena mit der m&i-Fachklinik Bad Liebenstein bildet die Grundlage für eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Physikalischen und Rehabilitativen Medizin. Seit 2002bilden Fachklinik und Universität im Verbund entsprechende Fachärzte aus. Darüber hinaus besteht eineKooperation mit der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) Frankfurt am Main.Breit gestreut ist die Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Fakultät der Friedrich-AlexanderUniversität Erlangen-Nürnberg und der m&i-Fachklinik Herzogenaurach. Sie umfasst die Gebiete Orthopädie, Rheumatologie, Traumatologie, Neurologie, Neurochirurgie und Kardiologie. Neben der Fundamentierung und Fortentwicklung der Rehabilitationsmedizin soll die Krankenversorgung, die Forschungsowie die Aus-, Weiter- und Fortbildung in den genannten Gebieten gefördert werden.Eine besonders enge wissenschaftliche Zusammenarbeit der Abteilung Neurologie in Forschung und Lehre (gemeinsame Projekte, Diplomarbeiten, Lehr- und Unterrichtstätigkeit) besteht mit dem Neuromuskulären Zentrum, dem Zentrum Medizinische Versorgungsforschung (Prof. Dr. med. Elmar Gräßel) unddem Department für Sportwissenschaften und Sport der FAU Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Klaus Pfeiffer).Seit dem Wintersemester 2008/2009 läuft in diesem Rahmen ein interdisziplinärer Studiengang „PhysicalActivity and Health“ nach europäischem Recht. Darüber hinaus bestehen Vertragsbeziehungen zu deman der Universität Nürnberg angesiedelten Weiterbildungsinstitut für Psychologische Psychotherapeuten(Kooperation mit den Universitäten Bamberg, Erlangen-Nürnberg und Würzburg).Seit 2011 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen der m&i-Fachklinik Bad Pyrmont und der Klinik fürImmunologie und Rheumatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Primäre Ziele derKooperation sind wissenschaftliche Fundierung, Weiterentwicklung und Evaluation von Behandlungskonzepten, Diagnostik- und Therapieverfahren sowie ein enger fachlich-wissenschaftlicher Austausch.10

Zusammenarbeit mit UniversitätenDie m&i-Parkland-Klinik in Bad Wildungen arbeitet wissenschaftlich mit der Spezialambulanz für Familientherapie und Essstörungen der Universität Göttingen (Prof. Dr. Günter Reich), mit der MedizinischenUniversität Wien (Prof. Dr. Andreas Karwautz) und mit dem Universitätsklinikum Gießen (Prof. Dr. Johannes Kruse) zusammen. Darüber hinaus sind das Institut für Psychotherapie-Ausbildung der Universität Marburg, das Institut für Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin der Universität Marburg undder Fachbereich Psychologie (Postgraduiertenprogramm klinische Psychologie/Verhaltenstherapie) derUniversität Gießen – neben weiteren nichtuniversitären Instituten – Partner der Parkland-Klinik in derAusbildung psychologischer und ärztlicher Psychotherapeuten.11

Kapitel 2Abgeschlossene Forschungsprojekte.132.1 Orthopädie/Schmerztherapie . 142.2 Neurologie . 292.3 Innere Medizin . 402.4 Geriatrie . 432.5 Psychosomatik . 462.6 Physiotherapie . 562.7 Beteiligung an Multicenterstudien . 58

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/Schmerztherapie2. Abgeschlossene Forschungsprojekte2.1 Orthopädie/SchmerztherapieEffektivität der Thermoablation der Facettengelenke zur Behandlung vonchronischen SchmerzenProjektteamDr. med. Günter Baumgärtner (1)Dr. med. Thomas Fett (1)Dr. phil. Ingo Haase (2)Beteiligte Einrichtungen(1) m&i-Fachklinik Ichenhausen, Abt. Orthopädie/Schmerztherapie(2) m&i-Klinikgruppe Enzensberg, Forschung, Entwicklung und QualitätssicherungFörderunginternLaufzeit11/2015 bis 12/2017Hintergrund und FragestellungGegenwärtig wird davon ausgegangen, dass die lumbalen Facettengelenke bzw. ein Facettengelenkssyndrom in 10 bis 41 Prozent der Fälle primär ursächlich für chronische Kreuzschmerzen sind. Die Behandlung identifizierter Facettengelenkssyndrome mit Thermoablation bzw. Radiofrequenztherapie hat zumZiel, das betreffende Wirbelgelenk zu denervieren und dadurch eine längerfristige Schmerzfreiheit zubewirken. Zur Beantwortung der Frage nach der Nachhaltigkeit des Erfolges einer solchen Behandlungam sogenannten Medial Branch der Facettengelenke L4/5 und L5/S1 hinsichtlich der Entwicklung vonSchmerz, Beeinträchtigungen durch den Schmerz und körperlicher Funktionsfähigkeit untersuchten wirein Kollektiv von 65 Patienten.MethodikRekrutiert wurden Patienten der Abteilung Orthopädie/Schmerztherapie der m&i-Fachklinik Ichenhausen mit chronischen Schmerzen höherer Chronifizierungsstadien (Gerbershagen II und III), die aus derGesamtzahl aller testinfiltrierten Schmerzpatienten der Abteilung über einen Zeitraum von 14 Monatenrekrutiert wurden, sofern keine Kontraindikationen zur Radiofrequenztherapie vorlagen. Im Rahmeneiner Verlaufsbeobachtung mit vier Messzeitpunkten (Aufnahme, 3, 6 und 12 Monate nach der Behandlung) erfolgte eine schriftliche Befragung auf der Basis etablierter Instrumente, insbesondere numerischerRating-Skalen (NRS) und des Funktionsfragebogens Hannover (FFbH-R).14

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/SchmerztherapieErgebnisseFür die Auswertungen konnten weitgehend vollständige Datensätze von 65 Patienten herangezogen werden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug im Mittel 54 Jahre, Frauen waren mit einem Anteil von57 Prozent häufiger vertreten als Männer. Der Body-Mass-Index (BMI) betrug bei den Männern im Durchschnitt 28,6 bei einer Standardabweichung von 3,9 und bei den Frauen 29,6 (SD 7,2). Den Patientendes Studienkollektivs wurde in der Regel die ICD-10-Diagnose M51.1 (lumbale und sonstige Bandscheibenschäden mit Radikulopathie) zugewiesen.Die Schmerzstärke verringerte sich im Median von 6,0 (IQR 2,6) am Beginn der Behandlung auf 3,5Punkte (IQR 3,8) nach drei Monaten und 3,8 Punkte nach sechs und zwölf Monaten (IQR 3,4 bzw.4,0). Dies entspricht zu allen Nachbeobachtungszeitpunkten einem signifikanten Ergebnis (p 0,001)und einem großen Effekt. Die durchschnittliche prozentuale Schmerzreduktion lag nach drei Monaten bei 42 Prozent, nach sechs Monaten bei37 Prozent und nach 12 Monaten bei 36 Pro-10zent. Bei 65 Prozent der Patienten gelang einebei chronischen Schmerzpatienten als klinischBeeinträchtigung (0 keine)8bedeutsam geltende Verringerung der Schmer6zen um mindestens 30 Prozent zum Zeitpunkt5,3nach drei Monaten. Nach sechs Monaten ver-4zeichneten 55 Prozent ein klinisch relevantes3,63,0Behandlungsergebnis, nach 12 Monaten wa-3,0ren es 53 Prozent.2Ebenfalls signifikant verringerten sich die kör0perlichen und psychosozialen BeeinträchtiBehandlungsbeginnnach 3 Monatennach 6 MonatenMesszeitpunktenach 12 Monatengungen durch die Schmerzen (Abbildung 1),Abb. 1: Veränderung der Beeinträchtigung durch die Schmerzenwährend sich die Funktionskapazität signifikant verbesserte (Abbildung 2).Ein Patient musste innerhalb der ersten sechs100Monate nach Entlassung wegen Rückenschmerzen operiert werden (dreimal fehltenFFbH-R (100 max. Funktion)8066,768,8entsprechende Angaben), dieser und drei wei-66,7tere Patienten wurden im zweiten Halbjahr60nach Ende der nicht operativen Behandlung50,0erneut bzw. erstmals operiert (21 fehlende An-40gaben).Seite 120Der Anteil der wegen Rückenschmerzen arbeitsunfähigen Patienten sank von 41 Prozent(von 37 erwerbstätigen Patienten) vor der Be-0Behandlungsbeginnnach 3 Monatennach 6 MonatenMesszeitpunktenach 12 MonatenAbb. 2: Veränderung der körperlichen Funktionskapazitäthandlung auf 15 Prozent nach drei Monaten,zehn Prozent (drei Fälle) nach sechs Monatenund 5 Prozent (ein Fall) nach einem Jahr.15

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/SchmerztherapieSchlussfolgerungDer mittel- bis langfristige Effekt der thermoablativen Neurotomie des Medial Branch, der in der Vergangenheit bereits ausführlich beschrieben wurde, konnte hier auch in einem sehr komplexen Patientenfeldmit länger persistierenden Schmerzen erneut bestätigt werden. Damit wird die Empfehlung der S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz, dass die perkutane Neurotomie bei Patienten mit einem persistierendenFacettensyndrom erwogen werden kann, durch die hier beschriebenen Daten gestützt.PublikationFett T, Haase I, Baumgärtner G: Thermoablation der Facettengelenke zur Behandlung von chronischenSchmerzen der Chronifizierungsstadien II und III. OUP 8 (2019): 43–4716

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/SchmerztherapieVergleich von täglich aktueller und wöchentlich retrospektiverSchmerzmessung bei Patienten mit chronischen SchmerzenProjektteamDr. phil. Ingo Haase (1)Anneliese Braun (2)Beteiligte Einrichtungen(1) m&i-Klinikgruppe Enzensberg, Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung(2) m&i-Fachklinik Enzensberg, Interdisziplinäres SchmerzzentrumFörderunginternLaufzeit1/2017 bis 12/2017FragestellungSelbsteinschätzungen der Schmerzstärke mittels visueller Analogskalen (VAS), numerischer (NRS) oderverbaler Ratingskalen (VRS) sind weit verbreitet in Forschung und klinischer Praxis orthopädischer undmultimodaler Schmerztherapie. Der Gebrauch von Schmerzskalen, die sich auf einen vergangenen Zeitraum beziehen (häufig die letzten sieben Tage), basiert dabei auf der Annahme, dass sich die Patientenan ihren „durchschnittlichen“, „größten“ und „geringsten“ Schmerz genau erinnern. Die Validität solcher Erinnerungsratings ist allerdings noch nicht ausreichend untersucht worden und die vorliegendenAnalysen liefern kein eindeutiges Bild. Diese Studie beschäftigt sich deshalb mit der Validität von numerischen Schmerzratingskalen (NRS), die sich auf einen vergangenen Zeitraum (hier: die letzten 7 Tage)beziehen. Als Referenz dienen täglich aktuelle Angaben aus einem Schmerztagebuch.MethodikDie durchschnittliche aktuelle Schmerzstärke wurde als Mittel aus 4 Messungen pro Tag über einen Verlauf von 7 Tagen (Schmerztagebuch) berechnet. Im Anschluss wurden der größte, geringste und durchschnittliche Schmerz während der letzten Woche sowie der momentane Schmerz erfragt (Schmerzfragebogen). Durchschnittliche aktuelle und retrospektive Angaben wurden dahingehend untersucht, ob esNiveauunterschiede zwischen den retrospektiven Ratings und den durchschnittlichen Tagebuchangabengibt und ob ein Zusammenhang zwischen den retrospektiven und den aktuellen Angaben zur Schmerzintensität vorliegt. Die statistischen Analysen dazu umfassen deskriptive Statistiken (Mittelwert, Standardabweichung) und Korrelationsanalysen (Intra-Klassen-Korrelation, kurz: ICC).ErgebnisseDie retrospektiv eingeschätzten durchschnittlichen, größten und geringsten Schmerzen fallen durchweghöher aus als die entsprechenden Werte der täglich aktuell gemessenen Schmerzen. Der momentaneSchmerz (zum Zeitpunkt der Befragung) bildet den täglich aktuell gemessenen Schmerz besser ab (ICC .887) als retrospektive Einzelmessungen (siehe Abbildung). Zusammengesetzte Ratings erreichen einehöhere Validität als Einzelratings. Den höchsten ICC-Wert erreicht die Kombination aus durchschnitt-17

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/Schmerztherapielichem, geringstem und momentanem10SchlussfolgerungDie hohen Korrelationen zwischen Fragebogen- und Tagebuchangaben sprechen für die Validität von retrospektivenSchmerzabfragen. Allerdings beeinflusstder aktuelle Status die Veränderungswahrnehmung. So verbessern sich dieSchmerzstärke (Mittelwert - 1 SD)Schmerz (ICC .911).8647,15,34,84,73,42zusammengesetzten Erinnerungsratingsjeweils durch die Hinzunahme des momentanen Schmerzes. Die Kombinationaus retrospektiv erfragten durchschnittlichen, geringsten und hnittlicher Schmerz retro.geringster Schmerz retro.Mittel Tagebuchgrößter Schmerz retro.momentaner Schmerz Entl.SchmerzmessungenFragebogen- und gemittelte Tagebuchangaben im Vergleich (N 96)Schmerzen gemäß Tagebucheintragungen am besten ab. Die Abfrage des größten Schmerzes scheint dagegen verzichtbar zu sein – soweit es sichnicht um spezielle Krankheitsbilder mit langen schmerzfreien Phasen handelt, bei denen eine Durchschnittswertbildung weniger sinnvoll ist.Publikationin ArbeitSeite 118

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/SchmerztherapieAnforderungen an Einrichtungen der Phase C der Traumarehabilitation –überregionale Traumarehabilitationszentren in der postakuten RehabilitationProjektteamDr. med. Stefan Simmel (1)Dr. med. Wolf-Dieter Müller (2)Dr. med. Hartmut Bork (3)Dr. med. Rainer Eckhardt (4)Rolf Keppeler (5)Prof. Dr. med. Christian Alexander Kühne (6)Prof. Dr. med. Gert Krischak (7)Beteiligte Einrichtungen(1) Abteilung für BG-Rehabilitation, BG Unfallklinik Murnau(2) Abteilung Orthopädie/Unfallchirurgie, m&i-Fachklinik Bad Liebenstein(3) Reha-Zentrum am St. Josef-Stift Sendenhorst(4) Zentrum für Integrierte Rehabilitation, RKU-Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm(5) BG Klinikum Hamburg(6) Asklepios Klinik Wandsbek, Orthopädie und Unfallchirurgie, Hamburg(7) Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm, Bad BuchauFörderungkeineLaufzeit7/2015 bis 5/2018FragestellungSchwerverletzte Patienten benötigen nach Ende der Akutbehandlung eine qualifizierte und lückenloseRehabilitation. Diese postakute Rehabilitation (Phase C) stellt hohe Anforderungen an die Rehabilitationseinrichtung bezüglich personeller, sachlicher, organisatorischer und räumlicher Voraussetzungen.Aufgrund der Verletzungsschwere und der komplexen Anforderungen an eine postakute, multimodaleRehabilitation besteht ein hoher ärztlicher, pflegerischer, therapeutischer und gegebenenfalls psychologischer Einsatz.MethodenDer Arbeitskreis Traumarehabilitation der Sektion Rehabilitation der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat in mehreren Expertenrunden Anforderungen an die postakuteRehabilitation der Phase C bei Schwerverletzten konsentiert.ErgebnisseZur Umsetzung des neuen Phasenmodells der Traumarehabilitation sind spezialisierte Einrichtungen erforderlich, die insbesondere für die Phase C spezielle Anforderungen erfüllen müssen. Basierend auf denBGSW-Anforderungen der DGUV sind weitere Voraussetzungen im personellen, sachlichen sowie orga-19

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/Schmerztherapienisatorischen Bereich zu erfüllen. Für eine postakute Rehabilitation kommen Patienten in Betracht, dieeinen offensichtlichen orthopädisch-unfallchirurgischen Rehabilitationsbedarf haben und eine positiveReha-Prognose aufweisen, aber (noch) nicht rehabilitationsfähig sind nach den Kriterien der DeutschenRentenversicherung, z. B. nach Amputationen, bei Verlauf nach/mit Komplikationen sowie bei septischen Verläufen und Multimorbidität. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass sich das Phasenmodell derTraumarehabilitation grundsätzlich auch auf andere orthopädisch-unfallchirurgische Patienten übertragen ließe.Diskussion und ZusammenfassungÜber eine hohe Qualifikation und entsprechende Infrastruktur überregionalerTraumarehabilitationszentren wird einlückenloser Übergang in die Nach- undWeiterbehandlung von Schwerverletzten im TraumaNetzwerk DGU sichergestellt.PublikationMüller WD, Simmel S, Köhler S, Hoffmann R, Reimertz C: Einbindung e – Praktische Umsetzung des Phasenmodells der Traumarehabilitation. Phys Med Rehab Kuror 28(2018): 163–170Die publizierten Anforderungen sind indas Weißbuch Schwerverletztenversorgung der DGU aufgenommen worden.20Phasenmodell der Traumarehabilitation und mögliche Verläufe zwischenden einzelnen Phasen (entnommen aus Müller et al. 2018)

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/SchmerztherapieKontinuierliche Evaluation konservativ akut-orthopädischerBehandlung der WirbelsäuleProjektteamProf. Dr. med. Dr. med. habil. Bernd Kladny (1)Dr. med. Kilian Haase (1)Dr. phil. Ingo Haase (2)Beteiligte Einrichtungen(1) m&i-Fachklinik Herzogenaurach, Abt. Akut-Orthopädie Wirbelsäule(2) m&i-Klinikgruppe Enzensberg, Forschung, Entwicklung und QualitätssicherungFörderunginternLaufzeit7/2013 bis 3/2019 (aktuelle Auswertung)Evaluative Qualitätssicherung, fortlaufendHintergrund und FragestellungZahlreiche Verfahren stehen in der Behandlung von Rückenschmerzen zur Verfügung. Die Operationkann bei richtiger Indikation einen ansonsten langwierigen, schmerzhaften Verlauf unter Umständenabkürzen. Dem stehen allerdings Operations- und Narkoserisiken gegenüber. Vor der Durchführung einesoperativen Eingriffs wird man daher immer bestrebt sein, eine intensive konservative, nicht operativeBehandlung durchzuführen. Damit bestehen gute Chancen, die Beschwerden in den Griff zu bekommen, Schmerzen zu reduzieren und Lebensqualität zu verbessern. Eine Operation wird oft auf lange Sichtüberflüssig. In der m&i-Fachklinik Herzogenaurach können seit 2013 Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen in einer speziellen Abteilung für Akut-Orthopädie behandelt werden. Um die Wirksamkeit desBehandlungsansatzes überprüfen zu können, wird die Arbeit fortlaufend wissenschaftlich begleitet. Zielist es, die kurz-, mittel- und langfristigen Effekte der konservativen Komplexbehandlung hinsichtlich derReduktion von Schmerzen (primäre Zielgröße), der körperlichen und psychischen Beeinträchtigungensowie der Verbesserung der Funktionskapazität (sekundäre Zielgrößen) zu untersuchen. Darüber hinausist von Interesse, ob der Patient/die Patientin im Nachbeobachtungszeitraum aufgrund wiederkehrenderoder persistierender Kreuzschmerzen operativ behandelt werden musste.MethodikEs wurden bisher alle seit Juli 2013 wegen Rückenschmerzen akutstationär aufgenommenen Patienten(häufigste Hauptdiagnosen nach ICD-10: M47, M48, M51, M54) mit einem Schmerzfragebogen bei Aufnahme und bei Entlassung schriftlich befragt. Weitere Befragungen finden drei und sechs Monate nachEntlassung statt. Die Fragebögen beinhalten etablierte Messinstrumente, wie u. a. numerische Ratingskalen (NRS) zur Messung der Schmerzintensität und der Beeinträchtigung durch die Schmerzen sowie denFunktionsfragebogen Hannover (Funktionskapazität). Im Zentrum der vorliegenden Auswertung standdie Verlaufsbeobachtung hinsichtlich der genannten Zielparameter auf der Basis der Daten der erstenfünf Patientenjahrgänge (Aufnahmen von Juli 2013 bis Juni 2018).21

Abgeschlossene Forschungsprojekte – Orthopädie/Schmerztherap

36448 Bad Liebenstein Telefon 036961 6-60 [email protected] www.fachklinik-bad-liebenstein.de m&i-Fachklinik Bad Pyrmont Auf der Schanze 3 31812 Bad Pyrmont Telefon 05281 6210-0 [email protected] www.fachklinik-bad-pyrmont.de m&i-Parkland-Klinik Im Kreuzfeld 6 34537 Bad